Finanzkrise jetzt auch in Fernost spürbar:
Japans Nikkei-Index auf Vier-Jahres-Tief

Börsenkurse an asiatischen Börsen im freien Fall Sorge um Übergreifen der Krise auf Europas Märkte

Finanzkrise jetzt auch in Fernost spürbar:
Japans Nikkei-Index auf Vier-Jahres-Tief © Bild: Reuters/Nakao

Mit einem Kurssturz an den asiatischen Börsen hat sich zu Wochenbeginn die internationale Finanzkrise weiter verschärft. In Tokio brach der Nikkei-Index um 4,25 Prozent ein: Das Börsenbarometer verlor 465,05 Punkte und schloss mit 10.473,09 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der breit gefasste TOPIX fiel erstmals seit Dezember 2003 unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Punkten und ging beim Stand von 999,05 Punkten aus dem Markt. Das entspricht einem Verlust im Vergleich zum Schlussstand am Freitag von 48,92 Punkten oder 4,67 Prozent.

Ausschlaggebend dafür laut Beobachtern die Besorgnis, dass nach der Verabschiedung des 700-Milliarden-Dollar-Rettungspakets im US-Kongress am Freitag die Krise nun auf Europa übergreift. Unklar sei zudem, wie schnell damit die eingefrorenen Kreditmärkte wieder flüssig gemacht werden können.

In Hongkong sank der Hang-Seng-Index um 3,7 Prozent auf 17.198. Auch die Börsen auf dem chinesischen Festland, in Australien, Südkorea, Singapur und Thailand tendierten deutlich schwächer. Der wichtigste indonesische Index stürzte um mehr als fünf Prozent ab.

Am Markt herrscht laut Analysten große Sorge über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die reale Wirtschaft in Japans wichtigen Exportmärkten. So stürze die europäische Wirtschaft sogar noch schneller in eine Rezession ab als die der USA. Die allergrößte Sorge für Japan ist, dass es als nächstes Asien und vor allem China erwischt. Unterdessen begann die japanische Zentralbank am Montag ihre zweitägige Ratssitzung. Zwar erwarten Beobachter, dass die Bank von Japan (BoJ) diesmal noch die Zinsen unverändert belassen wird. Doch wird zunehmend über eine Zinssenkung zum Ende des Jahres spekuliert.

Japanische Zentralbank mit Finanzspritze
Es war der erste Handelstag in Tokio, nachdem in den USA das Abgeordnetenhaus am Freitag nach zähen Verhandlungen im zweiten Anlauf das 700 Mrd. Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzbranche gebilligt hatte. Unterdessen pumpte die japanische Zentralbank am 14. Handelstag in Folge erneut eine Billion Yen (6,9 Mrd Euro) in den Geldmarkt, um für Stabilität zu sorgen und die Banken zu ermuntern, sich gegenseitig wieder Mittel zu leihen.

Am Devisenmarkt kam es zu massiven Verkäufen von Dollar und Euro zugunsten des Yen. Der Euro wurde zwischenzeitlich erstmals seit Mai 2006 auf dem 139 Yen-Niveau gehandelt, während sich der Dollar erstmals seit fünf Monaten im Bereich von 102 Yen bewegte. Zum Mittag notierte die US-Währung leichter bei 104,25-30 Yen nach 105,01-03 Yen am späten Freitag. Der Euro lag schwächer bei 1,3643-48 Dollar nach 1,3836-38 Dollar am späten Freitag. Zum Yen lag der Euro ebenfalls schwächer bei 142,28-33 Yen nach 145,30-34 Yen am späten Freitag.
(apa/red)