FIFA-Skandal von

"Ich bin ein glücklicher Präsident"

FIFA-Boss Sepp Blatter von Rücktrittsforderungen beeindruckend unbeeindruckt

FIFA-Skandal - "Ich bin ein glücklicher Präsident" © Bild: EPA/ALESSANDRO DELLA BELLA

Der umstrittene FIFA-Chef Joseph Blatter zeigt Steherqualitäten, die man sonst nur aus Teilen der heimischen Politik kennt - und zieht für sich selbst keine Konsequenzen aus dem kolportierten Schmiergeldskandal rund um die Vergabe von Weltmeisterschaften. Stattdessen will der Schweizer seine eigenen Pläne weiter vorantreiben und schießt scharf gegen seine Gegner. Auch das kommt dem gelernten Österreicher verdächtig bekannt vor.

"Ich bin ein glücklicher Präsident, weil unserer Reformprozess weitergeht. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess weiter begleiten", sagte Blatter in Zürich. Das Exekutivkomitee ernannte am Dienstag den deutschen Richter Joachim Eckert und den US-Staatsanwalt Michael Garcia anstelle des favorisierten Argentiniers Luis Moreno Ocampo zu den Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethikkommission, die den Kampf gegen die Korruption in der FIFA voranbringen soll.

Der 64-jährige Eckert, der auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert ist, soll ein Sportgericht der FIFA leiten. Garcia arbeitet in den USA als Ankläger und war in dieser Funktion unter anderem auch im Doping-Prozess gegen die frühere Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones tätig. Er soll in der Ethikkommission einer Art Kontrollausschuss vorsitzen. "Die Vorsitzenden der beiden Kammern sind komplett unabhängig", sagte Blatter. Die FIFA werde allen Entscheidungen der neuen Ethikkommission folgen.

Die neuesten Enthüllungen im FIFA-Bestechungsskandal und auch sein möglicher Rücktritt waren nach Angaben des Schweizers kein Thema bei der Sitzung des Exekutivkomitees. "Über die Position des FIFA-Präsidenten kann nur der Kongress entscheiden", sagte Blatter. Zuvor waren zahlreiche Forderungen nach einem Rücktritt des Schweizers laut geworden.

IOC? Nein, danke!
Eine Einmischung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich die FIFA strikt verbeten. "Das IOC soll sich zunächst seine eigenen Sachen anschauen", sagte der im November 2011 eingesetzte Anti-Korruptions-Beauftragte der FIFA, Mark Pieth, der "Sport Bild" in einem Interview.

"Die haben nach Salt Lake City einen Schritt gemacht, aber einen halbherzigen. Die Wahl der Personen ins Integritäts-Komitee überzeugt mich nicht. Bei der Frage, woher sie kommen, spielt der IOC-Präsident eine viel zu große Rolle. Da sind wir beim Thema Unabhängigkeit", meinte der Strafrechts-Professor aus der Schweiz.

"Wusste nichts"
Der ehemalige FIFA-Präsident Joao Havelange und dessen brasilianischer Landsmann Ricardo Teixeira hatten vor Jahren von der inzwischen insolventen Schweizer Marketingfirma ISMM/ISL rund 14 Millionen Schweizer Franken (heute umgerechnet etwa 12 Millionen Euro) Schmiergeld kassiert. "Ich weiß und wusste nichts von weiteren Personen", erklärte Blatter nun auf die Frage, ob es in der ISL-Affäre weitere Schmiergeldzahlungen gegeben habe. ISL soll aber geschätzt 138 Millionen Schweizer Franken (ca. 115 Mio. Euro) an rund ein Dutzend Funktionäre gezahlt haben.