Flüssigsprengstoff in Getränkeflaschen? Ideale Tarnung für Terroristen bei Kontrollen

Von Detektoren auf Flughäfen nur schwer aufspürbar

Nach der Aufdeckung des mutmaßlichen Terrorkomplotts in Großbritannien ist darüber spekuliert worden, dass die geplanten Anschläge auf Linienflugzeuge mit so genannten Flüssigsprengstoffen verübt werden sollten. Sie hätten aus der Sicht von Terroristen den Vorteil, dass sie als harmlose Getränke getarnt im Handgepäck mitgenommen und von Sprengstoffdetektoren auf Flughäfen bisher nur schwer aufgespürt werden können.

Chemiker unterscheiden bei Flüssigsprengstoffen zwischen trockenen Sprengstoffen in Pulverform, die etwa wie Zucker "fließen", und Sprengstoffen, die flüssig wie Wasser sind und auch so aussehen können. Im Tunnelbau wird etwa der pulverförmige Flüssigsprengstoff ANFO in Bohrlöcher geblasen und zur Zündung gebracht. Bei so genannten Antipersonenminen werden oftmals Plastikgehäuse ebenfalls mit pulverförmigem Flüssigsprengstoff gefüllt.

Der Einsatz von flüssigen Sprengstoffen mit einer wasserähnlichen Konsistenz wird sowohl im technischen als auch im militärischen Bereich bis auf wenige Ausnahmen vermieden, weil sie Experten zufolge meist extrem schlag- und schockempfindlich sind. Ein Beispiel dafür ist das von Alfred Nobel erfundene flüssige Nitroglyzerin. Um die extrem sensible Flüssigkeit zu "phlegmatisieren" und damit sicherer zu machen, brachte Nobel sie auf das feste Trägermaterial Kieselgur auf und gab seiner Erfindung den Namen "Dynamit".

Terroristen könnten Chemikern zufolge aber durchaus wie Wasser aussehende Flüssigsprengstoffe selbst herstellen, um damit leichter durch die Gepäckkontrollen an Flughäfen zu kommen. Als Grundstoff dazu sei etwa das in Baumärkten erhältliche Azeton geeignet. Solch eine klare Flüssigkeit kann etwa in harmlos aussehende Flaschen abgefüllt werden.

Zur Explosion wird sie dann mit dem Zünder eines Airbags gebracht, der im Autoschrotthandel gefunden werden kann. Einem Sprengstoffexperten zufolge ist solch ein Eigenlaborat durchaus in der Lage, ein Loch in die Bordwand eines Flugzeugs zu reißen. Detaillierte Bauanleitungen dazu fänden sich leider noch immer im Internet. Die Mischungen mit Bestandteilen wie Küchensalz, Chlorreinigern, Frostschutzmitteln oder Aspirin erreichen eine Sprengwirkung wie etwa TNT, das im Bergbau oder bei der Sprengung von Abrisshäusern eingesetzt wird. (apa)