"Flughafen immer im Einfluss der Politik":
Ex-Vorstand Franz Kotrba im NEWS.at-Talk

Dritte Piste soll Entlastung beim Flugverkehr bringen "Der Flughafen Wien besteht nicht nur aus Skylink"

"Flughafen immer im Einfluss der Politik":
Ex-Vorstand Franz Kotrba im NEWS.at-Talk © Bild: NEWS.at/Meisterle

Kritische Rechnungshofberichte, eine Explosion der Baukosten, der Vorwurf politischer Einflussnahme - wer jetzt spontan an Skylink denkt, liegt nicht ganz falsch. Aber auch nicht ganz richtig: Denn bereits vor zehn Jahren musste der Flughafen Wien eine hitzige mediale Debatte über sich ergehen lassen. Als ehemaliger Geschäftsführer und langjähriger Vorstand des Flughafens kann Franz Kotrba ein Liedchen von Vorwürfen, Missständen und Konsequenzen singen. Im Interview mit NEWS.at tut er das auch - und erläutert, welche Rolle Skylink und die Politik spielt. Und welche sie eigentlich spielen sollten.

NEWS.at: Sie sind Mitbegründer der Initiative "Zukunft Flughafen", die sich für den Bau einer dritten Piste am Flughafen Wien einsetzt. Die Passagierzahlen gingen im letzten Jahr um knapp 11 Prozent zurück. Warum braucht der Flughafen eine weitere Piste?
Franz Kotrba: Es geht nicht um eine dritte Piste, sondern um eine Parallelpiste. Dadurch, dass sich die zwei bereits bestehenden Pisten kreuzen, steht derzeit immer nur eine zur Verfügung. Sowohl von der Flugsicherung als auch was die Flugbewegungen betrifft, ist das Limit in Wien bereits erreicht. Das ist ein gewaltiges Projekt, das aber weit in die Zukunft weist: Nur mit einer dritten Piste kann sich der Flugverkehr über eine Dauer von 30 Jahren geordnet entwickeln.

NEWS.at: Welche Bedeutung hat Skylink beim Ausbau des Flughafens?
Kotrba: Der Flughafen hatte vor Jahren geplant, ab 15 Millionen Passagieren ein weiteres Terminal (eine Ankunfts- und Abflugshalle, Anm.) zu bauen. Das hat man längst erreicht. Das Terminal Skylink gehört dringend fertig gebaut, auch um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Dadurch dass die AUA im Lufthansa-Verbund fliegt, wird die Konkurrenz für den Flughafen immer größer. Die Lufthansa wird nur dort expandieren, wo sie die Sicherheit hat, dass das sehr langfristig möglich ist. Mit zwei sich kreuzenden Pisten ist das in Wien derzeit nicht möglich.

NEWS.at: Bereits in den 90ern hagelte es vom Rechnungshof Kritik an der Umsetzung von Bauprojekten am Wiener Flughafen. Der ehemalige Rechnungshofpräsident Franz Fiedler meinte, aus den Fehlern der 90er hätte man nichts gelernt. Sie waren damals Vorstand des Flughafens. Geben Sie Fiedler Recht?
Kotrba: Der Herr Fiedler versteht relativ wenig davon. Den letzten Rechnungshofbericht hatte der damalige NEWS-Chefredakteur Alfred Worm als „Mumpitz“ bezeichnet. Ich habe vier Rechnungshofprüfungen erlebt, der Wert dieser Prüfungen für das Unternehmen tendierte jedes Mal gegen Null. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen: Der Flughafen wehrt sich vollkommen zurecht gegen eine RH-Prüfung.

NEWS.at: Bei Bauvorhaben gibt es am Wiener Flughafen also kein grundsätzliches Problem?
Kotrba: Skylink ist sicher suboptimal verlaufen. Die Ursachen dafür werden jetzt genau untersucht. Was mich allerdings erschüttert, ist, dass das Unternehmen Flughafen Wien nicht nur aus dem Bau eines Terminals besteht. Verkehrsabfertigung, Werkstätten, Sicherheit, Feuerwehr, Pakierung: Die meisten Geschäftsbereiche haben mit Skylink überhaupt nichts zu tun - und funktionieren hervorragend. In den letzten Jahren zahlte der Flughafen schöne Dividenden und schloss eine ganze Menge von Investitionsprojekten erfolgreich ab. Das alles wird jetzt von Skylink verdrängt und in ein schlechtes Licht gerückt.

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