Aufreger-Film von

Was bleibt nach dem Ekel-Schock?

Charlotte Roches "Feuchtgebiete" startet jetzt im Kino: Der große NEWS.AT-Check.

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    Bild 1 von 11 © Bild: Peter Hartwig / Majestic

    Feuchtgebiete

    Helen (Carla Juri), mit einer missglückten Intimrasur, auf dem Weg ins Krankenhaus.

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    Feuchtgebiete

    Helen (Carla Juri) hat Hämorrhoiden seit sie denken kann.

Charlotte Roche hat es wieder einmal geschafft – wenn sie auch nur indirekt beteiligt ist: Seit Wochen dominiert die Verfilmung ihres Romans „Feuchtgebiete“ die Schlagzeilen sämtlicher Film-Seiten und Feuilletons. Wohl auch deshalb, weil die Autorin selbst, obwohl sie mit dem Film, abgesehen von der Vorlage, die sie lieferte, nichts zu tun hat, kräftig die Werbetrommel rührt. Doch hat der Film dieses in die Bresche springen von Charlotte Roche überhaupt notwendig?

„Hygiene wird bei mir klein geschrieben“ sagt Helen Memel in einer anfänglichen Sequenz von „Feuchtgebiete“ und spricht damit in einem Satz an, was den Film seit Wochen, wie auch einst den Vorlage-Roman von Charlotte Roche, zum Thema sämtlicher Berichterstattungen macht. Die 18-Jährige ekelt sich vor nichts, wischt mit ihrem gesamten Gesäß über eine verdreckte Öffi-Toilette oder tauscht mit ihrer besten Freundin blutverschmierte Tampons aus.

Das tat sie bereits auch im Buch, das 2008 erschien. Doch nun ist es nicht der Fantasie des Lesers überlassen, sich diese Szenen vorzustellen, sondern es wird dem Kinobesucher explizit auf der Leinwand gezeigt, wie Helen Memel dabei aussieht, wenn sie ihre ausgeschiedenen Körpersäfte hinters Ohr oder in den Mund streicht.

Für den „Normalo" sind solche Taten abstoßend und widerwärtig, Helen Memel allerdings findet diese Dinge toll und natürlich. Und genau diese Diskrepanz reizt: Wie die zahlreichen Leser einst, wohl auch ab Freitag das Kinopublikum in Massen.

Abseits der Unhygiene

Doch was hat „Feuchtgebiete“ abseits der Ekel-Szenen, die zum Hand-vor-die-Augen-halten animieren, wie es sonst besonders gruselige Horror-Sequenzen tun, zu bieten? Die Antwort auf diese Frage ist das große Manko des Filmes: Nämlich nicht besonders viel. Hat sich das sonst Hygiene-verwöhnte Auge an die „unhygienischen“ Happen, die es hier vorgesetzt bekommt, gewöhnt, ist „Feuchtgebiete“ eine Teenie-Geschichte, wie sie tagtäglich erlebt wird: Ein Mädchen wünscht sich nichts sehnlicher, als seine getrennten Eltern wieder vereint. Um dies zu erreichen, provoziert sie. Helen eben als Körperhygiene-Rebellin. Und findet nebenbei vielleicht nicht die große, aber zumindest die erste Liebe.

Unschuldig-naive Juri

In diesem Sinne ist es eine liebe Geschichte, die Regisseur David Wnedt hier für die große Leinwand aufbereitet hat, die in ihrer Machart sehr an die pubertären Komödienerfolge wie „Mädchen Mädchen“ oder „Harte Jungs“ aus den Anfängen der Nullerjahre erinnern lässt. Dazu trägt vor allem auch das naive und trotz aller Schock-Szenen natürlich-unschuldige Spiel Carla Juris als pubertierende Helen Memel bei.

Aufgrund dieser Natürlichkeit Juris trotz aller ungeschminkten Nacktheit mag zwar manch Teenager-Mädchen mit dem von Charlotte Roche im NEWS.AT-Interview beschriebenen „wahnsinnig tollen Gefühl“ aus dem Kino zurück in eine von Schönheits- und Hygiene-Wahn besessene Realität entlassen werden. Für post-pubertierende Besucher wird „Feuchtgebiete“ jedoch nicht allzu viel mehr sein als ein Teenie-Film, der etwas zu sehr auf Provokation setzt. Eine Provokation, deren Kraft durch ihre explizite Darstellung verpufft statt zu untermauern. Das beste Grauen findet eben immer noch im Kopf statt.

Kommentare

Liebes Newsteam!!! Habt ihr einen an der Waffel sollche Bilder öffentlich zu Zeigen? Ich glaube nicht das diese für Kinder zulässig sind!!!

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