Die Fifa wird schon richten

Der Weltfußballverband Fifa hat bereits 2015 die Beteiligung Dritter an Transferrechten von Fußballspielern verboten. Österreichs Fußballbund (ÖFB) stellte dieses Verbot jedoch erst im Juli 2018 unter Strafe. Nützte dem Lask im Verfahren der Bundesliga auch dieses nationale Schlupfloch? Die Fifa hat jedenfalls Untersuchungen eingeleitet.

von Causa Lask - Die Fifa wird schon richten © Bild: APA/Helmut Fohringer

Am 22. April hatte News erstmals über dubiose Deals beim Fußballtraditionsklub Lask berichtet: Unter der Regie des langjährigen Spielervermittlers Jürgen Werner waren diskrete Transfergeschäfte mit Lask-Spielern orchestriert und Investoren im Verborgenen mutmaßlich finanziell an Spielerverkäufen beteiligt worden, obwohl derartige Beteiligungen Dritter an Spielerrechten (im Fachjargon auch "Third Party Ownership" genannt) vom Weltfußballverband Fifa bereits im Sommer 2015 untersagt worden waren. Die vorläufigen Konsequenzen: Jürgen Werner trat als Lask-Vizepräsident zurück, obwohl er sich nichts vorzuwerfen habe, wie er stets bekundete. Dennoch wurde der bald 60-jährige Oberösterreicher, der bis März neben dem Amt des Lask-Vizechefs auch noch eine Geschäftsführerfunktion bei einer Spielervermittleragentur bekleidete, vom Senat 2 der Bundesliga mit einer Funktionssperre über 18 Monate belegt. Er darf also eineinhalb Jahre keine offizielle Funktion im Fußball ausüben. Jürgen Werner hat dagegen Berufung eingelegt.

War es das? Kehrt damit wieder Ruhe ein beim Lask, der mit dem Stadionprojekt in Linz ohnehin eine echte Großbaustelle vorzuweisen hat?

Am Dienstag vergangener Woche schien es so, zumindest aus Sicht jener, die sich lieber mit dem schönen Fußballspiel auf dem grünen Rasen als mit den trockenen Paragrafen beschäftigen, die in den offiziellen Regelbüchern des Fußballs festgeschrieben stehen. Erst teilte die Fußball-Bundesliga in einer Aussendung mit, dass ihr Senat 5 das Verfahren gegen den Lask wegen möglicher Beteiligung Dritter an Spielerrechten (Third Party Ownership) eingestellt habe, dann erklärten vor allem regionale Medien diese Einstellung zum Sieg für den Lask und meinten, man müsse dem Klub und seinen Verantwortlichen nun Abbitte leisten.

"Aus formalen Erwägungen"

Erste Aufschlüsse über die Hintergründe dieser Verfahrenseinstellung liefert bereits die Aussendung der Bundesliga. Darin ist nämlich nicht von einem glatten Freispruch die Rede, sondern davon, dass der Senat 5 beschlossen habe, das Verfahren gegen den Lask "sowohl mangels Beweisen als auch aus formalen Erwägungen einzustellen". Die "formalen Erwägungen" sind bei einem genauen Blick in die Regelbücher leicht erklärt: Denn während der Weltfußballverband Fifa im Jahr 2015 die Beteiligung Dritter an Spielerrechten weltweit verboten hatte, hat es der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) als Fifa-Mitglied ganz offensichtlich jahrelang verabsäumt, dieses Verbot für österreichische Vereine unter Strafe zu stellen. Zwar war das Verbot im "Regulativ für Vereine und Spieler" festgeschrieben, doch erst in der Fassung vom 1. Juli 2018 findet sich in der sogenannten ÖFB-Rechtspflegeordnung erstmals jener Passus 132a, der Sanktionen erlaubt. Das bedeutet: Der Bundesliga-Senat 5 konnte aus formalen Erwägungen lediglich Lask-Transfers ab Juli 2018 genauer unter die Lupe nehmen. Und auch da nur jene, die national, also innerhalb Österreichs abgewickelt wurden. Diese innerösterreichischen Transfers des Lask nach diesem Zeitpunkt sind überschaubar. Der Senat 5 konnte überhaupt nur zwei Spielerwechsel prüfen, einer davon war der Transfer von Maximilian Ullmann für eine vertraglich fixierte Ausstiegsklausel von 600.000 Euro zu Rapid.

