Finanzboss in Einzelhaft: Strauss-Kahn dunstet auf Gefängnisinsel Rikers Island

Nach Sex-Affäre: IWF-Direktor bleibt weiter in U-Haft "Penis hatte gewaltsam Kontakt mit Mund des Opfers"<br>Nachfolgekampf um Amt des 62-Jährigen entbrannt

Finanzboss in Einzelhaft: Strauss-Kahn dunstet auf Gefängnisinsel Rikers Island © Bild: Reuters

Vor kurzem genoss er noch das Pariser Luxusleben, jetzt dunstet der mächtige Finanzboss Dominique Strauss-Kahn in Einzelhaft. Nach der richterlichen Entscheidung der weiteren Untersuchungshaft für den IWF-Chef wurde dieser in der Nacht auf die New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island verlegt.

Strauss-Kahn wurde Montagabend in den Gefängniskomplex auf einer Insel im East River gebracht, der Platz für rund 17.000 Gefangene bietet. Bei der Einrichtung, die als das neue Alcatraz bezeichnet wird, handelt es sich um das größte Gefängnis der Welt. Der IWF-Chef werde keinen Kontakt zu anderen Insassen haben, sagte der Sprecher der New Yorker Justizverwaltung. Dies bedeute aber nicht, dass er immer in seiner Zelle bleiben müsse. Vielmehr werde er bei jedem Freigang von einem Gefängniswärter begleitet.

Strauss-Kahns Zelle ist 3,5 Meter mal 4,0 Meter groß und verfügt über eine Basis-Ausstattung. Dazu gehören ein Bett, eine Trinktasse, Seife, Shampoo sowie Zahnpasta.

Drastische Schilderung der Anklage
Der 62-jährige Franzose soll am Samstag versucht haben, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zum Sex zu zwingen. Bei der ersten Anhörung vor einem Richter hat die New Yorker Staatsanwaltschaft Strauss-Kahn sechs Punkte zur Last gelegt. Der schwerwiegendste ist "sexuelle Belästigung ersten Grades". Dafür drohen dem Franzosen laut Anklage 25 Jahre Haft. Auch für alle anderen Punkte sind Haftstrafen möglich, von drei Monaten bis zu 15 Jahren.

In der Anklageschrift hieß es: "Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte die Strumpfhose herunterzuziehen und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers." Erste medizinische Ergebnisse bestätigten die Darstellung des Zimmermädchens, das flüchten konnte. Der Franzose soll während des Angriffs in der 3000-Dollar-Suite völlig nackt gewesen sein.

Eine Haftrichterin lehnte es ab, den Banker gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft freizulassen und begründete dies mit Fluchtgefahr. Strauss-Kahns Anwälte hatten zuvor eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (rund 700.000 Euro) angeboten. Anwalt Benjamin Brafman betonte nach der Verhandlung erneut, Strauss-Kahn weise die Vorwürfe zurück und wolle seinen Namen und seinen Ruf wiederherstellen.

Die Richterin hatte im Gerichtssaal Fotografen und Kameraleute zugelassen - anders als am Sonntag trug Strauss-Kahn allerdings keine Handschellen. Der 62-Jährige war am Sonntag in Handschellen aus einem New Yorker Polizeirevier abgeführt worden. Die Bilder waren um die Welt gegangen und hatten eine Schockwelle ausgelöst.

Juncker bedauert "guten Freund"
Beim Treffen der Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel, an dem Strauss-Kahn ursprünglich teilnehmen sollte, zeigten sich zahlreiche Politiker schockiert. "Ich bedauere die Situation sehr, er ist ein guter Freund von mir", sagte der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker. "Die Bilder, die ich heute morgen im Fernsehen gesehen habe, haben mir nicht gefallen." Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die Lage ihres Landsmanns sei "niederschmetternd und schmerzhaft".

Zugleich nannte Juncker Überlegungen für die Nachfolge Strauss-Kahns zu diesem Zeitpunkt "unangemessen". "Bis Strauss-Kahn zurücktritt, werde ich mich nicht zu dieser Frage äußern", sagte Juncker. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatten vor den Gesprächen in Brüssel erklärt, sich für einen Europäer an der Spitze des IWF auszusprechen.

Ackermann als Nachfolger?
Nach Informationen der deutschen "Bild"-Zeitung werden in Berlin bereits die Namen des derzeitigen Chefs der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, Thomas Mirow, sowie von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für eine Nachfolge Strauss-Kahns genannt. Auch über eine Nachfolge des Franzosen durch Lagarde wurde bereits spekuliert. Die französische Finanzministerin verweigerte dazu beim Finanzministertreffen in Brüssel jedoch jeglichen Kommentar.

Der IWF-Verwaltungsrat erklärte, vorerst die weiteren Entwicklungen im Verfahren gegen Strauss-Kahn abwarten zu wollen und noch keine Entscheidung hinsichtlich dessen Zukunft beim IWF getroffen zu haben.

(apa/red)

Kommentare

Ein gewalttätiger Penis, Sachen gibt`s

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Ein bisserl blöd für ihn ist nur, dass sich andere Opfer, die in einer ähnlichen Situation waren, auch melden (was früher verschwiegen worden ist - vielleicht mit Hilfe von Geld etc)
Na ja, wenigstens kann er sich ein wenig vom Stress der Währungsturbulenzen erholen, Zeit zum Nachdenken hat er auch....

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Re: Ein bisserl blöd für ihn ist nur, und außerdem, der Versuch der überstürzten Abreise, obwohl ja der Termin für das Treffen mit Merkel u co feststand.....

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Schnellschuss Liebe Schreiber,

nicht so schnell, es steht weder fest wer das Opfer ist, noch ob es einen Vergewaltiger gibt.
Oder wisst ihr da schon genaueres?

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Re: Schnellschuss Steht da irgendwo in der Geschichte, dass er schuldig ist, Kontrollorgan?

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Re: Schnellschuss ... wer lesen kann ist klar im Vorteil.

Warum bedauert der Herr Juncker den Täter Wenn der Herr Juncker Anstand hätte, dann würde er das Opfer und nicht den Täter bedauern. Aber für diese Herrschaften sind Zimmermädchen und Menschen in ähnlichen Berufen Menschen 3. - 4. Klasse. Hauptsache sie bezahlen Steuern und schweigen.

Ignaz-Kutschnberger

Da lob ich mir Amerika!!! Good old America.... da weiß man noch wie man mit Gefangenen umzugehen hat!! Warum haben die Bilder eine weltweite Schockwelle ausgelöst, wenn ein Vergewaltiger mit Handschellen von der Polizei abgeführt wird??!! Bei uns hätten sie ihm vermutlich eine Flasche Champagner gekauft und ihn in einer Limousine zum Flughafen gebracht....

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