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Feuerprobe für Spaniens Monarchie

Infantin Cristina wurde im "Jahrhundertprozess" freigesprochen

Spanien - Feuerprobe für Spaniens Monarchie © Bild: REUTERS/Sergio Perez

Am Freitag eröffneten König Felipe VI. und Königin Letizia im Madrider Thyssen-Museum die Ausstellung "Meisterwerke aus dem Budapester Museum". Das spanische Königspaar wirkte angespannt und hatte auch guten Grund dafür. Denn zeitgleich verkündete der Oberste Gerichtshof in Palma de Mallorca das Urteil im Korruptionsprozess um Infantin Cristina und deren Ehemann Inaki Urdangarin.

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Mit der 51-jährigen Schwester von König Felipe stand zum ersten Mal in der Geschichte Spaniens eine direkte Angehörige des Königshauses vor Gericht. Die Richterinnen sprachen Infantin Cristina zwar von der Anschuldigung der Beihilfe zum Steuerbetrug frei. Ihr Ehemann erhielt wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder, Steuerbetrugs, Geldwäsche und Urkundenfälschung hingegen eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten.

© imago/Agencia EFE Infantin Cristina und Inaki Urdangarin

Der Oberste Gerichtshof in Palma de Mallorca sah es allerdings als erwiesen an, dass der ehemalige Handballprofi und Schwager von König Felipe zusammen mit seinem früheren Geschäftspartner Diego Torres über eine angeblich gemeinnützige Stiftung namens "Noos" rund sechs Millionen Euro Steuergelder veruntreut habe. Als Schwiegersohn des damaligen Königs Juan Carlos soll Urdangarin zwischen 2003 und 2009 lukrative Berateraufträge ergattert und dabei große Mengen Geld teils auf ausländische Privatkonten abgezweigt haben, ohne sie zu versteuern.

Königshaus im Fadenkreuz der Kritik

Auch wenn Infantin Cristina freigesprochen wurde und das Strafmaß für Urdangarin deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft von 19 Jahren und sechs Monaten Haft blieb, steht das spanische Königshaus erneut im Fadenkreuz der Kritik. Es stimmt zwar, dass Cristina durch Felipes Thronbesteigung im Juni 2014 nicht mehr zur direkten Königsfamilie gehört. Doch der Prozess fügte der spanischen Monarchie und ihrem Ansehen ganz klar Schaden zu. Bereits vor einem Jahr kamen über 600 Journalisten aus der ganzen Welt nach Mallorca, um live über den Auftakt des sogenannten "Jahrhundertprozesses" zu berichten.

Die öffentlichen Forderungen für die Abschaffung der Demokratie wurden immer lauter. Dass vermögende Leute wie die Schwester des Königs Steuern hinterziehen und öffentliche Gelder veruntreuen, wurde von den Spaniern vor allem in den damaligen Krisenzeiten als eine Schande angesehen. Zumal das Ansehen der Krone damals mit der polemischen Elefanten-Luxussafari von Juan Carlos mit seiner angeblichen Geliebte, der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein, ohnehin schon ins Bodenlose gefallen war.

»Felipe und Letizia haben es geschafft, der Monarchie wieder ein positives Ansehen zu verschaffen.«

"Der Imageschaden, den das Urteil nun auf die spanische Monarchie haben könnte, hält sich heute aber in Grenzen", meint die spanische Königshausexpertin Pilar Eyre zur APA. Der Grund: "Felipe und Letizia haben es geschafft, der Monarchie wieder ein positives Ansehen zu verschaffen. Heute gilt die Krone wieder als eine der Institutionen mit den höchsten Beliebtheitswerten", so Eyre.

Felipe und Letizia, die ehemalige TV-Moderatorin und Enkelin eines Taxi-Fahrers, gaben der Monarchie tatsächlich ein modernes, frisches Gesicht. Im Kino stellen sie sich wie alle brav in der Schlange an und gehen auch schon mal in einen Döner-Laden zum Essen. Sie versuchen sparsam, volksnah und transparent zu sein. Schon wenige Wochen nach seiner Thronbesteigung im Juni 2014 kürzte Felipe sein Gehalt um 20 Prozent, machte die Einkommensverhältnisse der Krone erstmals öffentlich und brachte neuen Wind in den Zarzuela-Palast.

© imago/Agencia EFE Felipe und Letizia mit ihren Töchtern Leonor und Sofia

Auch politisch machte Felipe die Krone wieder beliebt, in dem er sich den Bürgern als wichtiger Brückenbauer und Vermittler zeigte - ob zwischen der Zentralregierung und den katalanischen Separatisten oder zwischen den Parteien, die sich im vergangenen Jahr über zehn Monate nicht auf eine neue Regierung einigen konnten.

Felipe distanzierte sich von seiner Schwester

Vor allem aber wollte er jegliche Zweifel ausräumen, die Krone sei eine korrupte Institution. "Deshalb erkannte Felipe Cristina ihren Herzogin-Titel ab und schloss sie von sämtlichen Auftritten des Königshauses aus, sogar von seiner Krönung, um die Monarchie vom Korruptionsskandal zu distanzieren", stellt auch die Hofberichterstatterin der spanischen Tageszeitung ABC Almudena Martinez klar. So erklärte das Königshaus mit Blick auf Cristinas und Urdangarins Prozess auch immer wieder ihren "Resekt vor den Entscheidungen der Justiz". Dennoch steht fest: Der Prozess gegen Infantin Cristina und Inaki Urdangarin ist eine erneute Feuerprobe für Spaniens Monarchie, die es zu überwinden gilt.

Cristina erwartete den Urteilsspruch mit ihrem Ehemann in Genf, wo sie seit einigen Jahren mit ihren vier Kindern "im Exil" leben.

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