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WM-Vergaben: FIFA-Ermittler
will gegen Bericht berufen

Ex-FBI-Chef Garcia kritisiert "fehlerhafte Darstellungen" im Abschlussbericht

FIFA-Ermittler Garcia und Eckert. © Bild: APA/EPA/Walter Bieri

Der Streit um Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hat für einen Eklat im Weltfußballverband gesorgt. Während sich der russische Sportminister Witali Mutko zufrieden und die Veranstalter in Katar zurückhaltend äußerten, will der vom Weltverband beauftragte Sonderermittler Michael Garcia (Bild li.) gegen den Abschlussbericht der FIFA-Ethikhüter vorgehen und kündigte einen Einspruch vor der FIFA-Berufungskommission an.

In einem Statement bemängelte der frühere FBI-Direktor am Donnerstag "zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen im Vergleich zum Bericht der Untersuchungskammer".

Auch der frühere englische Teamspieler Gary Lineker übte heftige Kritik an der FIFA. "Wenn ich für den Fußball einen Wunsch frei hätte, wäre es, dass die FIFA aufgelöst und von einem transparenten Dachverband ersetzt würde, der den Sport an die erste Stelle rückt." sagte Lineker auf Twitter zu den Ergebnissen des Berichts der Ethikkommission.

Zurückhaltung in Katar

Die Organisatoren der Fußball-WM 2022 in Katar haben sich zurückhaltend zur Vorlage des Berichts über die Vergabe des Turniers geäußert. "Wir haben die Stellungnahme des Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer erhalten und wollen diese erst gewissenhaft prüfen, ehe wir sie kommentieren", hieß es am Donnerstag in einer ersten Reaktion aus Doha.

"Wie schon in der Vergangenheit betont, haben wir voll mit der Ethikkommission kooperiert und glauben weiterhin daran, dass eine faire Bewertung die Rechtschaffenheit und Qualität unserer Bewerbung demonstrieren wird", teilten die Veranstalter weiters mit.

Englands FA verärgert

Englands Fußballverband (FA) hat indes verärgert auf den Bericht reagiert. "Wir akzeptieren keinerlei Kritik an der Integrität von Englands Bewerbung oder an den daran beteiligten Personen", betonte die FA in einer Stellungnahme am Donnerstag.

Die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethikkommission hatte den Engländern in ihrer am Donnerstag vorgelegten Stellungnahme zur WM-Vergabe für 2018 und 2022 zweifelhafte Praktiken vorgeworfen. Die FA habe versucht, die Gunst des ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner aus Trinidad und Tobago mit unmoralischen Angeboten zu erwerben.

"Wir haben eine transparente Bewerbung vorgelegt und, wie der Bericht zeigt, bereitwillig mit den Ermittlern kooperiert", beteuerte der englische Verband. Zudem stelle man fest, dass die angeblichen Verfehlungen auch nach Meinung der Ethikhüter keinen schädlichen Einfluss auf das WM-Bewerbungsverfahren in seiner Gesamtheit gehabt hätten.

In ihrem am Donnerstag vorgelegten Abschlussbericht hatte die Ethikkommission des Weltverbandes zwar kleinere Unregelmäßigkeiten fast aller WM-Bewerber für 2018 und 2022 kritisiert, die Vergaben insgesamt jedoch als korrekt eingestuft.

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