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Foda erfreut über siegreichen
Einstand als ÖFB-Teamchef

Aber auch Ärger über viele zugelassene Chancen beim 2:1 über Uruguay

Fussball - Foda erfreut über siegreichen
Einstand als ÖFB-Teamchef © Bild: APA/ROBERT JAEGER

Der Einstand von Franco Foda als österreichischer Fußball-Teamchef ist geglückt. Im ersten Spiel unter der Leitung des Deutschen siegte die ÖFB-Auswahl am Dienstag im Happel-Stadion in einem Testspiel mit 2:1 gegen Uruguay, wobei das Resultat wohl zufriedenstellender als die Leistung war.

Foda war dennoch bemüht, die positiven Aspekte des erfolgreichen Jahres-Abschlusses hervorzuheben. "Wir sind sehr glücklich, dass wir gegen eine absolute Top-Mannschaft gewonnen haben", resümierte der 51-Jährige.

»Es war nicht alles so wie vorgestellt«

Sein Debüt habe ihm "viel Spaß und Freude" bereitet, beim Abspielen der Hymne habe er einen "Gänsehaut-Moment" erlebt, erzählte Foda. Trotzdem wurde gegen den WM-2018-Teilnehmer augenscheinlich, dass auf den Neo-Teamchef noch einiges an Arbeit wartet. "Es war nicht alles so wie vorgestellt", gab der Nachfolger von Marcel Koller zu.

Vor allem die vier Großchancen der Uruguayer in der ersten Hälfte, von denen nur eine verwertet wurde, machten Foda nachdenklich. "In den ersten zehn Minuten haben wir gut begonnen, aber nach dem Gegentor haben wir leider etwas die Kontrolle verloren und zu einfache Abspielfehler begangen."

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Man habe sich in dieser Phase auskontern lassen. "Uruguay ist tief gestanden und hat von unseren Fehlern profitiert. Wir hatten viel Ballbesitz, aber haben den Gegner zu schnellen Gegenstößen eingeladen. Das müssen wir besser machen", meinte Foda.

Als Grund für die Schwächen vor der Pause nannte der Teamchef unter anderem das 4-4-2-System mit Marko Arnautovic als zweiter Spitze. Erst mit der Rückkehr zum fürs ÖFB-Team gewohnten 4-2-3-1 lief es nach dem Seitenwechsel besser. "Wir haben dann praktisch nichts mehr zugelassen und besser gespielt", erklärte Foda.

»Ich hatte das Gefühl, dass wir Mitte der zweiten Hälfte gut im Spiel waren, also wollte ich nicht viele Dinge verändern«

Deshalb verzichtete der Coach auch entgegen seiner Ankündigung darauf, das in Testmatches sechs Spieler umfassende Austauschkontingent auszuschöpfen und nahm die meisten der fünf Wechsel erst relativ spät vor. "Ich hatte das Gefühl, dass wir Mitte der zweiten Hälfte gut im Spiel waren, also wollte ich nicht viele Dinge verändern", sagte er.

Nächstes Jahr wird es besser

Die zweiten 45 Minuten seien "insgesamt gut" gewesen, analysierte der Neo-Teamchef. "Das gibt Mut. Wir haben Potenzial und viele junge Spieler." Seiner Truppe stehe in den kommenden Monaten ein Lernprozess bevor. "Aber ich bin von der Mannschaft hundertprozentig überzeugt und sicher, dass wir im nächsten Jahr besser spielen werden."

Die nächsten Länderspiele steigen im März 2018, wobei Gegner und Austragungsorte noch offen sind. Weiter geht es Ende Mai/Anfang Juni mit zwei weiteren Partien, ehe es im September 2018 mit dem Auftakt zur Nations League ernst wird. Dann sollten auch wieder zuletzt wegen Verletzungen fehlende Kicker wie David Alaba, Martin Hinteregger, Sebastian Prödl oder Stefan Ilsanker dabei sein.

Vorerst steht wieder Sturm im Mittelpunkt

Vorerst steht für Foda aber noch eine andere Aufgabe im Mittelpunkt - der Nationaltrainer fungiert bis Jahresende weiter als Betreuer von Bundesliga-Tabellenführer Sturm Graz. Bereits am Mittwochnachmittag leitete er wieder eine Einheit bei den "Blackys", die er auf den Sonntag-Schlager gegen den ersten Verfolger Red Bull Salzburg vorbereitet. "Bis Mittwochfrüh denke ich noch an das Uruguay-Match, dann muss sich mein Kopf auf Salzburg einstellen", erklärte Foda.

