Finanzmisere vor Davis Cup-Gastspiel: Mexiko ist nur mit Rumpfteam angereist

Kritik an Verband: Herausforderung nicht bewusst?

Mexikos Davis-Cup-Team ist zum Relegationsbewerb kommende Woche in Pörtschach gegen Österreich wegen der Finanz-Misere seines Tennis-Verbandes nur mit einem siebenköpfigen Rumpfteam angereist. Mit sind nur die Spieler sowie Kapitän Oscar Ortiz. Für den Transfer und die Unterkunft weiterer sportlicher wie medizinische Betreuer fehlte laut mexikanischen Medienberichten schlicht das Geld.

Dieser Umstand sorgt nicht zuletzt bei den Spielern für Unmut, wie etwa die Aussage von Santiago Gonzalez belegt: "Die Mannschaft ist sich der Herausforderung vollkommen bewusst, ob das auch auf den Verband zutrifft, weiß ich so nicht genau", sagte der Spieler. Die siebenköpfige Truppe war bereits nach Wien geflogen und hatte sich von dort auf eigene Faust nach Kärnten begeben. Nun wurde wegen des Schlechtwetters in der Halle trainiert. Zur aktuellen Situation passt, dass die freundlichen Mexikaner, die als klare Außenseiter gelten während Österreich mit dem aktuellen Turniersieger Jürgen Melzer anrückt, fast durchwegs Mehrbett-Zimmer reserviert haben.

Wirklich glücklich sind sie mit der Gesamtsituation offenbar nicht. "Das Problem ist, dass wir kein Trainingslager hatten. Man hat gar nichts organisiert. Wir sind nur mit dem Kapitän und den Spielern gekommen, es gibt keinen Betreuer, keinen Arzt, nicht einmal einen Konditionstrainer", hatte sich Gonzalez, die aktuelle Nummer 230 des ATP-Rankings, gegenüber der mexikanischen Nachrichtenagentur Notimex beklagt. So ist man nun, was etwa die medizinische Betreuung beim Bewerb betrifft, auf die von der Davis-Cup-Organisation zur Verfügung gestellten Ärzte angewiesen.

Nicht einmal für die Anreise von Verbandschef Francisco Maciel reichte das Geld. Laut Zeitungsberichten war er bei der Abreise des Teams zwar ebenfalls am Flughafen in Mexiko-Stadt anwesend, doch nur, um dem Team die Tickets zu überreichen. Er selbst musste zu Hause bleiben.

Fast wäre es sogar nur ein sechsköpfiges Team gewesen. Ausgerechnet die derzeitige Nummer eins des Landes, Bruno Echagaray, wäre beinahe gar nicht mitgekommen. Erst als er vor rund zwei Wochen (aus patriotischen Gefühlen) auf einen Teil des von ihm geforderten Honorars verzichtete, war auch seine Teilnahme gesichert.

Wenn man auch finanziell mit dem Rücken zur Wand steht, so ist laut Echagaray nun wenigstens die Teamatmosphäre besser als bei früheren Begegnungen. Der Grund: Neo-Kapitän Ortiz, der gegen Österreich sein Debüt als Chefcach gibt, sei bei den Spielern viel beliebter als dessen Vorgänger Oliver Fernandez, mit dem die Kommunikation schwierig gewesen sei.

Denn die Mexikaner rechnen sich offensichtlich gar nicht so schlechte Chancen aus, nach dem Abstieg im Jahr 1997 wieder den Sprung in die Weltgruppe zu schaffen. Auch wenn unisono betont wird, dass Österreich Favorit sei. "Wir werden sehr gut spielen müssen", weiß Gonzalez. Dann sei eine Überraschung gegen die Mannen von Thomas Muster durchaus möglich.

(apa/red)