Finanzkrise hat auch positive Effekte: Experten sehen auch Chance für Wirtschaft

Sinkende Zinsen verringern Finanzierungskosten Auswirkungen auf Europa nur bei argem USA-Crash

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht in der Krise an den weltweiten Finanzmärkten auch eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Unter Umständen könne die Finanzkrise durchaus positive Effekte haben, sagte DIW-Konjunkturchef Alfred Steinherr der "Berliner Zeitung". Die Gefahr, dass sich die Finanzkrise negativ auf die Konjunktur auswirke, sei relativ gering.

"Wenn die Anleger zunehmend von Aktien auf sichere Zinspapiere umschichten, dann sinken die Zinsen von Anleihen - und das verringert die Finanzierungskosten für solvente Kreditnehmer", erklärte Steinherr. Die Gefahr, dass sich die Finanzkrise negativ auf die Konjunktur auswirke, sei relativ gering. "Solange es in den USA nicht zu einem gravierenden Einbruch kommt, wird die US-Hypothekenkrise bei uns nicht negativ durchschlagen", sagte der DIW-Experte.

Ähnlich beurteilt auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) die Situation. "Man sollte die Lage nicht überdramatisieren", sagte IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide dem Blatt. "Sollte es mit den Aktienkursen allerdings noch weiter nach unten gehen, kann sich das irgendwann tatsächlich negativ auf die Konjunktur auswirken." Noch aber sei es zu früh, um auf Grund der bisherigen Ereignisse die Konjunkturprognose deutlich zu reduzieren. Bisher rechnet sein Institut für heuer mit 3,2 Prozent Wachstum in Deutschland. "Der Aufschwung ist auf keinen Fall schon vorbei", sagte Scheide.

Pessimistischer äußerte sich dagegen der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in der Zeitung: "Der große weltweite Aufschwung geht zu Ende." Die Weltkonjunktur habe in den Jahren 2004 bis 2006 eine "Super-Party gefeiert" und die müsse irgendwann vorbei sein. Das werde auch die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen, wo die Binnenkonjunktur noch gar nicht richtig in Fahrt gekommen sei. Das Ende des Booms der Weltwirtschaft sei allerdings weniger eine Folge der Finanzkrise, sondern eine normale Entwicklung im Konjunkturzyklus, meinte Bofinger.

(apa/red)