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Finnland fiebert Gipfel Trump-Putin entgegen

Standortwahl wird in Helsinki als Vertrauensbeweis und Prestigegewinn gewertet

Das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Helsinki bereitet den Finnen viel Stolz - und auch viel Arbeit. Seit Bekanntwerden des Ortes für das Gipfeltreffen am Montag, 16. Juli rotieren Behörden und Medien, um den beiden Großmächte-Staatsoberhäuptern einen perfekt organisierten Ablauf zu gewährleisten.

Gastgeber Sauli Niinistö, der finnische Staatspräsident, wird im Rahmen des Gipfels aller Voraussicht nach sowohl mit Trump als auch mit Putin bilateral zusammentreffen. Niinistö hat in mehreren Interviews den guten Ruf Helsinkis als Durchführungsort für internationale Veranstaltungen sowie die "natürlichen" Beziehungen Finnlands als wohl ausschlaggebend für die Standortwahl bezeichnet.

Auch Politologen wie die Leiterin des finnischen Außenpolitischen Instituts, Teija Tiilikainen, werteten die Entscheidung Washingtons und Moskaus als Vertrauensbeweis und als Chance, den Ruf Finnlands als Vermittlernation weiter zu stärken.

Tatsächlich hatte es offenbar schon vor längerer Zeit eine gemeinsame Anfrage vonseiten "hochrangiger Vertreter russischer und US-Behörden" bezüglich Helsinki als Gipfelort gegeben. Die definitive Entscheidung fiel laut Niinistö in der Woche vor dem 25. Juni.

Vom geplanten Programmablauf ist bisher lediglich bekannt, dass Trump in Begleitung seiner Frau Melanie bereits am Sonntag (15. Juli) am Flughafen Vantaa eintreffend wird. Wo genau die Gespräche zwischen Trump und Putin stattfinden werden, soll bis zuletzt geheim bleiben. Die Zeitung "Helsinki Sanomat" berichtete aber vergangene Woche unter Berufung auf das Weiße Haus, dass es der finnische Präsidentenpalast sein wird. Ein Pressezentrum für die erwarteten rund 2000 Journalisten aus aller Welt wird in der Finlandia-Halle eingerichtet.

Worüber Trump und Putin in der finnischen Hauptstadt sprechen werden, ist derzeit nicht nur in Finnland Gegenstand intensiver Spekulationen. Vermutet werden unter anderem Abrüstungsthemen und der Syrien-Konflikt; ob auch hochkontroversielle Themen wie die ungeklärte mögliche Rolle Moskaus im US-Präsidentenwahlkampf vor zwei Jahren, der Ukraine-Konflikt und der künftige Status der Krim besprochen werden, ist unklar.

Die finnische Polizei hat angekündigt, für die Dauer des Gipfels verstärkte Präsenz zu zeigen. Für Polizeibeamte in ganz Finnland wurde eine vorübergehende Urlaubssperre verhängt. Es wird damit gerechnet, dass die Regierung auch extra Grenzkontrollen für die Dauer des Gipfels verfügen wird.

Wegen der weiträumigen Absperrungen werden am Sonntag und am Montag im Großraum Helsinki massive Verkehrsbehinderungen erwartet. Die Hotelpreise zogen in den ersten Tagen nach der Gipfelstandort-Entscheidung um bis zu 200 Prozent pro Nacht an.

Bisher sind fünf Kundgebungen verschiedener Plattformen für die Dauer des Gipfels angemeldet. Bei der größten von ihnen werden mindestens 15.000 Teilnehmer erwartet. Inhalt der Demonstrationen werden unter anderem die Themen Umwelt, Klimaschutz, Demokratie und Menschenrechte sein, berichtete die Tageszeitung "Helsingin Sanomat" zu Beginn der Woche.

Der Gipfel vom 16. Juli ist das erste formelle Aufeinandertreffen von Trump und Putin. Die beiden Präsidenten trafen bisher zweimal persönlich aufeinander. Das erste Mal war im Vorjahr beim G-7-Gipfel in Hamburg. Damals wurde unter andere eine, letztlich nur kurz haltende, Waffenruhe in Syrien vereinbart. Ein Shakehands und Smalltalk zwischen den beiden gab es auch beim Treffen der Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft APEC im vergangenen November in Da Nang (Vietnam).

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