Filmfestival in Locarno: Goldener Leopard an italienischen Film "Private"!

Publikumspreis an "The Syrian Bride" - Österreich geht leer aus

Der italienische Regisseur Saverio Costanzo erhält für seinen Erstlingsfilm "Private" den Goldenen Leoparden des 57. Filmfestivals Locarno. Die weiteren Preise gehen an Deutschland, Japan und Iran. Dies wurde am Samstag mitgeteilt. Für Österreich war "Antares" von Götz Spielmann im Hauptbewerb zu sehen gewesen.

Der preisgekrönte italienische Film des 29-jährigen Italieners erzählt, örtlich reduziert auf die Wohnung einer palästinensischen Familie, von den täglichen kleinen Absurditäten des israelisch-palästinensischen Konflikts. Israelische Militärs besetzen das Haus der siebenköpfigen Familie, weil es an einem strategisch wichtigen Punkt liegt. Das Zusammenleben der Besatzer mit der palästinensischen Familie führt neben vielen Problemen aber auch zu einer menschlichen Annäherung zwischen den beiden Parteien.

Costanzo hat seinen ersten Kinofilm auf Grund einer wirklichen Begebenheit in Israel gedreht. Er arbeitete mit palästinensischen und israelischen Darstellern, die während der Dreharbeiten auch zusammen lebten. Mohammad Bakri, einer der bekanntesten palästinensischen Schauspieler, wird für seine Rolle als Familienvater in "Private" außerdem mit dem Leoparden als bester Darsteller ausgezeichnet.

Den Silbernen Leoparden für den zweitbesten Film hat die Internationale Jury an die aus der Türkei stammende deutsche Regisseurin Ayse Polat für ihren Film "En garde" vergeben. Sie schildert die behutsam entstehende Freundschaft zwischen zwei ungleichen Mädchen in einem Erziehungsheim. Der zweite Spielfilm der deutsch-kurdischen Filmerin ist als "Kleines Fernsehspiel" des deutschen Fernsehsenders ZDF entstanden. Die beiden Hauptdarstellerinnen Maria Kwiatkowsky und Pinar Erincin werden ex aequo als beste Schauspielerinnen ausgezeichnet.

Der Spezialpreis der Jury für den Film, der den Gedanken der Verständigung zwischen den Völkern und den Kulturen am stärksten zum Ausdruck bringt, geht an den japanischen Film "Tony Takitani" von Jun Ichikawa, eine hochstilisierte Parabel über die Einsamkeit der Menschen.

Den Silbernen Leoparden für das beste Erstlings- oder Zweitlingswerk erhält der iranische Wettbewerbsbeitrag "Story Undone" von Hassan Yektapanah. Der Schweizer Beitrag "Promised Land" von Michael Beltrami ging leer aus.

Der von einer eigenen Jury vergebene Goldene Leopard des Videowettbewerbs geht an den 28-minütigen französischen Beitrag "Conversations de salon 1-2-3" von Danielle Arbid. Die Regisseurin zeichnete drei Gespräche unter Freundinnen zu Hause bei ihrer Mutter in Beirut auf.

Das Goldene Leopärdchen für den besten Schweizer Kurzfilm hat die Kurzfilmjury an den fünfminütigen "Chyenne" von Alexander Meier vergeben. Das Silberne Leopärdchen geht als zweiter Preis an den 20- minütigen "Wackelkontakt" von Ralph Etter. Den Publikumspreis der Piazza Grande erhält die israelisch- französisch-deutsche Koproduktion "The Syrian Bride" von Eran Riklis, wie das Festival am Samstagnachmittag mitteilte.

Wie der österreichische Regisseur Georg Misch und Ralph Wieser (Mischief Films/Wien) in einer Aussendung am Samstag mitteilten, ist ihr Dokumentarfilm "Calling Hedy Lamarr" - in einem Nebenwettbewerb (Critic's Week) - mit einer "lobenden Erwähnung" ausgezeichnet worden. In der Jurybegründung werde die originelle Herangehensweise, sich einer nahezu vergessenen Filmikone zu erinnern, hervorgehoben. "Der Film zeichnet sich durch seine intelligente Struktur, die überraschenden Enthüllungen und den wertvollen emotionalen Inhalt aus", wurde die Bewertung zitiert.

Götz Spielmanns Episodenfilm "Antares" startete beim 57. Filmfestival in Locarno im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden. Österreich war weiters mit der "Josef"-Triologie von Thomas Woschitz in der Reihe "Filmmakers of the Present" vertreten. (apa)