Fakten von

Das bisschen Urlaub
ist ja kein Problem

Wie man kluge Wege findet, um wirklich flexibel arbeiten zu können

Esther Mitterstieler © Bild: News/Ian Ehm

Fast pünktlich zum Tag der Arbeit ist es einmal wieder Zeit für gute Ideen. Andreas Schieder fordert eine sechste Urlaubswoche für alle. Zurzeit haben nur Mitarbeiter so viel Urlaub, die zumindest 25 Jahre bei derselben Firma arbeiten. Das ist in der Tat nicht zeitgemäß. Ebenso wenig ist es leider der schöne Traum, den uns der Klubobmann der SPÖ da träumen lassen will. Daraus könnten wir schnell erwachen. Die Unternehmen wollen nichts von mehr Urlaub wissen, weil die Personalkosten steigen würden. Stimmt. Leider auch. Neue Jobs würde die Maßnahme also keine schaffen.

Urlaub gehen, sie müssen es dann aber leider selber zahlen– durch Mehrarbeit vor und nach dem Urlaub. Aber das will keiner hören. Die Schweizer haben sich gegen die Ausweitung des Jahresmindesturlaubs von vier auf sechs Wochen ausgesprochen. Warum wohl? Das Problem liegt doch ganz woanders. Herr Schieder hat recht, wenn er sagt: "Weg von starren Arbeitszeitmodellen, hin zu mehr Flexibilität." Was Schieder flexibel nennt, nämlich "freie Tage zwischendurch" hat mit richtiger Flexibilität leider wenig bis gar nichts zu tun. Wer Urlaubsanspruch hat, hat häufig keine Zeit, ihn zu nehmen. Viele andere haben nicht nur keinen Urlaub, sondern keine Arbeit. Dieses System macht krank. Burnout und Stressbelastung kosten Österreichs Volkswirtschaft jährlich sieben Milliarden Euro.

Wir sind bald dort angekommen, wo Samuel Huntington uns schon in den 90er Jahren hin prognostiziert hat: in der 80:20-Gesellschaft, in der 80Prozent keine Arbeit haben und 20 Prozent rund um die Uhr rackern. Da macht auch eine zusätzliche Urlaubswoche keinen Unterschied. Neulich habe ich eine Ex-Unternehmerin kennengelernt, die jetzt Biobäuerin ist und fünf kleine Kinder hat. "Ich brauche keinen Urlaub", hat sie gesagt. Warum wohl? Aus demselben Grund, warum sie ausgestiegen ist: um Sinn zu finden in dem, was sie macht. Und Sinn heißt nicht, Stunden in Büros abzusitzen, sondern kluge Wege zu finden, wie wir wirklich flexibel arbeiten können. Und zwar viele mehr von uns. Das sollte das Thema sein, nicht die eine oder andere Woche Urlaub mehr.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: mitterstieler.esther@news.at

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