USA von

Ferguson: Nationalgarde greift ein

Vor dem Inkrafttreten einer neuen Ausgangssperre kam es zu Straßenschlachten

Ausschreitungen in Ferguson. © Bild: REUTERS/Lucas Jackson

Nach tagelangen Auseinandersetzungen um den Tod eines schwarzen Teenagers in Missouri wird in Ferguson nun die Nationalgarde eingesetzt. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Missouri, Jay Nixon, unterzeichnete am Montagfrüh eine entsprechende Anordnung. Zuvor war es vor Inkrafttreten einer nächtlichen Ausgangssperre erneut zu Unruhen in der Kleinstadt gekommen.

Bei den Ausschreitungen seien Brandsätze geworfen und Schusswaffen gegen die Polizei eingesetzt worden, erklärte der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, am frühen Montagmorgen. Mit Atemmasken und Schutzkleidung ausgerüstete Polizisten waren mit Tränengas und Rauchbomben gegen Demonstranten in dem Vorort von St. Louis vorgegangen.

Die Proteste waren ausgebrochen, nachdem vor einer Woche ein weißer Polizist in Ferguson einen unbewaffneten 18-jährigen Schwarzen erschoss, obwohl dieser unbewaffnet war. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen.

Ausschreitungs-Tourismus

Der demokratische Politiker Nixon erklärte, die friedlichen Proteste gegen den Vorfall würden zunehmend von Gewalt begleitet. Nach seiner Darstellung reisen Täter teils extra an, um sich an gezielten Angriffen zu beteiligen. So komme es auch zu Plünderungen.

Über die Ausschreitungen am Sonntagabend gab es unterschiedliche Darstellungen. So sagte ein Augenzeuge, dass die Polizei die Rauchbomben ohne Grund eingesetzt habe. Andere berichteten, bei den angeblichen Brandsätzen habe es sich um Tränengasgranaten gehandelt, die zu den Beamten zurückgeworfen worden seien.

Ausschreitungen in Ferguson.
© REUTERS/Lucas Jackson Die Polizei reagierte mit Tränengas.

Die Behörden erließen erneut eine nächtliche Ausgangssperre, die ab Mitternacht (Ortszeit) galt. Das Tränengas wurde Stunden zuvor eingesetzt. Hunderte Demonstranten, darunter Familien mit kleinen Kindern, brachten sich daraufhin in Sicherheit.

Mehrere Schüsse

Die Polizei von Missouri erklärte, "Aggressoren" hätten versucht, in eine Leitstelle der Behörden einzudringen. Einige wenige Personen setzten auf Gewalt und Zerstörung. Deswegen habe man stärker darauf reagieren müssen. Nach diesen Darstellungen wurde auf Polizisten geschossen. Eine andere Person wurde getroffen. Es gab mehrere Festnahmen. Polizisten wurden nicht verletzt. Wegen der Ausschreitungen blieben die Schulen in Ferguson am Montag geschlossen.

Seit dem Tod des Jugendlichen ist es in Ferguson fast täglich zu Protesten gekommen. Angeheizt wurde die Lage durch das massive Auftreten der örtlichen Polizei mit Beamten in Schutzanzügen und gepanzerten Fahrzeugen. Als Ende vergangener Woche die örtliche Polizei abgezogen und durch die Polizei des Bundesstaates ersetzt wurde, beruhigte sich die Lage am Freitag für kurze Zeit. Nach weiteren Unruhen verhängte der Gouverneur dann eine Ausgangssperre zwischen Mitternacht und 5 Uhr.

Ausschreitungen in Ferguson.
© REUTERS/Lucas Jackson Ferguson kommt nicht zur Ruhe.

Für weitere Unruhe sorgte, dass ein am Freitag veröffentlichter Polizeibericht Brown eines Überfalls auf ein Geschäft verdächtigt, bevor es zu den tödlichen Schüssen kam. Allerdings wurde später klargestellt, dass der Polizist, der auf den 18-Jährigen schoss, nichts von dem Verdacht wusste. Zudem weigerte sich die Polizei tagelang, den Namen des Beamten bekannt zugeben, der die tödlichen Schüsse abgab.

Der Tathergang ist zwischen den Behörden und Augenzeugen umstritten. Nach einem Bericht der "New York Times" wurde Brown mindestens sechsmal von den Geschossen getroffen. Dies habe eine Obduktion eines New Yorker Gerichtsmediziners ergeben, die die Familie in Auftrag gab. US-Justizminister Eric Holder ordnete am Sonntag eine weitere Autopsie an.

Auch in LA Schwarzer erschossen

Zwei Tage nach Browns Tod wurde in Los Angeles ein weiterer Schwarzer von der Polizei erschossen. Nach Darstellung seiner Familie leistete der 25-Jährige, der an einer psychischen Erkrankung gelitten haben soll, gegen die Beamten keinen Widerstand. Die Polizei erklärte dagegen, er habe versucht, eine Dienstwaffe zu entreißen. Gegen den Vorfall protestierten am Sonntag vor dem Sitz der Polizei in Los Angeles etwa 500 Menschen friedlich.

Die Vorfälle in Ferguson und Los Angeles haben in den USA eine Debatte über mutmaßliche Benachteiligungen von Minderheiten durch die Polizei ausgelöst. Kritiker bemängeln zudem, dass die Einsatzkräfte in vielen Städten immer stärker aufgerüstet werden und mit gepanzerten Fahrzeugen oder Tarnuniformen zu martialisch auftreten.

Erinnerungen an Fall Trayvon Martin

Die Affäre Brown hat die landesweite Kontroverse um Rassismus und laxe Waffengesetze in den USA aufs Neue angefacht. Das Schicksal des Teenagers weckt Erinnerungen an den 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin, der im Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida erschossen worden war. Der Schütze George Zimmerman gab damals an, in Notwehr gehandelt zu haben, nachdem der unbewaffnete Teenager ihn geschlagen habe. Der Prozess gegen Zimmerman endete mit einem Freispruch.

Kommentare

melden

Vieleicht sollte man UN Friedenstruppen schicken?
Was zwischen griechschen und türkischen Zyprioten funktioniert hat,
könnte vielleicht auch dort funkionieren.

günza melden

Da würden allen die Augen übergehen HAHA.

Die sogenannte Weltpolizei USA kann nicht mal im eigenen Land für Ruhe sorgen. Wie lange sehen die anderen Länder noch zu? Da müsste doch sofort ein Aufschrei passieren??? Warum ist es normal wenn es die USA betrifft und wenn so etwas in einem anderen Land passiert gleich etwas anderes.

Seite 1 von 1