Fakten von

Die üblichen Verdächtigen

Was Fernseh-Diskussion über das wahre Leben verraten

Julia Ortner © Bild: News

Honorige Herren, die sich gegenseitig die Welt erklären, das funktioniert immer. Dazwischen sitzen ein bis zwei Frauen, da motzt das sensiblere Publikum vorm TV-Gerät gleich: "Frechheit, was ist das für eine Quote?" Manchmal gibt es eine Person, die alle vor den Kopf stoßen soll, das Krokodil. Und im Idealfall erhellt auch noch ein Weiser die Dunkelheit des Fernsehstudios mit Wissen. Aber nicht zu lange, jede Weisheit hat ja ihre Konsumationszeit. Das Prinzip der zeitgenössischen TV-Talkshow.

Und zwar nicht nur bei den heimischen Gesprächsformaten, wo manche ja so gerne über das Niveau des Plauderpersonals herumlamentieren. Auch in Deutschland, dem weitaus größeren Fernsehmarkt, sind die Rollen der Gäste wie am Theater klar verteilt und das Personal überschaubar. In nur einer Talkshow-Woche ziehen diverse der üblichen Verdächtigen an uns vorüber: Bei Frau Maischberger residiert der Oberweise des deutschen Fernsehraums, SPD-Altkanzler Helmut Schmidt, Thema: Helmut Schmidt. Bei Herrn Plasberg doziert der CDU-Weise Norbert Blüm, diesmal Kriminalität. Frau Will hat den Alt-Grünen und Anwalt Hans-Christian Ströbele (hat RAF-Angehörige vertreten, Aufregerpotenzial!) zu Spionage, bei Herrn Jauch analysiert die forsche Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen den Fall Gröning, das Nazi-Thema zieht immer. Immerhin: Bei Frau Thurnher hört man diesmal echte Menschen, die ihre Fluchtgeschichte erzählen, den Saatgutforscher Firas Al Aysh und den Schüler Adnan Ibrahim. Seltene Momente.

Doch vielleicht erfüllen die üblichen Verdächtigen auch eine Funktion. Sie zeigen ein ziemlich ehrliches Bild der Gesellschaft: Im Studio sitzen meist jene, die wichtig sind. Oder jene, die sich wichtig nehmen. Die Angsthasen bleiben daheim.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: ortner.julia@news.at

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