Feste Größe in Südamerikas Fußball:
Paraguay trotz Armut reich an Talenten

Verlässlicher Exporteur von Welt-Klassespielern

Paraguay hat sich zum dritten Mal in Folge für eine Weltmeisterschaft qualifiziert - und damit selbst Kenner des südamerikanischen Fußballs überrascht. Im rund fünf Millionen Einwohner zählenden Staat gibt es gerade einmal elf Profi-Klubs, ihre ohnehin spärlichen Einnahmen versickern nur zu einem geringen Teil auf den Konten von Nachwuchs-Mannschaften, was wiederum zu einer durchschnittlichen Besucherzahl von unter 1.000 Zuschauern pro Spiel in der höchsten Liga beigetragen hat.

Dennoch schafft es das Binnenland mit schöner Regelmäßigkeit, Spieler von internationalem Format nach Europa zu exportieren. Jüngste Beispiele sind die Stürmer Roque Santa Cruz (Bayern München) und Nelson Valdez (von Bremen zu Dortmund gewechselt), die am Samstag in Frankfurt die Engländer in Bedrängnis bringen sollen. Erst im vergangenen Winter nahmen die Bayern den 22-jährigen Julio dos Santos unter Vertrag und trauen ihm sogar zu, mittelfristig die Lücke des zu Chelsea abgewanderten Spielmachers Michael Ballack zu schließen.

"Es ist einfach paradox", wundert sich der frühere Teamgoalie Roberto Fernandez, der bei der WM 1986 im Einsatz war, "die Vereine legen nicht viel Wert auf die Nachwuchsarbeit, trotzdem kommen immer wieder neue Spieler nach."

Der Argentinier Ernesto Mastrangelo, der aktuelle Trainer von Paraguays U20-Auswahl, war nach seiner Ankunft in Asuncion sogar "geschockt", wie er selbst zugibt. "Bei meinem früheren Verein Boca Juniors Buenos Aires haben wir jedes Jahr 25.000 Buben zu Probetrainings eingeladen und 30 ausgewählt. Die spielen dann Turniere in der Schweiz, Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Mexiko oder irgendwo sonst. Außerdem bekommen sie eine Ausbildung und medizinische Versorgung. Aber hier in Paraguay ist es wie in einer anderen Welt."

"Jeder hier spielt Fußball"
Trotz aller Probleme in einem der ärmsten Länder Südamerikas schaffte Paraguay zuletzt zweimal in Folge den Einzug ins WM-Achtelfinale, während etwa das große Argentinien 2002 schon in der Vorrunde auf der Strecke blieb. "Wahrscheinlich liegen unsere Erfolge darin begründet, dass wir einfach ein Fußball-Land sind. Jeder hier spielt Fußball, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wo man hinschaut, gibt es Fußball-Plätze, auf denen Buben spielen", erklärt Fernandez.

Jose Parodi, Mitglied des paraguayanischen WM-Teams 1958, hat noch eine andere Erklärung für die fußballerische Stärke seines Landes parat. "Wir sind die Kleinsten und die Ärmsten, aber wir sind sehr stolz. Wir glauben immer an unseren Sieg und denken nie daran, dass wir verlieren könnten."

(apa)