Florenz oder Pisa? Ist doch beides Italien:
Sky Europe buchte bezahlte Flüge still um

Florenz-Billigflüge gebucht und Pisa dafür bekommen Fluglinie will Kunden nach Möglichkeit zufriedenstellen

Florenz oder Pisa? Ist doch beides Italien:
Sky Europe buchte bezahlte Flüge still um

Wer bei der börsenotierten Billigfluglinie SkyEurope einen Flug von Wien nach Florenz gebucht hat, darf sich auf eine unangenehme Überraschung gefasst machen: Es gibt diese Flugverbindung nämlich gar nicht, berichtet "Die Presse" in ihrer Dienstag-Ausgabe. Eine Stellungnahme der Fluglinie war kurzfristig nicht zu erhalten.

Noch vor ein paar Wochen warb SkyEurope mit billigen Florenz-Flügen für den neuen Standort Wien. Passagiere buchten, bezahlten, bekamen die Bestätigung und erhielten dann folgende E-Mail von SkyEurope (im Originalwortlaut): "Unsere ursprunglich geplannte und auch zur Buchung verfügbar stehende Flüge nach/von Florenz haben wir kurzfristig auf ein nahlegendes Flughafen in Pisa umorientiert." Man könne nach Pisa fliegen oder stornieren. Zu finanziellem Ersatz sei SkyEurope nicht bereit, so die Auskunft laut Zeitung.

Schadensersatz
Laut dem Zivilrechtler Christian Rabl von Kosch & Partner Rechtsanwälte ist diese Vorgangsweise nicht zulässig. "Die Kunden können das Angebot zum Rücktritt annehmen und dann den schadenersatzrechtlichen Differenzbetrag einfordern", sagte er zur "Presse". Also zum Beispiel einen anderen Flug nach Florenz buchen und die Differenz SkyEurope in Rechnung stellen.

Kunde oder Fluglinie
Voraussetzung dafür sei Verschulden. Heißt konkret: Der Kunde obsiegt, wenn SkyEurope nicht beweisen kann, dass ihr die Routenänderung nicht vorwerfbar ist. "Dass etwa die Maschine lausig gebucht ist und es unzumutbar wäre, die Strecke zu betreiben", erklärt Rabl.

Landebahn zu kurz
Eben das dürfte bei Wien-Florenz aber nicht der Fall sein. "Wir wollten mit der Boeing 737-700 fliegen. Bei Schlechtwetter ist aber die Landebahn in Florenz für dieses Flugzeug zu kurz", sagte Ralph Preclik, Österreich-Verantwortlicher von SkyEurope zur "Presse". 149 Fluggäste können mit einer 737-700 mitfliegen - bei Schönwetter. "Bei Nebel hätten wir nur mit 60, 70 Passagieren fliegen können. Wir wollten es unseren Kunden ersparen, dass sie dann keinen Platz bekommen."

250 Euro für überbuchte Kunden
Doch erspart sich auch SkyEurope dem Bericht zu Folge selber mit der Streichung des Florenz-Fluges einiges. Sie müsste nämlich laut EG-Verordnung Nr. 261/2004 jedem "überbuchten" Kunden 250 Euro zahlen: zehnmal mehr, als die meisten "Flug-Schnäppchen" kosten.

Florenz verlangt hohe Gebühren
Zumal Preclik auf Nachfrage zur Zeitung sagte, dass Florenz im Vergleich zu Pisa "recht hohe Gebühren" verlange. Dies dürfte aber schon bekannt gewesen sein, bevor SkyEurope Florenz ins Programm aufnahm. Ebenso war das Risiko von Wetter-Problemen am Flughafen von Florenz wohl keine Neuheit, heißt es in dem Bericht.

Kunden zufriedenstellen
Das stärkt die Position der Kunden: "Sich verkalkuliert zu haben, ist kein Entschuldigungsgrund", sagt Rechtsexperte Rabl. SkyEurope jedenfalls wolle die Kunden "nach Möglichkeit und Interesse zufriedenstellen", meinte Preclik. (apa/red)