Finanzminister, Vizekanzler oder beides?Grasser-Schicksal bleibt weiter ungewiss

In nächsten Stunden werden noch Gespräche geführt Schüssel würde sich aber über Verbleib "freuen"

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat es auch Freitagabend nach der abschließenden Sitzung der koalitionären Finanzgruppe offen gelassen, ob er einer künftigen Regierung angehören werde. Er werde dazu in den nächsten Stunden noch Gespräche führen, sagte der Finanzminister gegenüber Journalisten.

Ebenfalls unbeantwortet ließ der Minister Fragen, ob er künftig nur noch als Vizekanzler zur Verfügung stünde oder sich mit der Weiterführung seines Ressorts zufrieden geben würde. Die Kompetenzaufteilung sei wie stets bei Koalitionsverhandlungen Sache der Parteivorsitzenden.

Ob seine Entscheidung in die eine oder andere Richtung ausfällt, machte Grasser nicht einmal durch Andeutungen klar. Einerseits betonte er, dass die Arbeit für die Republik Österreich eine Ehre sei, andererseits verwies er darauf, dass er die Entscheidung auch in Absprache mit seiner Frau und deren Kindern treffen wolle.

Schüssel: Grasser hat Angebot von ÖVP
Auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hielt sich in der "ZiB2" über die Zukunft von Grasser bedeckt. Von der ÖVP gebe es ein Angebot, Grasser habe sich allerdings noch nicht entscheiden, sagte Schüssel, der sich über den Verbleib Grassers "freuen" würde. Auch über seine Pläne verriet Schüssel nichts, kündigte aber spätestens für Montag Entscheidungen an.

Ob die ÖVP auf das Finanzressort bestehen wird, ließ Schüssel ebenfalls offen. Außer Streit stehe jedenfalls, dass ÖVP und SPÖ die gleiche Anzahl von Ministern bekommen sollen.

SPÖ beansprucht Finanzministerium
Die SPÖ hat zuvor erneut den Anspruch auf das Finanzministerium angemeldet: Der oberösterreichische SPÖ-Chef Erich Haider betonte gegenüber dem Ö1-"Morgenjournal", dass der Finanminister eine Vertrauensperson von Alfred Gusenbauer sein müsse. "Also ganz klar kein ÖVPler", fügte Haider hinzu. Wer für die Umsetzung der Finanzpolitik künftig zuständig wird, ließ Gusenbauer selbst hingegen einmal mehr offen: "Wer den Finanzminister machen wird, weiß ich nicht."

Ähnlich sieht das der frühere NR-Präsident Andreas Khol. Dass die SPÖ den nächsten Finanzminister nominieren muss, ist für Khol nämlich nicht in Stein gemeißelt. Zwar müsse der Finanzminister auch für den künftigen Bundeskanzler "eine Person des Vertrauens" sein, aber: "Das hat mit Parteizugehörigkeit überhaupt nichts zu tun."
(red/apa)