Flugzeug-Crash über dem Schwarzen Meer:
Suche nach Airbus-Flugschreiber fortgesetzt

Bisher konnten nur 20 Opfer identifiziert werden Unwetter oder menschliches Versagen als Auslöser

Flugzeug-Crash über dem Schwarzen Meer:
Suche nach Airbus-Flugschreiber fortgesetzt

Nach dem Absturz eines armenischen Passagierflugzeugs über dem Schwarzen Meer haben die Suchmannschaften ihre Bemühungen um die Bergung der Opfer und die Suche nach den Flugschreibern verstärkt. Bis Donnerstag in der Früh wurden 53 Leichen geborgen, wie die Nachrichtenagentur ITAR-TASS meldete.

20 von ihnen seien bisher identifiziert worden. Die Retter arbeiteten die ganze Nacht hindurch. Mit Spezialsonden sollte auf dem Meeresgrund nach dem Flugdatenschreiber und dem Stimmaufzeichnungsgerät aus dem Cockpit gesucht werden. Sie könnten Hinweise auf die Unglücksursache geben. Angehörige der 113 Todesopfer wollten am Donnerstag die Absturzstelle besuchen.

Er hoffe, dass die Flugschreiber noch im Laufe des Tages gefunden werden könnten, sagte der russische Verkehrsminister Igor Lewitin. Die Trümmer des Airbus 320 liegen in mehr als 400 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Ein französisches Spezialistenteam sollte bei der Suche helfen.

Angehörige der 113 Todesopfer sollten am Donnerstag mit einem Schiff an die Absturzstelle fahren, um dort Kränze ins Meer zu werfen, wie ITAR-TASS berichtete. Die Hinterbliebenen begannen, anhand von Fotos der bisher geborgenen Leichen ihre Lieben zu identifizieren. Zwei Menschen waren am Mittwoch in Ohnmacht gefallen, als sämtliche Angehörigen gleichzeitig zu einer Wand in einem Hotel in Sotschi stürzten, wo die Fotos der Toten ausgehängt wurden.

"Die Fotos sind schrecklich. Wie müssen sie gelitten haben", sagte die 36-jährige Tamara Mkrtschan am Donnerstag. Sie verlor bei dem Unglück ihren Mann Markar und die 17 Jahre alte Tochter Flora sowie zwei weitere Angehörige - alle vier waren auf dem Rückflug von einer Hochzeitsfeier in Eriwan gewesen. "Meine Tochter hatte eine Vorahnung. Sie hatte Angst, das Flugzeug zu nehmen, und dass es ins Meer fallen könnte", berichtete Mkrtschan. "Ich habe ihr noch vorgeschlagen umzubuchen, aber sie wollte nicht."

Der Airbus 320 der Fluggesellschaft Armavia war in der Nacht zum Mittwoch beim Landeanflug auf dem Flughafen des beliebten südrussischen Badeorts Sotschi ins Meer gestürzt. Alle 113 Insassen an Bord kamen ums Leben. Die Behörden vermuten schlechtes Wetter als Ursache; zum Zeitpunkt des Absturzes herrschten heftiger Regen und schlechte Sicht. Die russischen Behörden schlossen einen Terroranschlag aus.

Der Flughafen von Sotschi liegt zwischen Bergen und dem Meer und ist nach Expertenangaben auch bei guten Wetterverhältnissen schwierig anzusteuern. Russische Zeitungen spekulierten am Donnerstag über die Unglücksursache. Sie vermuteten, einflussreiche Passagiere an Bord könnten trotz der schlechten Sicht auf einen Landeversuch gedrungen haben. Ein Blatt spekulierte über Treibstoffmangel. Der "Kommersant" ging von einer Kombination zwischen Fehlverhalten der Crew und schlechten Wetterbedingungen aus.
(apa/red)