Fischotter von

Tod für Gratisesser?

Fischotter - Tod für Gratisesser? © Bild: News/Ian Ehm

Weltweit steht der Fischotter auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten und fällt daher unter den strengen Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Das ist eine Maßnahme, die von der EU zum Erhalt der Arten herausgegeben wurde. Für 40 Fischotter soll allerdings dieser Schutz in Niederösterreich bis zum Sommer 2018 außer Kraft treten. Die Begründung: massive Bedrohung durch den schwimmenden Gourmet für Karpfen, Bachforellen und Flussperlmuscheln.

Über Jahrzehnte war der Bestand der Wassermarder auf wenige Exemplare zurückgegangen. Durch ausreichenden Schutz und das Fehlen natürlicher Feinde wie Wolf und Luchs konnten sich die Otter dann wieder vermehren. Derzeit leben 800 Exemplare in Niederösterreich, die meisten davon im Waldviertel. Dort herrschen für sie ideale Lebensbedingungen: Auf 1.650 Hektar finden sie mehr als 1.000 Fischteiche vor. Die meisten davon sind künstlich angelegt und dienen der Fischzucht. Dass die eine wichtige Einnahmequelle für die Landwirte sind, kann den Ottern freilich niemand erklären. Sie verzehren die Fische, wenn sie Hunger haben. Nun sollen die Gratisesser mit dem Leben bezahlen. Landesfischereiverband und Teichwirteverband forderten die Tötung von 84 Ottern, mehr als einem gesamten Jahrgang (jährlich werden zwischen 60 und 80 Otter in Niederösterreich geboren).

Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) schlägt nun als Kompromiss die derzeitige "Entnahme" - so nennt man die Tötung - von nur 40 Exemplaren vor: Die Tiere sollen in betroffenen Gebieten in Lebendfallen gefangen, die Weibchen freigelassen, die Männchen sofort getötet werden. Zwischen November und Februar allerdings sollen beide Geschlechter sofort "entnommen“ werden, um dann zu evaluieren, ob der Tod der Tiere tatsächlich etwas gebracht hat oder ob die Subventionierung von Teichzäunen und "Ausfraßentschädigungen" reicht, um die Verluste der Teichwirte zu kompensieren.

Tierschutzlandesrat Maurice Androsch (SPÖ) ist gegen die Tötung von Fischottern. Gottfried Waldhäusl (FPÖ) fordert deren Bejagung. Die Argumente des Umweltschutzverbands WWF, dass die Fischotter Wasserpolizisten sind, die schwache Fische aussondern, und dass viele aufgrund von Umweltschäden gefährdet sind, bleiben ungehört.

Sind die 40 demnächst ungeschützten Otter am Ende gar nur Opfer der Politik?

www.noe.gv.at

www.wwf.at/fischotter-petition

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