Gescheiterte Fitnesspläne von

Mrs. Unsporty

Schöner scheitern - die werktätige Multimutter als Sportskanone

NEWS-Kulturredakteurin Nadja Sarwat © Bild: NEWS/Deak

Kurz vor Zeugnis gibt's noch Zoff: Raus mit den Handys aus den Schulen? Dafür soll eine tägliche Turnstunde her. "Was? Und wieso gibt's keine tägliche Zeichenstunde?", melden sich meine beiden Jüngsten, noch Pflichtschüler, zur Causa zu Wort.

Höre ich da leise Motivationsmängel heraus? Das kann nicht sein, verwerfe ich den Gedanken schnell wieder. Sind wir Großen doch geradezu Leuchttürme der Vorbildwirkung für unsere Kleinen, wenn es an die Körperertüchtigung geht. Ich bin da keine Ausnahme.

Nicht umsonst ließ ich mich durch den innerstädtischen Luxuskörper-Tempel führen. Man präsentierte mir den örtlichen Indoor-Pool (Wow!), sowie einen als griechischen Gott getarnten Brasilianer (Doppelwow). Ein gewisser Enrique, der mir als mein künftiger Personal Trainer vorgestellt wurde. Der Kraftlackel lächelt von seinem 1.90 Olymp milde auf mich herab und reichte mir die Pranke. Ich stammelte etwas Unverständliches und fiel innerlich in Ohnmacht. Felsenfest stand hingegen mein Entschluss: Ich muss ins Fitnesscenter!

Schlusspfiff für die olympischen Hirngespinste

An der Homebase der Schlusspfiff für meine olympischen Hirngespinste. Das Interesse betreuungstechnisch relevanter Personen an den Sport-Plänen der berufstätigen Mehrfachmutter (moi) tendierte gegen Null. Bitten, Betteln sowie die Drohung, umgehend ins Koma zu fallen, fruchteten nichts. Regelmäßiges Schwitzen unter Enriques wachsamen Glutaugen ist organisatorisch nicht drin.

Dann die überraschende Wende: Eine "Mrs. Sporty"-Filiale eröffnet ums Eck. Fitness, garantiert Enrique-frei, da Lady-exklusive. Prompt stapeln sich bei mir die Flyer, zugetragen von Freunden und Familie: Ist das nix für dich? Die Anmeldung war unumgänglich. Doch es kam, wie es kommen musste. Sechs Monats-Mitgliedsbeiträge und eine Trainingsstunde später schleiche ich gedemütigt zur Muckibude meines Versagens. (Die Trainerin wirkt erleichtert, sie wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben.) "Ich muss kündigen", fauchen mein innerer Schweinehund und ich unisono unter Tränen. Aber: "I'll be back!" Ja, klar. Wenn die Kids aus dem Haus sind und ich in Pension.

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