So sehen es die Spieler

Die ÖFB-Teamspieler schwankten zwischen Zufriedenheit über den Sieg und den erfolgreichen Start unter Foda und der Erkenntnis, dass noch Luft nach oben ist. So meinte etwa Marko Arnautovic: "Es war solide, es war nicht perfekt. Aber wir haben gewonnen, das zählt. Ich bin zufrieden mit dem sieg und stolz auf die Jungs."

»Es war solide, es war nicht perfekt«

Die vier Topchancen der Uruguayer vor der Pause waren laut Arnautovic auch der mangelnden Routine geschuldet. "Wir haben eine junge Mannschaft, keine erfahrene wie Uruguay. Natürlich, nobody is perfect. Jeder macht Fehler, Fehler waren heute okay, weil sie nicht zu Toren geführt haben."

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Einige neue Spieler, ein neuer Trainer und eine neue Spielphilosophie - das alles gilt es nun so schnell wie möglich auf die Reihe zu bekommen. "Aber je länger wir arbeiten, umso besser werden wir", versprach Arnautovic.

»In erster Linie brauchen wir jetzt einmal Zeit«

Auch Kapitän Julian Baumgartlinger bat um Geduld. "In erster Linie brauchen wir jetzt einmal Zeit. Diese Woche war schon sehr viel wert, damit man den Stamm der Spieler einmal sieht. Es kommen noch einige sehr gute Spieler, die verletzt waren, dazu."

Daher blickt der 29-Jährige optimistisch auf die vier kommenden Länderspiele im März und Ende Mai/Anfang Juni 2018. "Wichtig ist, dass wir da zwei lange Lehrgänge haben, dass wir etwas einüben können ohne große Drucksituation. Man muss sich kennenlernen, das hat man in der ersten Hälfte gemerkt.

Die nächsten beiden Zusammentreffen sollten laut dem Leverkusen-Profi zu einer Steigerung beitragen. "Im Training haben wir gerade einmal ein oder zwei Varianten angerissen. Der Trainer hat aber betont, dass er variabel spielen will, da gilt es darauf aufbauen." Ziel sei es, "mutig und dominant" zu spielen. "Das auf höchstem Niveau erfolgreich zu machen, bedeutet viel Arbeit", betonte der Salzburger.

Positiv hob Baumgartlinger hervor, dass Foda nach dem durchwachsenen Auftritt in der ersten Hälfte von einem 4-4-2- auf 4-2-3-1-System umstellte. "Er hat gesehen, dass wir in der Mitte keinen Zugriff bekommen haben. Darauf haben wir reagiert, das hat funktioniert."

Sieg gegen Uruguay hart erarbeitet

Man habe sich den Sieg hart erarbeitet, und das in einer Partie, in der es um nicht allzu viel ging. Siegeswille und Mentalität hätten gepasst, "gerade ein einem Spiel, wo man uns oft vorgeworfen hat, dass Freundschaftsspiele lax angegangen wurden. Aber das kann man diesmal nicht sagen", erklärte Baumgartlinger.

Goalie Heinz Lindner war die Zufriedenheit ebenfalls anzumerken. "Wir haben dem Gegner großteils unser Spiel aufgezwungen. Die kleine Schwächephase Mitte der ersten Hälfte, in der sie vier Chancen hatten, müssen wir noch abstellen."

Den Beistand von Fortuna hätte das ÖFB-Team in der WM-Qualifikation dringender benötigt. "Das sind so Spiele, die wir in der Quali noch verloren oder unentschieden gespielt hätten. Wir hatten wieder das Quäntchen Glück, das kommt aber nicht von ungefähr, das haben wir uns auch erarbeitet und uns durch eine starke Mannschaftsleistung verdient", sagte Lindner.

Sein Vordermann Aleksandar Dragovic gab zu, man hätte zur Pause 1:3 oder 1:4 in Rückstand liegen können. "Da haben wir zu viele Eigenfehler gemacht und zu viele Torchancen zugelassen. Das müssen wir schleunigst verbessern. Zum Glück wurden wir nicht bestraft." Auf der zweiten Hälfte könne man aber aufbauen. "Wir müssen uns in jedem Detail verbessern, wenn wir uns in Zukunft qualifizieren wollen."

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