Pop-Ikone von

Fendrich zeigt sich
noch "kompromissloser"

Pop-Ikone - Fendrich zeigt sich
noch "kompromissloser" © Bild: APA/Hochmuth

"Starkregen" heißt das neue Album von Rainhard Fendrich, das am 20. September erscheint. Neben humorvollen und berührenden Texten hat der 64-Jährige auch seine Gedanken zu Gesellschaft und Politik mit sehr direkten Worten verarbeitet. "Man wird mit zunehmendem Alter kompromissloser", sagte der Künstler im Gespräch. "Mich unmissverständlich auszudrücken ist heute auch notwendig".

"Tiefenentspannt" sei er, lachte Fendrich. Relaxt wirkt er längst auch als Musiker, der seine Alben nicht mehr an einem Markt zielorientiert. "Die neue Platte (erscheint auf seinem eigenen Label RJF Music, Anm.) habe ich mit Trial and Error gemacht und ein Jahr liegen gelassen", nickte Fendrich. "Das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich noch bei einer großen Plattenfirma unter Vertrag stehen würde. Als junger Künstler lässt man sich unter Druck setzen und merkt das gar nicht, weil man Erfolg haben will. Man freut sich über jede Chart-Platzierung, obwohl Kunst ja kein Wettbewerb ist. Es klingt vielleicht blöd, aber ich habe meine Kunst wieder zum Hobby gemacht."

Die Verzögerung ergab sich, weil die Austropop-Ikone buchstäblich über ein Plakat der Volkshilfe stolperte und sich, davon angesprochen, spontan gegen Kinderarmut engagierte. Als dann doch die Zeit für ein neues Album kam, hatte Fendrich eine bunte Mischung an Songs parat - sowohl musikalisch als auch textlich. "Ich hatte das Problem, dass ich kein Lied bestimmen konnte, das ich als Überbegriff über dieses Album stellen konnte. Der Titel 'Starkregen' war ein Zufall."

Ein Vorname wie ein Starkregen

Beim Buchen eines Fluges bei einer ausländischen Airline schrieb ein Übersetzungsprogramm "Starkregen" statt "Rainhard" (rain hard, Anm.) auf das Ticket. "Das auszubessern, war wahnsinnig schwierig. Mit 'Starkregen Fendrich' am Ticket komme ich mit meinem Pass in kein Flugzeug rein", erzählte Fendrich. "Aber das Wort hat zum Album gepasst! Wir erleben ja einen Klimawandel, nicht nur einen meteorologischen, sondern auch in der Gesellschaft."

»Ich bin gegen jede Form von alternativen Fakten«

Für seine mahnenden Worte gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit hat Fendrich in sozialen Foren teils hämische Kommentare geerntet. "Wenn man seinen Mund aufmacht und den ersten Shitstorm überlebt, weiß man, dass der abwaschbar ist", zeigte sich Fendrich gelassen. "Zum einen sind solche Shitstorms gesteuert, zum anderen hat das mit Unverständnis zu tun, weil diese Leute einer Propaganda erliegen, die alles andere zudeckt und keine andere Meinung mehr zulässt."

Für Fendrich ist klar: "Menschenrechte sind nicht verhandelbar! Ich bin gegen jede Form von Rechtspopulismus - gerade im Land Österreich, das aktiv am Holocaust beteiligt war. Ich bin gegen jede Form von alternativen Fakten." Als einen Grund für den Rechtsruck ortet Fendrich "eine gewisse Politikverdrossenheit", die er im Song "Hinterm Tellerrand" thematisiert. "Die einen sagen: 'Hören'S doch auf mit Politik', die anderen sagen, sie haben einen Politiker gewählt, 'weil er so fesch ist'. Das geht beides für mich in eine falsche Richtung. Und es wird ein Wahlkampf geführt, bei dem es in erster Linie darum geht, den politischen Gegner anzupatzen, zu vernichten, anstatt zu versuchen, mit einem politischen Programm die Wähler zu überzeugen."

Nur "heiße Luft" in der Politik

"Heiße Luft", so ein weiterer Songtitel auf "Starkregen", werde viel geredet, "aber es gibt nichts Konkretes", bemängelte Fendrich die derzeitige Politik. "Es wirkt die Promotion, es wirkt die Propaganda. Das Marketing steht vor dem Argument, das finde ich schade. Der Umgangston ist unter jeder Sau."

Nüchtern analysiert Fendrich durchaus auch seine eigene Generation der Wirtschaftswunderkinder. "Es gab die Friedensbewegung, eine politische Liedermacherbewegung - und in den Achtzigern ist das dann auf Party umgeschwenkt. Ich habe in einem Antiquariat ein Buch aus 1974 gefunden, das heißt '5 vor 12', darin wurde alles prophezeit, was jetzt passiert. Man hat es gewusst! Man hat es ignoriert! Da hat meine Generation versagt."

Am Ende von "Starkregen" steht mit "Abendrot" ein intimes Lied über das Altwerden und Vergessen. "Ich habe erlebt, wie im nahen Bekanntenkreis jemand an Alzheimer gestorben ist", so Fendrich. "Das Sterben in Einsamkeit, wenn man niemanden mehr erkennt, ist was ganz Schlimmes, wenn man vergisst, wer man war und wer man ist. Dann kommt die Angst dazu. Das stell' ich mir grausam vor und war mir wert, ein Lied zu schreiben."

»Es gibt ein Leben vor dem Tod. Manche Leute vergessen das«

Das "Social Media Zombie" geht um

Aber was wäre ein Fendrich-Album ohne humoristische Betrachtungen zeitgenössischer Phänomene? Auf heitere Art analysiert der Musiker den "Social Media Zombie". Dabei empfindet Fendrich soziale Medien als Bereicherung. "Nur wenn Menschen dadurch in ein Paralleluniversum abgleiten und überhaupt nicht mehr in der Lage sind, von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren, dann halte ich das für eine bedenkliche Entwicklung", schränkte er ein. "Wenn du Familien im Urlaub siehst, in der schönsten Zeit, die man gemeinsam haben kann, und dann schauen alle ins Handy - na ja."

Und zur Thematik der ersten Single "Burn Out" hat Fendrich abschließend einen guten Rat parat: "Man muss das Handy nehmen, den Zeigefinger und das letzte bisschen freien Willen, den man noch hat, und auf den roten Knopf drücken und das Telefon ausschalten. Es gibt ein Leben vor dem Tod. Manche Leute vergessen das."