Flugzeug-Unglück in Thailand überlebt:
"Auf einmal hat es Mordsrumpler gegeben"

Vorarlberger Marcel S. schildert seine Eindrücke Noch keine psychologische Unterstützung erhalten

Der 33-jährige Vorarlberger Marcel S., der das Flugzeugunglück in Thailand überlebt hat, befand sich noch in Phuket im Spital. Körperlich gehe es ihm gut, "viel schlimmer sind die seelischen Verletzungen". Bald wolle er zurück nach Österreich. Unterdessen wurde bei den Bergungsarbeiten die Black Box des Flugzeugs gefunden, dessen Absturz rund 90 Todesopfer forderte.

Nachdem die Maschine auf den Boden gekracht sei, "haben wir uns losgeschnallt, sind über irgendwelche Menschen, die halb am Boden gelegen sind - die Decke ist heruntergekommen - zum Notausgang", so der 34-Jährige aus Lauterach bei Bregenz. Dort hätten sich die Leute gedrängelt, es habe Geschrei gegeben.

"Irgendwie haben wir es geschafft, nachher herauszukommen, und dann sind wir einfach vor auf die Landebahn gesprungen", schilderte der Vorarlberger die dramatische Situation. Dort habe man darauf gewartet, dass irgendjemand helfe. "Nur die Hilfe ist leider die ersten 15 Minuten ausgeblieben", sagte der Vorarlberger.

Marcel S. überstand das Flugzeugunglück mit Prellungen am Brustkorb. Er und sein deutscher Begleiter, ein Freund aus Deutschland, hätten gar nichts mehr: "Kein Geld, keinen Ausweis, keine Kleider", sagte er im APA-Interview. Vor einer Rückkehr müssen die lebensnotwendigen Dinge besorgt werden. Die österreichische Botschaft mache ihre Sache ausgezeichnet, lobte Marcel S.

Auch am Tag danach konnte er die Geschehnisse noch nicht fassen. "Es ist schwer zu verstehen, schwer zu verarbeiten", so der in Lauterach bei Bregenz wohnhafte Junior-Chef einer Gaststätte. "Ich habe nur zwei bis drei Stunden geschlafen, wache immer wieder auf, träume davon", schilderte der 33-Jährige seinen Zustand. Die medizinische Betreuung in Phuket sei hervorragend, allerdings hätten er und sein Freund noch keine psychologische Unterstützung erhalten. Marcel S. bedauert, dass es für die Rückreise keine Alternative zum Flugzeug gibt.

Bei den Bergungsarbeiten auf Phuket wurden wurde mittlerweile auch der Flugschreiber gefunden. Sie soll nun in den USA untersucht werden, um die Unglücksursache zu klären. Der beim Absturz getötete Pilot der Maschine vom Typ McDonnell Douglas MD-82 der Billiglinie One-Two-Go war nach neuen Angaben ein ehemaliger Angehöriger der indonesischen Armee. Ein Sicherheitsexperte hat außerdem darauf hingewiesen, dass Billigfluglinien statistisch kein höheres Sicherheitsrisiko darstellen als ihre teurere Konkurrenz.

(apa/red)