Flöttls Vermögen geparkt: Erfolglose Suche nach Erfinder der Stiftungen im Prozess

Zwettler & Schwarzecker belasten sich gegenseitig Flöttls Privatjet und N. Y.-Wohnung nicht übertragen

Flöttls Vermögen geparkt: Erfolglose Suche nach Erfinder der Stiftungen im Prozess

Am vierzehnten Verhandlungstag im BAWAG-Prozess versuchte das Gericht, die Umsetzung der "Sanierungslösung" nach dem Totalverlust von 639 Mio. Dollar (462 Mio. Euro) durch Wolfgang Flöttls Spekulationen zu beleuchten. Trotz zahlreicher Fragen von Richterin Claudia Bandion-Ortner blieb unklar, wer wann die Idee zur "Stiftungslösung" hatte. Stiftungen seien "fertig von der Stange" zu beziehen gewesen, die nachträgliche Ergänzung von Vorstandsprotokollen sei üblich gewesen, hieß es seitens einiger Angeklagter.

Der Verhandlungstag begann mit Fragen zur Verwertung von Flöttls Vermögen, nachdem dieser 639 Mio. Dollar durch riskante Yen-Spekulationen versenkt hatte. Nicht "verwertet" wurde etwa Flöttls Gulfstream-Jet, weil der BAWAG-Vorstand der Ansicht war, dass sich "die äußeren Lebensumstände von Flöttl nicht ändern sollten", sagte Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner. Flöttl verkaufte das Flugzeug erst Ende 1999 um etwa 22 Mio. Dollar an Hewlett-Packard. Der Weiterbetrieb des Flugzeugs sei von ihm aus dem von der BAWAG gewährten Betriebsmittelkredit finanziert worden, so Flöttl.

Flöttl behielt auch eine Sammlung von 55 Bildern mit einem Wert von zwischen 10 und 15 Mio. Dollar, sowie ein Appartement in der Park Avenue in New York. Er habe sich nie verpflichtet, sein gesamtes Vermögen der BAWAG zu übertragen, betonte Flöttl erneut. Dieser Darstellung widersprach der gesamte BAWAG-Vorstand, der bei der Krisensitzung vom 26. Oktober 1998 anwesend war, in der Flöttl über die Verluste berichtete. Das Flugzeug habe als Leasing-Konstruktion aber keinen großen Netto-Wert gehabt, so Josef Schwarzecker.

Vermögen in Stiftungen ausgelagert
Nach den hohen Spekulationsverlusten des Investmentbankers wurde das von Flöttl übertragene Vermögen in Stiftungen (Bensor, Biamo, Treval sowie Glenstar) in Liechtenstein ausgelagert und die Verluste mittels Krediten auf die Stiftungen übertragen. Das sei als das "ideale Vehikel" zur Übernahme des Vermögens von Flöttl betrachtet worden, führte der damalige BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz aus. Wer die Idee zur Gründung von Stiftungen gehabt habe, könne er nicht mehr eindeutig zuordnen. Für Elsner ist es unverständlich, dass der Urheber der Idee nicht dafür einstehe: "Das ist ja nichts Verbotenes. Ich sehe darin keine Verfehlung."

Wechselseitige Beschuldigungen erhoben die früheren Vorstandskollegen Josef Schwarzecker und Johann Zwettler. Schwarzecker meinte, Zwettler sei in der Bank "Stiftungsexperte" gewesen. Zwettler konterte, "Meiner Meinung nach kam die Idee dazu von Dr. Schwarzecker". Ex-BAWAG-Vorstand Hubert Kreuch meinte, die Stiftungen seien wohl "in der Fachabteilung, die das Fachwissen hat", erfunden worden: "Alle haben Stiftungen", ortet Kreuch eine übliche Praxis in Österreichs Bankenwelt. Auch Ex-BAWAG-Vorstand Christian Büttner weiß nichts über den Stifter. "Dass Banken Stiftungen haben, ist ja evident", meinte Bankprüfer Robert Reiter. "Die Verluste schienen nicht mehr auf, weil ihnen nominell das bewusst viel zu hoch angesetzte Vermögen Dris. Flöttl gegenüber stand", heißt es dazu in der Anklageschrift von Staatsanwalt Georg Krakow.

Büttners Gedächtnisprotokoll verlesen
Das brisante Gedächtnisprotokoll, das er nach einer BAWAG-Vorstandssitzung vom 5. Oktober 2000 verfasst hatte, las Büttner im Gerichtssaal vor. Demnach habe Elsner die damalige Nationalbank-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell informieren wollen, "damit sie mit diesem Wissen die Nationalbanküberprüfung steuern könnte", zitierte Büttner aus seinem Protokoll. Elsner und der gesamte übrige BAWAG-Vorstand dementierten entschieden, dass Elsner damals überhaupt von Frau Tumpel-Gugerell gesprochen habe. Auch Tumpel-Gugerell hat dies mehrmals bestritten.

Das Gedächtnisprotokoll Büttners behandelt hauptsächlich eine Rückdatierung bzw. Veränderung von Protokollen aus dem Jahr 1998 und 1999. Der BAWAG-Vorstand wollte demnach angesichts einer bevorstehenden Prüfung durch die OeNB seine Beschlüsse zu den "Sondergeschäften" mit Flöttl formalrechtlich absichern. Das Sonderprotokoll der Krisensitzung vom 26. Oktober 1998 sei "in eine offizielle Form" gesetzt worden, erläuterte Zwettler heute dazu. De facto hat der Vorstand offenbar frühere Protokolle einfach nachträglich verändert, um die Sanierung der Flöttl-Geschäfte im nachhinein formalrechtlich abzusichern.

(apa)