Vertreibung von

Alle 3 Sekunden musste
ein Mensch flüchten

Weltflüchtlingstag: Eine Übersicht über die Flüchtlingsbewegungen 2016 weltweit

Flüchtlinge © Bild: imago/Xinhua

In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen laut den Vereinten Nationen weltweit drastisch gestiegen: von 33.9 Millionen Menschen im Jahr 1997 auf 65,6 Millionen im Jahr 2016. Alle 3 Sekunden musste vergangenes Jahr irgendwo auf der Welt ein Mensch flüchten. Woher die meisten Flüchtlinge kommen und wer die Hauptaufnahmeländer sind.

1. Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge?

Wie der aktuelle Jahresbericht der UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) aufzeigt, kommen 55 Prozent der Flüchtlinge weltweit aus nur drei Ländern: Südsudan, Afghanistan und Syrien. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist Syrien nach wie vor am stärksten von Flucht und Vertreibung betroffen. Zwölf Millionen Menschen, das sind rund zwei Drittel aller Syrer, sind entweder Binnenvertriebene oder als Flüchtlinge und Asylsuchende im Ausland.

2. Wo sind die meisten Menschen auf der Flucht?

Insgesamt befinden sich die meisten Menschen in Nordafrika, Afrika und im Nahen Osten auf der Flucht. Übrigens sind über die Hälfte der knapp 22,5 Millionen Flüchtlinge, die vor Konflikten, Verfolgung oder schweren Menschenrechtsverletzungen aus ihrer Heimat geflohen sind, unter 18 Jahre alt.

3. Warum ist die Zahl der Flüchtlinge zuletzt so stark gestiegen?

Zu einem Anstieg an Flüchtlingen ist es laut UNHCR vor allem zwischen 2012 und 2015 gekommen, hauptsächlich durch den Konflikt in Syrien und Krisen in anderen Regionen wie dem Irak, Jemen oder Subsahara-Afrika. Unter letzteres fallen die Länder Burundi, Südsudan, Sudan, die Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo.

4. Wer sind die Hauptaufnahmeländer?

In Europa herrscht oft der Irrglaube, dass die meisten Flüchtlinge weltweit von europäischen Ländern aufgenommen werden. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren 2016 jedoch 9 der 10 Top-Aufnahmeländer Entwicklungsregionen. Auf Platz eins liegt die Türkei mit 2,9 Millionen aufgenommenen Flüchtlingen. Es folgen die Staaten Pakistan (1,4 Millionen) , Libanon (1,0 Millionen), Iran (979.400), Uganda (940.800) , Äthiopien (791.600), Jordanien (685.200), Deutschland (669.500), die Demokratische Republik Kongo (452.000) und Kenia (451.100).

5. Wie viele Kinder sind auf der Flucht?

Rund die Hälfte der gesamten Flüchtlingspopulation sind Kinder. "Sie müssen vor allem aufgrund ihrer Vulnerabilität besonders leiden. Tragischerweise wurden im letzten Jahr 75.000 Asylanträge von Kindern gestellt, die allein oder von ihren Eltern getrennt fliehen mussten", heißt es laut UNHCR-Bericht. Die Dunkelziffer wird aber noch um einiges höher geschätzt.

6. Hält der Flüchtlingsstrom weiterhin an?

Im Laufe des Jahres 2016 sind erneut 3,4 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende hinzugekommen. Weitere 6,9 Millionen Menschen sind sogenannte Binnenvertriebene, Flüchtlinge im eigenen Land. Ende 2016 sollen zudem mindestens zehn Millionen Menschen staatenlos gewesen sein, ihnen wurde eine Nationalität verweigert und damit auch der Zugang zu Grundrechten wie Bildung, medizinischer Versorgung und Arbeit.

Die Zahl der in anderen Ländern neu angekommenen Flüchtlinge ist jedoch gegenüber 2015 leicht und gegenüber 2014 signifikant gesunken, wie der UNHCR-Bericht erhoben hat.

Flüchtlinge
© REUTERS/Yannis Behrakis/File Photo Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze

7. Wie viele Flüchtlinge sind in ihre Heimat zurückgekehrt?

Etliche Flüchtlinge - wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz der Gesamtzahl - sind 2016 zurückgekehrt und haben versucht, sich in ihrer alten Heimat ein neues Leben aufzubauen. Über eine halbe Million Flüchtlinge sind aus dem Ausland in ihr Heimatland zurückgekehrt. Außerdem ließen sich 6,5 Millionen Binnenvertriebene erneut in ihrer Heimatregionen nieder. Das sind mehr Rückkehrer als noch 2015. Rückkehrerländer sind vor allem Afghanistan, Somalia und der Sudan.