Fischer zurück aus Golf-Region: Emirate an österreichischem Know-How interessiert

Bildung großes Anliegen mitten im Wirtschaftsboom

Bundespräsident Heinz Fischer ist von seinen Staatsbesuchen in Saudiarabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zurückgekehrt. Fischer hatte sich in Begleitung der Minister Günther Platter (V) und Maria Rauch-Kallat (V) fünf Tage in der Golf-Region aufgehalten. "Wir bemühen uns sehr um die Emirate", sagte Fischer vor seinem Abflug aus Dubai unter Hinweis auf die Visite seines Vorgängers Thomas Klestil vor fünf Jahren. Auch die neue VAE-Führung suche bestes Einvernehmen mit Österreich.

Den Emiraten, die wirtschaftlich einen ungeheuren Boom erleben, gehe es jetzt auch um "Inhalte", so der Eindruck des Bundespräsidenten. Der Erziehungsminister Scheich Mubarak habe großes Interesse an österreichischem Know-How für die geplante Errichtung einer Akademie der Wissenschaften und einer Tourismusschule gezeigt.

Rauch-Kallat führte zum Abschluss Gespräche mit dem Generalsekretär der Lebensmittelbehörde, die nach genauen Recherchen Rindfleischimporte aus Österreich als einzigem EU-Land zugelassen hat. Ein weiteres Thema war die Entwicklung der Vogelgrippe; die Ministerin sagte enge Kooperationsbereitschaft Österreichs zu. Kronprinz Scheich Mohammed mache sich Gedanken über Aus- und Berufsbildung der VAE-Bürger: "Das Anliegen ist eine Sicherheitsfrage."

Platter, dessen letzter Gesprächspartner der Generalstabschef der Emirate war, unterstrich seinerseits die exzellente bilaterale Kooperation im Ausbildungsbereich. 2005 machten 16 Bundesheer-Soldaten ein Wüstentraining mit, noch heuer sollen VAE-Soldaten ein Alpintraining mitmachen. Auch Ausbildungskurse für Offiziere werden ins Auge gefasst. Die VAE haben rund 1000 Soldaten bei den internationalen Friedenstruppen im Kosovo im Einsatz.

Der Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi und Integrationsexperte der Islamischen Glaubensgemeinschaft sprach in den Emiraten Integrationsfragen an. Die soziale Situation ausländischer Arbeitskräfte liegt im Argen in dem Golf-Staatenbund mit nur rund einer bis 1,5 Millionen Inländern bei einer Bevölkerung von 4,5 Millionen. Andererseits drohe die angestammte Bevölkerung als Minderheit ihre arabische Muttersprache zu verlieren. Für die Christen im Lande wurden zuletzt fünf Kirchen auf Staatskosten gebaut. In Saudiarabien sind nicht einmal religiöse Symbole erlaubt, die Ausübung anderer Religionen als des Islam ist verboten.

In einer Zusammenfassung seiner Gespräche nannte Fischer in beiden besuchten Staaten die Konflikte um den Iran und im Irak als zentrale Themen. Er konstatierte eine eindeutige Ablehnung einer militärischen Option gegenüber dem Iran wegen des umstrittenen Atomprogramms. Den Irak sehen die Regierenden in Riad, Abu Dhabi und Dubai in einem großen Dilemma, da auch ein Abzug der ausländischen US-geführten Truppen Risiken berge. (apa)