"Floritz" eröffnet Pforten: Erstes Wiener SOS-Kinderdorf bietet 25 Kindern neues Heim

Nach Berlin & Chicago 3. Projekt in Großstädten

"Floritz" hat eröffnet: Das erste SOS-Kinderdorf Wiens hat offiziell seine Arbeit aufgenommen. Zusammen mit Chicago und Berlin sei man damit überhaupt die erste Einrichtung ihrer Art in einer Großstadt, unterstrich der Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf-Österreich, Wilfried Vyslozil, bei der Präsentation. Dementsprechend das Motto für die Eröffnungsfeierlichkeiten mit Feuerwerk am Abend: "Stadt in Sicht."

Man spreche also nicht mehr von der grünen Wiese aus über die Gefährdung der Kindheit, sondern gehe mitten in die Stadt, so Vyslozil. Die Entscheidung für die Bundeshauptstadt sei nicht zuletzt deshalb gefallen, damit betreute Wiener Kinder nicht ihr soziales Umfeld verlassen müssten und in eines der SOS-Kinderdörfer in den Bundesländern ziehen, erläuterte der Wiener Geschäftsführer, Erwin Roßmann.

Langfristig für bis zu 25 Kindern neues Zuhause
Die fünf Wiener SOS-Kinderdorf-Familien werden in neu entstehenden Wohneinheiten im Bezirk Floridsdorf angesiedelt und leben auf diese Weise integriert in einem Umfeld mit anderen Familien. Letztlich sollen sie insgesamt bis zu 25 Kindern ein dauerhaftes Zuhause bieten. Außerdem wird es zwei Wohngruppen geben, die Pflegeplätze für 16 Jugendliche stellen. Diese sind eher kurzfristig ausgerichtet und dienen als Zufluchtsort, bis das familiäre Umfeld stabilisiert ist.

Zentrale Drehscheibe des Konzeptes ist ein FamilienRAThaus. Hier soll es Therapie- und Beratungsangebote ebenso geben wie ein Cafe und einen Abenteuerspielplatz im Garten. Diese Angebote richten sich nicht alleine an die SOS-Kinderdorf-Familien, sondern auch an Ortsansässige, die in Erziehungsfragen betreut werden sollen. Unter anderem ist ein Psychiatrie-Ambulatorium für Kinder und Jugendliche vorgesehen.

Auch Wiens Jugendstadträtin Grete Laska hob die Bedeutung des FamilienRAThauses hervor. Diese kommunikativen Drehscheiben seien wichtig, um der Anonymität der Großstadt zu begegnen.

Das Gesamtprojekt wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Wiener Jugendamt (MA 11) umgesetzt, das auch einen Großteil der laufenden Kosten trägt. Außerdem wird die MA 11 im FamilienRAThaus ein Eltern-Kinder-Begegnungszentrum einrichten.

Das erste SOS-Kinderdorf wurde bereits 1949 von Hermann Gmeiner in Imst in Tirol eröffnet. Heute werden in den neun österreichischen SOS-Kinderdörfern 650 Kinder betreut. Weltweit gibt es 400 solcher Einrichtungen.
(APA/red)