Wortgefecht von

Hilfsorganisation schießt
gegen Außenminister Kurz

Ärzte ohne Grenzen weist Kritik an Rettungsaktionen im Mittelmeer zurück

Frontex © Bild: APA/ANDREAS SOLARO / AFP

Außenminister Sebastian Kurz hat die EU-Grenzschutzagentur Frontex in Valletta besucht und die Rettungsaktionen von Hilfsorganisationen im Mittelmeer mit den Worten kritisiert: "Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden." Eine dieser NGOs hat nun ihrerseits den Minister attackiert.

»Es ist empörend, dass der Außenminister uns vorwirft, Partner von Schleppern zu sein«

"Ärzte ohne Grenzen" hat die Kritik von Kurz in einer Aussendung scharf zurückgewiesen: "Es ist empörend, dass der österreichische Außenminister Hilfsorganisationen mit Rettungsschiffen im Mittelmeer über die Medien vorwirft, Partner von Schleppern zu sein", teilte Mario Thaler, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich mit. Die Hilfsorganisation ist selbst Teil jener NGOs, die Rettungsaktionen im Mittelmeer durchführen. Thaler stellte die Frage, was die Alternative wäre: "Sollen wir uns zurückziehen, die Menschen sich selbst überlassen und noch größerer Gefahr aussetzen, nur um Menschenschmuggel schwieriger zu machen? Sollen wir die Menschen ertrinken lassen? "

Schockiert zeigte er sich auch über den Vorwurf, die Hilfsorganisationen würden dafür verantwortlich sein, dass mehr Menschen im Mittelmeer sterben würden. Diese Anschuldigung zeuge von einem völlig falschen Bild der Rettungseinsätze im Mittelmeer und entspricht nicht der Realität, wie der Geschäftsführer mitteilte. "Ärzte ohne Grenzen" sei eine humanitäre Organisation und weder die Grenzpolizei noch eine Organisation zur Schlepperbekämpfung. Thaler fordert im Gegenzug vielmehr den Außenminister dazu auf, sich zu überlegen, "wie Österreich zu tatsächlichen Lösungen für die Krise rund um die Flüchtlingsaufnahme in Europa beitragen kann, etwa durch humanitäre Visa, Familienzusammenführungen, die Umsiedelung von Asylsuchenden aus Italien und Griechenland sowie Resettlement-Programme."

Der Vorwurf von Kurz

Kurz hatte bei seinem Besuch der Frontex-Mission gesagt: "Es gibt NGOs, die gute Arbeit leisten, aber auch viele, die Partner der Schlepper sind." Er plädierte erneut dafür, dass die im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge nicht mehr auf das italienische Festland gebracht würden, sondern nach australischem Vorbild gestoppt und in Flüchtlingszentren außerhalb der EU zurückgestellt werden. "Wenn klar ist, dass man auf Inseln wie Lampedusa oder Lesbos gestoppt wird, dann macht sich innerhalb weniger Wochen kaum mehr auf den Weg."

Mehr als 500 Tote seit Jänner 2017

Neben "Ärzte ohne Grenzen" haben auch andere Hilfsorganisationen die Kritik zurückgewiesen und darauf verweisen, dass sie mit ihren Einsätzen Tausende Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben. Trotz der Bemühungen zur Rettung von Flüchtlingen sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) im Vorjahr mehr als 4.500 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Seit Jahresbeginn wurden bereits mehr als 500 Tote gezählt.