Österreich untersucht Österreich

Das ändert freilich nichts daran, dass laut News vorliegenden Verträgen bereits seit dem internationalen Verbot im Mai 2015 Investoren an Lask-Spielern beteiligt wurden, obwohl die Fifa dies untersagt hatte. Und im Gegensatz zur Bundesliga ist der Weltfußballverband nicht auf eine nationale Regelumsetzung angewiesen, sondern stützt sich direkt auf sein eigenes internationales Verbot aus dem Jahr 2015. Das ist auch der Grund, warum die Fifa - wie die "Kronen Zeitung" mehrfach berichtete -seit dem Frühjahr mit Argusaugen die Vorgänge rund um den Lask beobachtet und eigene Ermittlungen anstellt. Der Lask wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert. Denn lukrativ waren für den Linzer Fußballklub in den letzten Jahren vor allem jene Spielerverkäufe, die mit finanzkräftigen Klubs aus großen europäischen Ligen ausgehandelt werden konnten. Und bei den Ermittlungen der Fifa geht es laut News-Recherchen um mehrere internationale Millionentransfers, an denen es urkundlich dokumentierte Investorenbeteiligungen gab. Und dass von der Fifa sehr wohl noch erhebliches Ungemach drohen kann, ist den Lask-Verantwortlichen natürlich bewusst.

© APA/AFP/Odd Andersen João Victor: Wurde der Stürmer um 2,5 oder um 3,5 Millionen nach Wolfsburg verkauft?

Abgesehen von einer ganzen Anzahl von Verträgen über die Beteiligung an Lask-Spielern liegt der Fifa mittlerweile auch die Aussage eines Investors vor, dem von Jürgen Werner um einen sechsstelligen Eurobetrag eine Beteiligung an Lask-Spielerrechten verkauft wurde - und der mit dem Einsatz seines Risikokapitals laut einer vorliegenden Unterlage letztlich knapp 100 Prozent Profit gemacht haben soll. Dies jedenfalls gab der Zeuge vor der Bundesliga zu Protokoll. Ausbezahlt wurden die anteiligen Transfergewinne laut der Aussage des Zeugen jedoch nicht über Jürgen Werners Investmentgesellschaft, mit der der Vertrag abgeschlossen worden war, sondern pikanterweise direkt von der Lask GmbH, mit der die Profisportaktivitäten des Linzer Klubs abgewickelt werden. Anscheinend kein Einzelfall, wie sich aus News-Recherchen erschließen lässt.

2,5 oder 3,5 Millionen?

Ein beträchtlicher Teil der Summe, die der Zeuge direkt von der Lask GmbH für Transferbeteiligungen erhalten haben will, betrifft internationale Transfers. Darunter unter anderem: der Verkauf von João Victor, der zum VW-Klub VfL Wolfsburg in die deutsche Bundesliga wechselte und dem Lask in Summe mehrere Millionen in die Kassen spülte. Auf den Deal mit dem Goalgetter lohnt sich auch aus einem anderen Grund ein genauer Blick. Denn News-Recherchen ergaben, dass zumindest einem Investor, der sich an den Transferrechten des Brasilianers beteiligt hatte, ein Verkaufserlös von 2,5 Millionen Euro genannt worden sein soll. Auf Basis dieser 2,5 Millionen soll auch die Investorenabrechnung der Transferbeteiligung erfolgt sein.

Tatsächlich soll mit dem heute 27-jährigen João Victor eine deutlich höhere Ablösezahlung erzielt worden sein. Das behauptete zumindest die für gewöhnlich gut informierte "Kronen Zeitung", in der es am 1. Juli 2019 hieß: Bisher war "man davon ausgegangen, dass der Lask für seinen Torjäger etwa 2,5 bis 2,8 Millionen kassiert haben dürfte Doch Irrtum! Wie die 'Krone' in Wolfsburg aus hundertprozentiger Quelle erfuhr, hat Österreichs Vizemeister für den 20-fachen Torschützen der letzten Saison genau 3,5 Millionen Euro kassiert."

Wenn dem so wäre, dann hätten Jürgen Werner und Co. nicht nur die Fifa, sondern auch die eigenen Geldgeber getäuscht. Wobei sich Werner und sein Mitstreiter ohnehin die Frage gefallen lassen müssen, wofür sie da eigentlich Hunderttausende Euro an Investorengeld eingesammelt haben, wenn der Lask gegenüber der Bundesliga und wohl auch gegenüber der Fifa heftig bestreitet, jemals Beteiligungen an Transferrechten an Jürgen Werner verkauft zu haben. Was haben der Ex-Vizepräsident des Lask und sein Kompagnon da an die Investoren verkauft?

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im News 33/2021.