US-Polizeigewalt von

Ferguson: Todesschütze Darren
Wilson würde wieder so handeln

Hat "reines Gewissen" - Proteste nach ausgebliebener Anklage des Polizisten

  • Krawalle in Ferguson.
    Bild 1 von 15 © Bild: Reuters

    Krawalle in Ferguson.

  • Krawalle in Ferguson.
    Bild 2 von 15 © Bild: REUTERS/Jim Young

    Krawalle in Ferguson.

Der weiße US-Polizist Darren Wilson, der in Ferguson einen schwarzen Teenager erschossen hatte, würde wieder so handeln. Er habe ein "reines Gewissen", weil er wisse, dass er seinen Job "richtig gemacht" habe, sagte Wilson am Dienstag dem US-Sender ABC. Wilson hatte Anfang August in Ferguson den 18-jährigen Michael Brown erschossen und Notwehr geltend gemacht.

Danach gefragt, ob er auch so gehandelt hätte, wenn Brown weiß gewesen wäre, sagte der Polizist: "Ja, (...) keine Frage." Es war das erste Mal, dass sich Wilson öffentlich zu dem tödlichen Vorfall vom 9. August äußerte. Am Montag hatte eine Grand Jury ihre Entscheidung veröffentlicht, wonach sich Wilson wegen der tödlichen Schüsse nicht vor Gericht verantworten muss. In Ferguson, das im Bundesstaat Missouri liegt, gab es daraufhin schwere nächtliche Krawalle.

"Er wollte mich töten"

Wilson sagte dem Sender, er habe um sein Leben gefürchtet und deshalb auf den 18-jährigen Brown geschossen. Er beschrieb den Teenager als "kräftigen" Typen. "Er wollte mich töten", sagte der Polizist. Er habe befürchtet, dass Brown ihm seine Dienstwaffe entreißen und sie auf ihn richten könnte. Dass ihn die Tat verfolge, glaube er nicht, sagte Wilson. Der Vorfall werde etwas bleiben, das ihm nun einmal passiert sei.

Die Ferguson-Ereignisse der letzten Monate in einem 2-Minuten-Clip zusammengefasst

US-weite Proteste

Indes ist es in mehreren US-Städten zu Protesten gekommen. In New York gingen in der Nacht auf Mittwoch Hunderte auf die Straße. "Schickt den rassistischen Polizisten ins Gefängnis", riefen die Menschen. Auch in Los Angeles gab es Proteste, nach Angaben lokaler TV-Sender wurden drei Menschen festgenommen.

Die Demonstrationen verliefen zunächst aber überwiegend friedlich. In der Kleinstadt Ferguson, wo der unbewaffnete schwarze Teenager vor drei Monaten von dem weißen Polizisten Darren Wilson niedergeschossen worden war, versammelten sich erneut zwischen 200 und 300 Menschen vor der Polizeistation. Als die Polizei die Menge aufforderte, die Straße zu räumen, kam es nach Angaben eines Reporters zu mindestens zwei Festnahmen. Auch in Atlanta, Boston, Denver und Dallas gab es Proteste, wie der TV-Sender CNN berichtete.

Schwere Unruhne in Ferguson

In Ferguson waren in der Nacht auf Dienstag schwere Unruhen ausgebrochen. Es gab Plünderungen, Häuser wurden in Brand gesetzt. Auslöser war die Entscheidung einer Geschworenenjury, dass Wilson nicht angeklagt wird.

Proteste in Ferguson
© Reuters/Lucy Nicholson

2.200 Soldaten marschieren auf

Um erneute Unruhen in Ferguson zu verhindern, wurde die Nationalgarde in der Kleinstadt massiv verstärkt worden. Es würden 2.200 Soldaten in der Kleinstadt und Umgebung stationiert, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Missouri, Jay Nixon. Am Vortag waren es lediglich 700. "Die Gewalt, die wir gesehen haben, darf sich nicht wiederholen".

Proteste in Ferguson
© Reuters/Lucas Jackson

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Ausschreitungen und Plünderungen - dafür gebe es keine Entschuldigung. Wer Autos in Brand steckt und Geschäfte plündert, müsse bestraft werden. "Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören", sagte Obama in Chicago. Er verwies aber auch auf Polizeigewalt und juristische Ungerechtigkeit gegenüber Minderheiten in den USA. "Dieses Problem ist nicht ein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem." Zur Entscheidung der Geschworenenjury äußerte er sich nicht.

Ermittlungen laufen weiter

Allerdings machte Justizminister Eric Holder klar, dass das juristische Nachspiel noch nicht beendet sei. Zwei laufende Ermittlungen auf Bundesebene gingen weiter. Bei den Verfahren geht es um den Tod des 18-jährigen Brown Anfang August sowie um die Reaktion der Polizei bei darauf folgenden Unruhen.

Proteste in Ferguson
© Reuters/Shannon Stapleton

Kommentare

strizzi1949
strizzi1949 melden

Vielleicht wäre ein Psychotest bei den amerikanischen Polizisten keine schlechte Idee? Suspekt ist mir auch, dass bei denen die Waffe so locker sitzt! Da gehörten schärfere Bestimmungen her! Man stelle sich das bei uns vor, dass ein Polizist immer gleich seine Waffe zieht!

higgs70
higgs70 melden

also suspekt ist mir das nicht, hat was mit Erwartungshaltungen, Paranoia und Kultur zu tun und deshalb geben sich die da drüben mit Warnschüssen, dem Kampfunfähigmachen und ähnlichen Kinkerlitzchen gar nicht ab.

Und es ist die Logik von Dumpfbacken die über Kinderleichen hinweg ihr Recht auf Bewaffnung verteidigen und eine Gesellschaft, die sogar schon den Kleinsten die Instrumente für den finalen Akt zur Verfügung stellt, befindet sich selbst auf einem Amoklauf, der dort halt Pioniergeist heißt.

manicmonday melden

Nun ich muss dazu sagen,in den USA sitzt die Waffe eines Sheriffs wirklich locker. Doch das kommt nicht von ungefähr.Die haben tagtäglich mit einer Menge Kriminellen jeden Bereiches zu tun. Die Gewaltbereitschaft ist in den V.Staaten um ein vielfaches höher als bei uns, das kann gar nicht verglichen werden. Die Polizei ist dort extrem vorsichtig, deshalb auch um einiges nervöser.

manicmonday melden

Ich machte einmal ein Nickerchen in meinem Auto, wurde durch lautes Klopfen mit Schlagstöcken gegen die Autoscheibe von zwei Polizisten aus dem Dösen gerissen - ständig mit der lauten, nervösen Aufforderung der Polizisten: show me your hands, show me your hands..!!!!
Ich glaube, mehr braucht man dazu nicht sagen...

Seite 1 von 1