Ferk-Rücktritt nach historischem Tiefstand: Porträt des glücklosen Vize-Bürgermeisters

51-Jähriger zog noch am Wahlabend Konsequenzen Geborener Grazer wurde im Umfeld der Partei groß

Ferk-Rücktritt nach historischem Tiefstand: Porträt des glücklosen Vize-Bürgermeisters © Bild: Reuters/Neubauer

Der SPÖ-Spitzenkandidat zur Grazer Gemeinderatswahl, Vizebürgermeister Walter Ferk (51), hatte keinen leichten Tag: Er musste einen historischen Tiefstand seiner Partei hinnehmen und zog noch am Wahlabend die Konsequenzen. Besonders bitter: Mit 19,84 Prozent im vorläufigen Wahlergebnis (2003: 25,89 Prozent) lag das Team um Ferk sogar unter dem Höchststand der KPÖ im Jahr 2003 (20,8 Prozent). Die Konsequenz: Der Spitzenkandidat zog sich aus allen Ämtern und aus der Politik zurück.

"Jetzt können wir heimgehen und rearn", seufzte eine Wahlhelferin der steirischen SPÖ nach der Grazer Gemeinderatswahl. Vor den ersten Hochrechnungen wurden bei dezenter Live-Musik in ausgelassener Stimmung in der Parteizentrale in Eggenberg noch Würstel gegessen. Dann schlug die Stimmung aber abrupt um: "A Wahnsinn", kommentierte ein älterer Herr die Verluste der SPÖ. Spitzenkandidat Ferk ließ sich nicht mehr blicken. Schon früher war von einem schweren Krankheitsfall in der Familie die Rede, womit sein Zurückziehen begründet wurde.

Ferk hatte sich redlich bemüht, konnte aber im ganzen Wahlkampf nicht entscheidend hervortreten und überzeugend die Anwartschaft als Chef im Rathaus anmelden. Im persönlichen Umgang nett und freundlich, galt der von der Gewerkschaft in die Spitzenposition gebrachte Ferk nicht als "Macher". In der Polarisierung der letzten Wahlkampfwochen zwischen "Islam-Sagern" der FPÖ-Spitzenkandidatin und einer plötzlich aufgetauchten Feinstaub-Studie - die Graz kein sehr gutes Zeugnis auswies - dürfte der 51-jährige Umweltstadtrat dann unter die Räder gekommen sein.

Der am 16. November 1956 in Graz geborene Ferk war im Umfeld der Partei groß geworden: Im Alter von 16 Jahren arbeitete er bei den Kinderfreunden mit und engagierte sich in der Sozialistischen Jugend sowie der Jungen Generation. 1986 fasste Ferk auf Bezirksebene Fuß: Er wurde SPÖ-Chef im Grazer Arbeiterbezirk Lend, zwei Jahre später erfolgte der Sprung in den Gemeinderat, dem er bis März 1998 angehörte, bevor er in den Stadtsenat wechselte. Seit 2003 - schon bei dieser Wahl musste die einst stolze Bürgermeisterpartei SPÖ kräftig Federn lassen - war er für die Bereiche Feuerwehr und Katastrophenschutz, Bürgeramt, Geriatrische Zentren und Umwelt zuständig.

Im April 2001 hatte Ferk eine Urabstimmung gegen die als prononciert links geltende Jugendstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl um die Spitzenkandidatur für die Gemeinderatswahl gewonnen und übernahm auch den Parteivorsitz übernommen. Der 2002 neu gewählte SPÖ-Chef auf Landesebene, LH Franz Voves, versuchte Ferk zwar auszuhebeln, scheiterte aber am Statut der Stadtpartei, die sich von der Landesgruppe nichts dreinreden ließ. Obwohl es seither nach außen kaum Personaldiskussion gegeben hat, kostete diese Entscheidung der Partei viel Kraft - und letzten Endes die Position als Großpartei. Wer Ferk nachfolgen soll, war am Wahlabend noch nicht klar.

(apa)