Festspiele von

Jedermann, so gut wie neu

Festspiele - Jedermann, so gut wie neu © Bild: APA/Gindl

Die drei Jahre alte Notinszenierung gewinnt Schärfe und Kontur: Um Tobias Moretti ordnet sich ein exzellent neu besetzter "Jedermann" mit Gregor Bloéb, der das gut getarnte Böse verkörpert, und der Wunderschauspielerin Valery Tscheplanowa als Buhlschaft

Was waren das jedes Mal für Zeitenwende-,wenn nicht gar Weltuntergangsrufe, sobald sich ein Intendant der Salzburger Festspiele anschickte, einen neuen "Jedermann" herauszubringen! Ästhetisch-theologische Grundsatzdebatten entbrannten, Weltliteraten (unter ihnen Peter Handke) wurden zur Neufassung ermuntert und lehnten schaudernd ab. Als Festspielleiter Jürgen Flimm anno 2002, nach 82 Jahren Max Reinhardt (samt Derivaten), den Regisseur Christian Stückl beauftragte, fing das Unternehmen dank Peter Simonischek nur verhaltenen Unmut ab. Das Murren wurde lauter, als Sven-Eric Bechtolf 2013 einer englisch-amerikanischen Lösung den Vorzug gab. Unter den Händen des Duos Brian Mertes/Julian Crouch entwich der reiche Prasser aus Stückls bodenverhaftetem Oberammergau in einen etwas aufdringlich bebilderten Musical-Himmel.

Der stürzte 2017 ein: Die neue Intendanz sah nachvollziehbaren Besetzungsbedarf, doch Tobias Moretti, der neue Jedermann, wollte sich nicht in die kleine Figur seines Vorgängers Cornelius Obonya bemühen. Er verlangte die Weiterentwicklung der Gestalt und des Regiekonzepts. Crouch und Mertes lehnten ab und gingen. Und so standen die Festspiele unter neuer Intendanz ohne "Jedermann" da, vergleichbar etwa dem Problem, vor dem sich Brigitte Bierlein gesehen hätte, wenn ihr zum Amtsantritt der Stephansdom abgebrannt wäre. Man reagierte schnell und beherzt: Der Routinier Michael Sturminger setzte für ein Jahr seine Verpflichtungen als Intendant der Sommerspiele von Perchtoldsdorf aus und wuchtete binnen 13 Wochen einen neuen, der Pragmatik verpflichteten "Jedermann" auf den Domplatz. Dass er ein paar dramaturgische Veränderungen am Text vornahm, ließ das Fundament der betagten Theaterdevotionalie ächzen. Am Ende aber hielt es stand: Dem schlechten Stück, das dank stürmischen Zulaufs Jahr für Jahr mehrere gute Stücke finanziert, kann im Grunde nichts schaden. Hängt sein Gelingen doch in erster Linie von der Besetzung des Titelhelden und in zweiter Linie von der Farbe des Kleids der Buhlschaft ab. Also wurde der Quantensprung von Obonya zu Moretti dankbar als solcher wahrgenommen. Und über Stefanie Reinspergers Kleid samt Trägerin ergoss sich degoutanter Hohn, der dem Unternehmen zusätzliche Aufmerksamkeit sicherte.

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