Finale Phase der Vorbereitungen: Spitäler, Sanitäter und Ärzte planen für den Ernstfall

Einsatzleiter-Kritik: Verkehrskonzept überarbeiten Online-Plan für Bettenstand in Wien auf Schiene

Finale Phase der Vorbereitungen: Spitäler, Sanitäter und Ärzte planen für den Ernstfall © Bild: APA

100 Tage vor Anpfiff der EURO befinden sich Rettungskräfte und Spitäler in der Finalphase ihrer Vorbereitungen: Dienstpläne werden geschrieben und Material-Listen erhalten den letzten Schliff. Nach der Grob-Planungen für Einsätze und Notfälle, geht es nun um Details. Eines davon ist die Vorbereitung auf alle möglichen Wettersituationen. Da es im Juni oft sehr heiß ist, werden für die Außenambulanzen gerade Ventilatoren und Belüftungssysteme angeschafft, sagte Peter Hoffelner, EM-Einsatzleiter des Wiener Sanitätsteams.

Gegen Regen wappnen sich die Einsatzkräfte in den Notfallspitälern mit festen Böden unter den Spitals-Zelten sowie Faltstraßen des Bundesheeres. Die Auslosung der Gruppen habe auf die Planung eigentlich keinen große Einfluss genommen, erklärte Hoffelner. Nach wie vor gelte, dass im Stadionbad und direkt bei der offiziellen Fanzone die großen Hilfs-Zentren aufgebaut werden. Fix ist mittlerweile auch, wo die sechs mobilen Sanitätshilfsstellen gelagert werden, die individuell je nach Bedarf zum Einsatz kommen: hinter dem Rathaus, bei der Semmelweis-Frauenklinik sowie auf einem Parkplatz im St. Marx-Gebiet.

Nicht ganz zufrieden ist man bei den Rettung-Einsatzkräften mit der Planung der Beförderung der Fans. "Das Verkehrskonzept muss noch überdacht werden", bemängelte Hoffelner nach den Schwierigkeiten bei der An- und Abreise des Freundschaftsspiels Österreich gegen Deutschland rund um das Wiener EM-Stadion. Eine Überarbeitung müsse dafür sorgen, dass rasche Transporte von Kranken reibungslos abgewickelt werden können.

Erster Kommunikations-Test bestanden
Reibungslos geklappt habe bei dem Freundschaftsmatch Anfang Februar allerdings der erste Kommunikations-Test zwischen allen beteiligten Stellen von den Einsatzkräften über die Spitäler und Magistrate bis ins Innenministerium, erzählte der Einsatzleiter. Von einer gemeinsamen Schnittstelle ausgehend werde über Telefon, PC und Funk alles koordiniert, Daten von Patienten werden direkt bis in Krankenhäuser eingespeist, Erkrankte seien dadurch jederzeit rasch auffindbar. Beim Freundschaftsspiel gegen die Niederlande werde das System erneut getestet.

Neben der Personalplanung innerhalb der heimischen Rettungs-Einheiten werden nun auch die "Gästeteams", ausländische Einsatzkräfte die das Sanitätsteam unterstützen sollen, organisiert. Die Helfer aus den Nachbarstaaten werden vor allem in den Sanitätshilfsstellen direkt beim Stadion und in der Fanzone eingesetzt, wenn Fußball-Anhängern aus den entsprechenden Ländern erwartet werden, erklärte Hoffelner. Die ausländischen Sanitäter und Ärzte sollen den heimischen vor allem bei Verständigungsschwierigkeiten unter die Arme greifen.

Gefeilt wird neben der Sanitäts-Planung, auch an der Versorgung der Mitarbeiter: Viele Helfer und Ärzte werden oft lange ihm Dienst sein und auf ihren Einsatz warten müssen, sagte Hoffelner. Derzeit werden in den Bereitstellungsräumen daher extra Mitarbeiter-Cafes eingerichtet und TV-Geräte installiert, um dem Personal zumindest in der stressfreien Zeit das Verfolgen der EM-Spiel zu ermöglichen.

Online-Plan für Bettenstand
Bei der detaillierten Planung ist man mittlerweile auch in den Wiener Spitälern. Mittels einer online-verfügbaren Einsicht in den Bettenstand der Spitäler über die gemeinsame Einsatzzentrale mit den Rettungskräften soll die Patienten-Zuteilung so optimal organisiert werden, sagte Susanne Drapalik, Leiterin der Stabsstelle für Sofortmaßnahmen im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) der APA.

Wird es in den Spitälern - der KAV verfügt insgesamt über rund 12.000 Betten - trotzdem eng, sollen chronische Kranke in Geriatriezentren verlegt werden. Dies sei bei beispielsweise bei jenen Patienten möglich, die einen sehr langen Aufenthalt, hohen Pflegebedarf, jedoch keine Operation bräuchten. Ein junger Mann, der wegen eines Beinbruchs ins Spital käme, werde mit Sicherheit nicht in ein Geriatriezentrum gebracht.

Nach dem Test der Katastrophen-Einsatzpläne widme man sicher derzeit vor allem der detaillierte Planung und der genauen Diensteinteilung, so Drapalik. Damit genug Ärzte und Schwestern verfügbar seien, gebe es eine Urlaubssperre. Jede Unfallstation erhalte ein zusätzliches Team, verstärkt werden auch die Aufnahme- und Röntgen-Station sowie jene Einheiten, in denen es individuell zusätzlichen Bedarf gebe.

Auch Operationen werden bereits organisiert: Geplante Eingriffe wird es während der EURO nur in so großer Zahl geben, dass auch für Akut-Fälle noch genug Kapazitäten bleiben, erklärte die KAV-Mitarbeiterin. Ein akuter Magendurchbruch könne so jederzeit behandelt werden, geplante Gallen-OPs wird es hingegen nur geben, wenn genug Ärzte für Not-Eingriffe übrig bleiben.

(apa/red)

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