Finnland und die Europäische Union: Trat am 1.1. 1995 gemeinsam mit Österreich bei

Erster Vorsitz 1999. Gilt in Europa als Musterland

Finnland ist der EU gleichzeitig mit Schweden und Österreich am 1.1.1995 beigetreten; zusammen mit diesen beiden Ländern gehört es somit zu den jüngsten der "alten" EU-Mitglieder. Das nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Sowjetunion bis zu deren Zusammenbruch durch einen speziellen Freundschaftsvertrag (FZB-Vertrag) verbundene nordeuropäische Land erlebte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre einen starken Wirtschaftsaufschwung und gilt heute in vielen Bereichen Europa- und sogar weltweit als Musterland.

Finnland stellte im März 1992 inmitten einer schweren Wirtschaftskrise den Beitrittsantrag an Brüssel. Im Oktober 1994 sagten die heute zu den skeptischsten EU-Bürgern zählenden Finnen bei einem nicht obligatorischen Referendum zu rund 57 Prozent Ja zum EU-Beitritt. 2001 trat Finnland gemeinsam mit allen nordeuropäischen Staaten dem Schengener Abkommen bei. Finnland gehörte 1999 zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Währungsunion und führte den Euro 2002 von Beginn an ein - bisher als einziges nordeuropäisches Land: die Schweden und die Dänen erteilten dem Euro bei Volksabstimmungen dagegen jeweils eine Abfuhr.

Erstmals übernahm Finnland den EU-Ratsvorsitz in der zweiten Jahreshälfte 1999. Damals regierte eine Regenbogen-Koalition unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Paavo Lipponen. Der Vorsitz Finnlands erntete vor allem wegen seiner guten Organisation allseits viel Lob. Derzeit regiert in Finnland eine Koalition aus der Zentrumspartei, den Sozialdemokraten und der rechtsliberalen Schwedischen Volkspartei. EU-Ratsvorsitzender wird Ministerpräsident Matti Vanhanen von der Zentrumspartei. Das nächste Mal ist Finnland - frühestens und falls die EU-Verfassung in Kraft tritt - 2019 gemeinsam mit Österreich und Rumänien an der Reihe.

Bei den Beiträgen zum EU-Budget entwickelte sich Finnland in den vergangenen fünfzehneinhalb Jahren von einem leichten Netto-Empfänger zu einem moderaten Netto-Zahler. Großzügige EU-Fördermittel erhielt Finnland unter anderem für die Stützung und Entwicklung der ländlichen Gebiete in der Polarkreis-Region.

Zu Finnlands markantesten politischen Beiträgen als EU-Land gehören die Weichenstellung für die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf dem EU-Gipfel im Dezember 1999 sowie die Skepsis gegen die im Jahr 2000 verhängten Sanktionen der EU-14 gegen die österreichische Bundesregierung wegen der Regierungsbeteiligung der FPÖ. In der EU-Kommission war Finnland bisher mit Erkki Liikanen (Ressort Budget, später Unternehmen und Telekommunikation) und derzeit Olli Rehn (Erweiterung) vertreten. Ex-Regierungschef Paavo Lipponen galt lange Zeit als einer der möglichen Nachfolger Romano Prodis als Kommissionspräsident. (apa/red)