Filmfestspiele Venedig von

Ulrich Seidl angezeigt

Katholische Organisation über Masturbationsszene in "Paradies:Glaube" erbost

Filmfestspiele Venedig - Ulrich Seidl angezeigt © Bild: APA/EPA/Onorati

Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl bekommt Probleme mit der italienischen Justiz. Die ultrakonservative katholische Organisation "NO 194" hat nach der Uraufführung des Wettbewerbsfilms "Paradies: Glaube" bei den Filmfestspielen von Venedig Anzeige wegen Blasphemie erstattet, berichtete die katholische Webseite "Pontifex". Der Vorwurf richtet sich gegen den Filmemacher, die Schauspielerin Maria Hofstätter, die Filmproduzenten sowie die Leiter des Festivals. Weder das Filmteam noch das Festival wollten die Anzeige am Montag kommentieren.

"Wir werden das dann kommentieren, wenn uns schriftlich etwas vorliegt", sagte Seidls Partnerin und Drehbuch-Co-Autorin Veronika Franz gegenüber der APA, "wir haben bisher nur in den Medien davon gelesen". Auch ein Vertreter des Festivals sagte der APA, man wolle vorerst nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Die Anzeige wurde vom Rechtsanwalt Pietro Guerini, Präsident der katholischen Organisation, bei der Venediger Staatsanwaltschaft eingereicht. Ins Visier Guerinis ist vor allem Hofstätters Masturbationsszene mit einem Kruzifix geraten.

Anwalt hofft auf Strafe
Der Anwalt hofft auf eine beispielhafte Strafe für Seidl. "Meiner Ansicht nach würde er sogar eine Haftstrafe verdienen, weil er mit seinen blasphemischen Szenen nicht nur die katholische Religion, sondern auch diejenige beleidigt, die Katholiken sind. Laut italienischem Recht wird es jedoch lediglich zu einer Geldstrafe kommen. Uns geht es aber nicht so sehr um die Strafe, sondern um die Verurteilung", sagte Guerini im Gespräch mit der APA. Er sieht "die Grenze der Toleranz überschritten: Italien und Österreich sind Länder mit katholischer Tradition, die verteidigt werden muss."

Guerini hat vor drei Jahren die ultrakonservative katholische Organisation "NO 194" gegründet, die circa 10.000 Mitglieder zählt. Dass das Interesse an Seidls Film mit der Anzeige zunehmen wird, ist dem Anwalt bewusst. "Ich hoffe jedoch, dass meine Initiative andere abhalten wird, die katholische Religion zu beleidigen." Der Filmemacher selbst sagte im Vorfeld der Premiere im Gespräch mit der APA, dass die katholische Kirche die Sexualität seit Jahrhunderten unterdrücke und tabuisiere, weswegen dies auch so ein Thema sei. "Wie wir ja sehen, finden alle Missbrauchsskandale in den Reihen der katholischen Kirche statt."

Film positiv aufgenommen
"Paradies: Glaube" ist der zweite Teil der "Paradies"-Trilogie und wurde in Venedig größtenteils positiv aufgenommen. Italienische Tageszeitungen schrieben zwar von einem "Skandal", verwiesen aber auch auf die "intelligente Ironie" des Dramas, in dem eine Frau eine extreme Liebe zu Jesus praktiziert. In katholischen Kreisen hatte der Film jedoch heftige Kritik ausgelöst: In Online-Medien schrieben Kritiker von einem "obszönem Nihilismus", der sowohl Katholiken als auch Moslems beleidige. Und die Parlamentarierin Paola Binetti kritisierte, dass Seidl nur auf Provokation aus sei.

Kommentare

zum Glück nicht in Russland Hier und in Italien ist es hoffentlich noch nicht so weit, das man wegen "Blasphemie" weggesperrt wird...Ich denke das sollten wir uns erhalten, auch wenn es sicherlich einige verletzt, was auch siherlich schwer zu verkraften ist für Gläubige Menschen. Aber die Welt hat nunmal sehr viele Seiten. Ich denke Jesus predigte Toleranz und diese sollte dann auch gelebt werden, ohne natürlich hier Gläubige verletzen zu wollen. Aber leider habe ich den Film noch nicht geshen und rede daher wie der Bilnde von der Farbe

ja, wo sin wir denn!? Die Pfaffen haben echt noch nie was gehört von der Freiheit der Kunst!!

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