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Ferguson: Wieder Krawalle

Kein Ende der Gewalt nach Tötung des schwarzen Teenagers.

Demonstrationen in Ferguson nach Tötung eines schwarzen Jugendlichen © Bild: Reuters/Lucas Jackson

In der US-Kleinstadt Ferguson im Staat Missouri ist es in der Nacht auf Dienstag vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Nachdem einige Protestierende mit Glas- und Plastikflaschen warfen und versuchten, eine Straße zu blockieren, setzte die Polizei nach Angaben des US-Senders CNN Tränengas ein. Augenzeugen berichteten auch von Schüssen.

Angeblich sollen Demonstranten auch wieder Molotowcocktails eingesetzt haben. Die Lage in der Stadt unweit der Metropole St. Louis war zuvor als ruhig, aber sehr angespannt beschrieben worden. Seit den tödlichen Schüssen eines weißen Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Teenager vor zehn Tagen ist es in Ferguson immer wieder zu Protesten und Unruhen gekommen.

Zwei Menschen durch Schüsse verletzt

Bei den neuerlichen Ausschreitungen in der US-Stadt Ferguson sind zwei Menschen durch Schüsse von Demonstranten verletzt worden. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, setzten ihre Beamten bei den nächtlichen Zusammenstößen selbst Tränengas, aber keine Schusswaffen ein. Demnach wurden bei den Unruhen in dem Vorort der Millionenstadt St. Louis 31 Menschen festgenommen.

Einige der etwa 200 Demonstranten stammten aus weit entfernten Regionen wie New York oder Kalifornien. Vier Polizisten seien durch Wurfgeschoße verletzt worden. Der Zustand der beiden durch Schüsse Verletzten war unklar.

Obama ruft zu Zurückhaltung auf

Nach den tagelangen Unruhen hatte US-Präsident Barack Obama die Demonstranten wie auch die Polizei zuvor zu Zurückhaltung aufgerufen. Er verstehe die Wut der Menschen, sagte Obama am Montag. Ihr jedoch "durch Plünderungen, dem Tragen von Schusswaffen oder gar Angriffe auf die Polizei" nachzugeben erhöhe nur die Spannungen und führe zu Chaos. Umgekehrt gebe es keine Entschuldigung für ein unnötig hartes Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten. Obama entsandte Justizminister Eric Holder, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die Beteiligten zu Zurückhaltung auf und drängte darauf, die Rechte von Demonstranten und Journalisten zu respektieren.

Demonstrationen in Ferguson nach Tötung eines schwarzen Jugendlichen
© Reuters/Lucas Jackson

Obamas direkter Einfluss auf den Fall ist begrenzt. Die amerikanische Polizei ist kommunal organisiert, die Landespolizei von Missouri - die den Namen "Highway Patrol" trägt - untersteht dem Gouverneur Jay Nixon. Dieser hat wegen der anhaltenden Unruhen inzwischen auch die Nationalgarde des Bundesstaates in Stellung gebracht. Diese Soldaten werden im Kriegsfall zwar vom Präsidenten befehligt, im Inland befolgen sie jedoch laut Verfassung den Anweisungen ihres jeweiligen Gouverneurs. An den Ermittlungen in Ferguson zu der Tötung des 18-jährigen Michael Brown sind nach Angaben von Holder mehr als 40 Beamte der Bundespolizei FBI beteiligt. Brown war unbewaffnet. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen. Einem Obduktionsbericht zufolge wurde der Bursch von sechs Kugeln getroffen, zwei davon trafen seinen Kopf.

Demonstranten wutentbrannt

Die Bevölkerung der 21.000-Seelen-Stadt ist überwiegend schwarz. Die Wut der Demonstranten entzündet sich auch daran, dass der mutmaßliche Todesschütze nicht festgenommen wurde, sondern vom Dienst suspendiert ist. Er hält sich an einem unbekannten Ort auf. Der Staatsanwaltschaft des Landkreises St. Louis zufolge könnten die Geschworenen einer Anklagejury in dieser Woche über die Eröffnung eines Verfahrens gegen ihn entscheiden.

Demonstrationen in Ferguson nach Tötung eines schwarzen Jugendlichen
© Reuters/Lucas Jackson

Angeheizt wurde die Lage von Beginn an durch das massive Auftreten der örtlichen Polizei mit Beamten in Schutzanzügen und gepanzerten Fahrzeugen. Als Ende vergangener Woche die örtliche Polizei abgezogen und durch die Polizei von Missouri ersetzt wurde, beruhigte sich die Situation am Freitag für kurze Zeit. Nach weiteren Unruhen verhängte der Gouverneur dann Ausgangssperren und rief schließlich die Nationalgarde zu Hilfe.

