Ferrari macht das Saisonfinale prickelnd:
Fahrerwertung dank Doppelsieg total offen

McLaren: Hamilton und Alonso auf dem "Kriegspfad"? Spa-Sieger Raikkönen Zeuge in der Spionage-Affäre

Ferrari hat das Saisonfinale in der Formel 1 auch sportlich wieder ein wenig spannender gemacht. Der Finne Kimi Räikkönen liegt nach seinem vierten Saisonsieg in Spa-Francorchamps vor den drei abschließenden Rennen nur noch 13 Punkte hinter WM-Leader Lewis Hamilton. "Die Weltmeisterschaft ist sehr offen. Auch Ferrari hat noch Chancen", meinte Titelverteidiger Fernando Alonso, dem nach Platz drei in Spa nur noch zwei Punkte auf seinen McLaren-Teamkollegen fehlen.

Entscheidend dürfte erneut die Charakteristik der Strecken sein. Hatte McLaren noch in der Vorwoche in Monza dominiert, so war Ferrari davor in der Türkei und nun auch in Belgien deutlich überlegen. Die neue Strecke in Fuji (Japan) dürfte eher McLaren entgegenkommen, die Kurse in China und Brasilien eher Ferrari. Dennoch meinte der dreifache Weltmeister Niki Lauda: "Ferrari kann die Fahrer-WM nicht mehr gewinnen." Der Rückstand sei zu groß. "Denn heutzutage fällt einfach niemand mehr aus."

Alonso und Hamilton auf Kriegspfad?
Doch in Spa wäre es beinahe zu einer kontroversen Fortsetzung der McLaren-Stallrivalität gekommen. Alonso hatte Hamilton in der ersten Kurve von der Strecke gedrängt. "Das kann man sicher auch anders machen", kommentierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Hamilton unterstellte dem Doppelweltmeister Absicht. "Er hat gewusst, dass ich da bin", versicherte der 22-jährige Engländer. "Hamilton auf dem Kriegspfad", titelte die Zeitung "The Independent".

Großer Gewinner einer Kollision der beiden WM-Rivalen in den ausständigen drei Übersee-Rennen wäre Ferrari. "Wenn du einmal nicht ins Ziel kommst, dann sagst du zum Titel 'bye, bye'", weiß auch Alonso. Der Spanier befürchtet allerdings nicht, dass ihn sein Team aufgrund einer "Zukunft unsicherer denn je" ("El Pais") benachteiligen werde. Dass er die kommenden Testfahrten nicht bestreitet, sei ebenfalls bereits im Vorfeld des Spionage-Urteils, zu dem Alonso als Zeuge beigetragen hatte, festgestanden.

Lauda: "Alonso besser als Hamilton"
Lauda hält Alonso für McLaren nach wie vor für tragbar. "Man denke nur, der wird Weltmeister. Dann kann man ihn doch nicht freiwillig gehen lassen", betonte der Österreicher. "Alonso fährt derzeit wesentlich besser als Hamilton. Er ist knallhart. Wenn sich Hamilton nicht erholt, dann ist Alonso auf WM-Kurs." Der 26-jährige Asturier wäre dann dreifacher Weltmeister. Dennoch steht nach wie vor eine Rückkehr zu seinem Ex-Team Renault im Raum.

Raikkönen Zeuge bei Spionage-Fall
Für Aufregung abseits der Strecke hatte in Spa die drakonische Strafe von 100 Mio. US-Dollar und der Ausschluss von McLaren aus der Konstrukteurs-WM gesorgt. Damit steht Ferrari nach dem Doppelsieg durch Räikkönen und Felipe Massa bereits als Team-Weltmeister fest. Neben Alonso, der vom Weltverband FIA dazu gedrängt worden war, hatte auch der ehemalige McLaren-Pilot Räikkönen im Spionage-Fall Beweise gegen sein Ex-Team vorgelegt. Der Finne war von 2002 bis 2006 für den britisch-deutschen Rennstall gefahren.

"Er hat eine Zeugenaussage gemacht", bestätigte Ferrari-Teamchef Jean Todt. "Es ist um den Boxenfunk gegangen." Den hatte McLaren offenbar regelmäßig von der Konkurrenz abgehört, was in der Formel 1 aber trotz Verschlüsselungen nicht als außergewöhnlich gilt. "Auch wir hören den Funk gewisser Autos mit. Das muss ich zugeben", gestand Todt die gängige Praxis. (apa/red)