Flüchtlinge zwischen den Libanon-Fronten: Tausende Palästinenser fliehen vor Kämpfen

Schätzungen zufolge bisher 70 Tote in Flüchtlingslager USA geben libanesischer Regierung Rückendeckung

Flüchtlinge zwischen den Libanon-Fronten: Tausende Palästinenser fliehen vor Kämpfen

Im Nordlibanon haben tausende Menschen versucht, sich vor den Kämpfen zwischen der libanesischen Armee und der Extremistengruppe Fatah al-Islam in Sicherheit zu bringen. Frauen, Männer und Kinder zogen aus dem umkämpften Flüchtlingslager Nahr al-Barad zu Fuß oder mit dem Auto in das benachbarte Lager Baddawi und in die Hafenstadt Tripoli. Hilfsorganisationen äußerten sich besorgt über die Situation der in Nahr al-Barad festsitzenden Menschen. Die USA sagten der Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora Unterstützung zu und prüften einen libanesischen Antrag auf zusätzliche Militärhilfen.

Den Flüchtlingen werde in Baddawi Obdach gewährt, betonte Hadsch Rifaat, ein der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas angehörender Verantwortlicher in Baddawi. Angesichts des wachsenden Anstroms sei jedoch zu erwarten, dass das Lager schnell überfüllt sein werde und die Lebensmittel zur Neige gingen. Hunderte Flüchtlinge trafen nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP auch in der Hafenstadt Tripoli ein. Sie wurden in Schulen untergebracht.

Die libanesische Armee belagerte weiter Nahr al-Barad, wo sich islamistische Kämpfer verschanzt hielten. In dem Lager gab es weder Strom noch Wasser, Bäckereien und Ambulanzen blieben geschlossen. UN-Hilfskoordinator John Holmes äußerte sich besorgt über die Lage der Flüchtlinge in Nahr al-Bahred. Er forderte die Konfliktparteien auf, den humanitären Organisationen "unter friedlichen Umständen" Zugang zu dem Lager zu gewähren, damit Vorräte und Medikamente an die Zivilbevölkerung geliefert werden könnten.

Schätzungen zufolge bisher 70 Tote in Flüchtlingslager
Über die Zahl der Opfer in dem Lager mit bis zu 40.000 Bewohnern hatte Holmes keine Informationen. Schätzungen zufolge starben bei den Gefechten zwischen der libanesischen Armee und der islamistischen Sunnitengruppe Fatah al-Islam - den schwersten seit Ende des Bürgerkrieges 1990 - seit Sonntag fast 70 Menschen. Zuletzt waren bei dem Beschuss eines UN-Hilfskonvois zwei palästinensische Zivilisten getötet worden.

Die USA sagten der libanesischen Regierung Unterstützung im Kampf gegen Islamisten zu. Die Regierung habe eine Unterstützung von 280 Millionen Dollar (208 Millionen Euro) beantragt, teilte das US-Außenministerium am Dienstag mit. Der Antrag werde geprüft, hieß es in Washington. US-Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte das Vorgehen der libanesischen Armee.

USA geben libanesischer Regierung Rückendeckung
Die Regierung Siniora kämpfe gegen einen "sehr gefährlichen extremistischen Feind", sagte Rice. Nach Angaben des Pentagon bewilligte die US-Regierung Munition, Lastwagen und Ersatzteilte im Wert von 30,4 Millionen Dollar (22,6 Millionen Euro). Der Kongress habe zwei Wochen Zeit, über das Paket zu entscheiden, hieß es.

Washington ließ der libanesischen Regierung bereits im vergangenen Jahr 40 Millionen Dollar Militärhilfe zukommen. Ein geplantes Libanon-Hilfspaket im Umfang von 280 Millionen Dollar wartet derzeit noch auf die Verabschiedung durch den Kongress. Die USA sehen die libanesische Regierung als Verbündeten im Vorgehen gegen ihre Gegner im Nahen Osten wie etwa die radikale Schiitenmiliz Hisbollah oder die Regierungen in Syrien und im Iran.

Regierungssprecher Tony Snow warf Syrien vor, an einer Destabilisierung der Lage im Libanon interessiert zu sein. Damit solle die internationale Öffentlichkeit von den Bemühungen der Vereinten Nationen abgelenkt werden, ein Sondertribunal zur Strafverfolgung im Mordfall Rafik Hariri zu errichten.

(apa/red)