"Standard"-Korrespondent festgenommen

Bei ihrer Berichterstattung über die Proteste in der US-Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri sind zwei deutsche Journalisten von der Polizei vorübergehend festgenommen worden. Laut Medienberichten wurden Ansgar Graw und Frank Herrmann am Montag in Handschellen abgeführt und ins Gefängnis gebracht. Herrmann ist auch Korrespondent der österreichischen Tageszeitung "Der Standard".

Drei Stunden später wurden sie freigelassen. Graw schreibt für die Mediengruppe "Die Welt", Herrmann für eine Reihe von Regionalzeitungen und den "Standard". Hintergrund der Festnahme soll laut dem "Welt"-Bericht eine Aufforderung der Polizei gewesen sein, auf einer fast menschenleeren Straße nicht stehen zu bleiben. Beide Reporter versicherten, der Aufforderung gefolgt zu sein. Die Vorwürfe seien "völlig absurd", hätten Journalisten einschüchtern und von ihrer Arbeit abhalten sollen, sagte Hermann.

Auch "Bild"-Reporter festgenommen

Der "Bild"-Reporter Lukas Hermsmeier ist bei einem Einsatz während der Proteste in der US-Kleinstadt Ferguson von der Polizei festgenommen worden. Hermsmeier (26) befinde sich an einem unbekannten Ort und solle in das Gefängnis von St. Louis gebracht werden, teilte "Bild" am Dienstag mit.

Hermsmeier stehe bereits im Computer-System. "Wann genau er eintreffen wird, wissen wir aber nicht", sagte ein Gefängnismitarbeiter der Zeitung. Der Journalist solle möglicherweise gemeinsam mit einer größeren Gruppe von Festgenommenen ins Gefängnis gebracht werden.

US-Polizei mit paramilitärischen Zügen

Landesweit haben die Krawalle in Ferguson zudem eine Debatte angestoßen, ob die amerikanische Polizei inzwischen zu sehr paramilitärische Züge angenommen hat. Im Kongress wird ein Gesetz diskutiert, das die kostenlose Weitergabe von Kriegsgerät wie gepanzerte Fahrzeuge aus dem Irak oder aus Afghanistan an die Polizei stoppen würde. Eine Gruppe von Demokraten im Repräsentantenhaus erklärte angesichts der Vorgänge in Ferguson vor einigen Tagen, dass die "örtlichen Strafverfolgungsbehörden außer Kontrolle" seien. Der Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, der Demokrat Patrick Leahy, warnte am Freitag, man könne "die Risse in einer Gemeinde nicht mit den Werkzeugen des Krieges kitten". Der Kongress nimmt nach seiner Sommerpause die Arbeit wieder im September auf.

Kommentare

Obama allein wird es nicht schaffen Jahrhunderte Ignoranz gegenüber Armut und sozialer Unterversorgung abzuschaffen.
Einen Kampf gegen die herrschenden Reichen zu beginnen, heißt einen
Märtyrertod zu begehen.
Den armen Schwarzen und Weissen bleibt daher als möglicher sozialer Aufstieg weiterhin in einen Krieg der USA zu ziehen und für sie "undurchsichtige" Ziele zu sterben.
Solange sich Reiche nicht für ihre Mitmenschen interessieren werden Armut und Hoffnungslosigkeit existieren...

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Ein Teil der schwarzen Bevölkerung in den USA bringt es einfach nicht fertig ihre Opferrolle abzulegen und sich in die Gesellschaft einzubringen. Bildungsverweigerung, mangelnde Chancenverwertung, Kriminalität. Dazu der Druck von den einwandernden Hispanics und Asiaten, welche ihre Chancen ergreifen und die Schwarzen wirtschaftlich und gesellschaftlich locker abhängen.

Affenzirkus
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Naja wenn die Sprache schon zu 90% aus Schwarzem Humor besteht ist das kein Wunder. Ich wollte nur noch anmerken, der arische Mensch kommt aus dem Norden und Länder sind sowieso altmodische Einteilungen und das ist alles bullshit. Es geht um Sex und Geld=Zeit für mehr Sex und Drogen...Biologischer Körper/Gefängnis...aber das Schlimme ist...erst Ausgrenzen und dann sagen sie kommen nicht damit klar

freud0815 melden

@zombie
du warst noch nie in den staaten oder? wenn du im ghetto geboren wirst, sind die chance rauszukommensehr gering auch mit highschoolabschluss, da zu college das geld fehlt-die habens nicht so gut wie in europa, dort kämpfen die als kinder schon ums überleben und das nicht nur in den tiefsten ghettos der grossstädten. obama hat vielen mit seinen reformen zwar ein recht auf krankenhausbehandlung gegeben, aber die medikamente sind ums 10 fache teurer als in der EU-da kriegst absolut nix wenn du keine arbeit hast

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