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Transferverbot für FC Barcelona

Wegen Transfers von Minderjährigen für zwei volle Wechselperioden gesperrt

Barcelonas Neymar © Bild: imago/BPI

Der FC Barcelona ist wegen des Transfers von minderjährigen Spielern vom Internationalen Fußballverband (FIFA) mit einem Transferverbot sowie einer Geldstrafe von 450.000 Schweizer Franken (rund 369.500 Euro) belegt worden. Zwei volle Wechselperioden, also die gesamte kommende Saison bzw. bis 30. Juni 2015, dürfe "Barca" keine neuen Spieler verpflichten, teilte die FIFA mit.

"Die Ermittlungen betrafen mehrere minderjährige Spieler, die über verschiedene Zeiträume zwischen 2009 und 2013 beim Verein registriert waren und mit diesem an Wettbewerben teilnahmen", hieß es in der Erklärung des Weltverbandes. Dem spanischen Meister werden demnach Verstöße gegen die internationalen Transferbestimmungen bei zehn minderjährigen Spielern vorgeworfen. Erst wenn ein Fußballer mindestens 18 Jahre alt ist, darf er laut Artikel 19 des Reglements international transferiert werden.

Spanischer Verband trägt Mitschuld

Auch der spanische Verband (RFEF) wurde von der FIFA-Disziplinarkommission in dieser Causa für schuldig befunden und mit einer Geldstrafe von einer halben Million Franken (rund 410.500 Euro) sanktioniert. Der RFEF, der wie Barcelona überdies einen Verweis von der FIFA erhielt, muss nun innerhalb eines Jahres sein Regelwerk und das bestehende System bezüglich des internationalen Transfers von Minderjährigen im Fußball den gültigen Bestimmungen anpassen.

Barcelona muss Situation binnen 90 Tagen klären

Barcelona wurde indes von der FIFA angewiesen, die Situation aller fraglichen minderjährigen Spieler binnen 90 Tagen zu legalisieren. Die Disziplinarkommission betonte zudem, dass die FIFA den Schutz Minderjähriger im Fußball "sehr ernst" nehme, weil "junge Spieler in einem fremden Land ohne angemessenen Schutz Opfer von Ausbeutung und Missbrauch werden könnten". Dieser Schutz für Fußballer unter 18 Jahren zählt zu den Grundsätzen der Vereinbarung, die FIFA, UEFA und Europäische Kommission 2001 getroffen haben.

Wechsel von ter Stegen in Gefahr

Durch die FIFA-Strafe ist nun der Transfer von Mönchengladbach-Tormann Marc-Andre ter Stegen, der im Sommer zu "Barca" wechseln will, in Gefahr. Sollte der 21-jährige DFB-Ersatztormann aber bereits einen Vertrag bei den Katalanen unterschrieben haben, würde die FIFA-Sanktion in diesem Fall nicht greifen. Barcelona könnte außerdem mittels Einspruch eine Aufschiebung des Transferverbots erwirken.

Auch der spanische Verband kann das Urteil bei der FIFA-Berufungskommission innerhalb von 90 Tagen beeinspruchen. "Wir sehen die Sache gelassen", zitierte die Sporttageszeitung "As" auf ihrem Online-Portal einen Barcelona-Verantwortlichen. "Wir haben 90 Tage Zeit, unsere Position darzulegen und zu erläutern, weshalb wir diese Spieler verpflichtet haben."

Nicht der erste Fall

Die Katalanen sind nicht der erste Fußballverein, der auf diese Weise büßen muss. Anbei drei Beispiele:

Gael Kakuta in der Champions League mit dem FC Chelsea
© Mike Hewitt/Getty Images Gael Kakuta war Grundstein eines Transferverbots des FC Chelsea

CHELSEA FC: 2009 bestraft die FIFA Chelsea FC um den deutschen Nationalspieler Michael Ballack mit einem Transferverbot von einem Jahr. Der Club aus der englischen Premier League habe den französischen Nachwuchsspieler Gael Kakuta zum Vertragsbruch ermuntert, lautet die Begründung. Auslöser ist eine Klage des RC Lens. Kakuta wird zudem für vier Monate gesperrt, Chelsea muss Lens 780.000 Euro Entschädigung und eine "Trainingsgebühr" in Höhe von 130.000 Euro bezahlen.

FC NANTES: Im Februar 2013 bestraft die FIFA den französischen Club FC Nantes für sein Verhalten beim Wechsel von Ismael Bangoura mit einem Transferverbot von einem Jahr. Der achtfache französische Meister soll den Stürmer aus Guinea dazu verleitet haben, seinen Vertrag mit Al Nasr aus Dubai im Januar 2012 aufzulösen. Zudem muss Nantes 4,5 Millionen Euro als Kompensation an Al Nasr bezahlen, Bangoura wird für vier Monate gesperrt.

FC SION: Der Club aus der Schweiz darf für die Dauer von zwei Transferperioden keine Spieler unter Vertrag nehmen, weil der Club 2008 laut FIFA den ägyptischen Torhüter Essam Al Hadari zum Vertragsbruch angestiftet hat. 2011 kommt es zu einem monatelangen Rechtsstreit über das Ende des Transferverbots. In der Folge wird Sion aus der Europa League ausgeschlossen und bekommt vom Schweizer Verband auf Druck der FIFA 36 Punkte abgezogen.

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