Korruption von

FIFA-Chef Blatter
stellte Strafanzeige

Wegen "Fehlverhaltens von Einzelpersonen" - Treffen zwischen Garcia und Eckert

FIFA-Chef Sepp Blatter. © Bild: APA/EPA/Walter Bieri

Der Skandal um die WM-Vergabe an Russland und Katar zieht immer weitere Kreise: FIFA-Präsident Joseph Blatter geht nun in die Offensive und hat Strafanzeige bei einem Gericht in Bern gestellt. "Wenn wir etwas zu verbergen hätten, würden wir uns hüten, ausgerechnet die Staatsanwaltschaft einzuschalten", sagte Blatter in einem FIFA-Interview auf der Homepage des Weltverbandes.

"Die FIFA-internen Gremien haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten getan, was sie konnten, und arbeiten weiter daran. Jetzt wird die Angelegenheit zusätzlich noch von unabhängiger staatlicher Seite aus beleuchtet", konstatierte Blatter, der in der Affäre seit Veröffentlichung des Berichts der eigenen Ethikkommission und dem Freispruch für Russland und Katar am vergangenen Donnerstag geschwiegen hatte.

Der Strafantrag wurde von der FIFA auf Empfehlung von Hans-Joachim Eckert gestellt, dem zuletzt international harsch kritisierten Vorsitzenden der rechtssprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission. Gegen wen sich der Antrag konkret richtet, ist allerdings unklar. "Gegenstand der Anzeige bildet mögliches Fehlverhalten von Einzelpersonen im Zusammenhang mit den (...) WM-Vergaben 2018 und 2022", hieß es in einem FIFA-Statement.

Exekutivkomitee im Mittelpunkt

Die Ankündigung könnte eine dramatische Wende im FIFA-Skandal einläuten. Besonders die Rolle der 22 wahlberechtigten Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees bei der Abstimmung im Dezember 2010 steht auf dem Prüfstand. Über einen Zeitrahmen der Ermittlungen gibt es noch keine Angaben.

Einer Veröffentlichung des Berichts der Ethikkommission erteilte Blatter eine klare Absage. "Veröffentlicht die FIFA diesen Bericht, verletzt sie ihr eigenes Verbandsrecht und auch staatliches Recht", sagte der Schweizer. "Dies können wir natürlich nicht tun."

Gipfeltreffen der Ethikhüter

Unterdessen kam neue Bewegung in den Skandal um die Untersuchung der WM-Vergabe an Russland und Katar: Bereits am Donnerstag wollen sich die kritisierten Ethikhüter Hans-Joachim Eckert und Michael Garcia zu einem geheimen Spitzengespräch treffen. Die Zusammenkunft des deutschen Richters mit dem Top-Ermittler aus den USA wurde am Dienstag vom Fußball-Weltverband bestätigt.

Ort und Zeit des Treffens sind aber vorerst nicht publik. Eckert hatte am Wochenende angekündigt, den Kontakt zu Chefermittler Garcia aufzunehmen. Der US-Amerikaner hatte zuvor Einspruch bei der FIFA-Berufungskommission gegen Eckerts WM-Urteil angekündigt. Dieser hatte die WM-Gastgeber 2018 und 2022 vom Vorwurf der Korruption freigesprochen und damit weltweit Empörung ausgelöst.

Platini fordert Veröffentlichung

Unterdessen hat sich in UEFA-Präsident und FIFA-Vizechef Michel Platini ein weiterer Top-Funktionär wieder für eine Veröffentlichung des sogenannten Garcia-Berichts ausgesprochen, auf dessen Grundlage Eckert sein Urteil fällte. "Präsident Michel Platini hat erneut seine Unterstützung für die vollständige Veröffentlichung des Garcia-Berichts bestätigt, wenn Vertraulichkeitsregeln nicht verletzt werden", twitterte UEFA-Medienchef Pedro Pinto am Dienstag.

Platini ist der einzige Funktionär, der seine Stimmabgabe bei der umstrittenen Wahl im Dezember 2010 für Katar 2022 publik gemacht hat. Für eine Veröffentlichung des 430 Seiten umfassenden Garcia-Reports hatten sich zuvor schon zahlreiche andere Funktionäre eingesetzt. Die FIFA-Spitze lehnt dies unter Berufung auf die Regularien ihres Ethikcodes bisher ab.

Weitere Ermittlungen gefordert

Mit Spannung wird nun erwartet, wie die FIFA-Ethikkommission nach dem Treffen ihres Führungsduos agieren wird. Eckert hatte schon in seiner Stellungnahme klargemacht, dass er weitere Ermittlungen gegen "Einzelpersonen" auf Grundlage der Garcia-Untersuchungen für angemessen hält. Alle WM-Kandidaten inklusive der Sieger der skandalösen Abstimmung vor vier Jahren hatte er aber nicht belangt, obwohl Unregelmäßigkeiten bei praktisch allen Bewerbern dokumentiert wurden. Garcia sprach unmittelbar nach der Veröffentlichung von einer "erheblich unvollständigen und fehlerhaften" Darstellung durch Eckert.

Besonders kritisch wurde in den Medien die Belobigung von FIFA-Chef Joseph Blatter durch Eckert kommentiert. Auch die Darstellung, die offensichtlich korrupten Aktivitäten des Katarers Mohamed bin Hammam hätten nichts mit der WM-Kandidatur des Emirats zu tun, stießen weltweit auf Unverständnis. Zudem hatten sich zwei frühere Mitarbeiterinnen der Bewerbungskomitees aus Katar und Australien zu Wort gemeldet, die sich als Kronzeuginnen Garcias durch den Eckert-Bericht diskreditiert fühlen.

FBI ermittelt verstärkt

In den USA ermittelt das FBI verstärkt in der FIFA-Causa. Auch in England werden mögliche Untersuchungen durch Parlamentarier vorangetrieben. Der frühere Chef des englischen Fußball-Verbandes David Bernstein hatte zum WM-Boykott durch die europäischen Teams aufgerufen, sollte sich die FIFA nicht reformieren. Der deutsche Ligaverbandspräsident und DFB-Vizechef Reinhard Rauball hatte sogar einen Austritt der UEFA aus der FIFA zu einer Option erklärt. Blatter, der im Mai 2015 für eine fünfte Amtszeit als FIFA-Chef kandidiert und bisher ohne ernsthaften Gegenkandidaten ist, hat sich noch nicht explizit zu den Vorfällen geäußert.

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