Felipe Massa startet aus der Pole Position:
Brasilianer verweist Hamilton auf Platz zwei

Räikkönen startet in Singapur aus der zweiten Reihe Massa greift nach WM-Führung - Angst vor Regen

Felipe Massa startet aus der Pole Position:
Brasilianer verweist Hamilton auf Platz zwei © Bild: AP/Multhaup

Ferrari-Pilot Felipe Massa hat überlegen die immens wichtige Pole-Position für den Grand Prix von Singapur erobert. Der in der Formel-1-WM nur einen Zähler hinter Lewis Hamilton liegende Brasilianer hat damit heute im ersten Nacht-GP der "Königsklasse" die Chance, vier Rennen vor Schluss die WM-Führung zu übernehmen. McLaren-Fahrer Hamilton musste sich vor dem historischen ersten Flutlicht-Rennen über 61 Runden mit gleich 0,664 Sek. Rückstand und Platz zwei zufriedengeben.

Darüber musste der junge Engländer, der vor dem 15. von 18 Saisonrennen mit 78:77 Punkten vor Massa in Führung liegt, am Ende aber sogar heilfroh sein. Denn fast wäre er wie zwei Wochen davor in Monza schon in Teil zwei des Qualifikationstrainings hängengeblieben. Diesmal schaffte es der Brite aber mit Hängen und Würgen gerade noch als Zehnter, in den Kampf um die Pole-Position einzuziehen.

Bei 30 Grad Luft- und 31 Grad Streckentemperatur ging am Samstag um 22.00 Uhr Ortszeit das mit viel Spannung erwartet erste Qualifying unter Flutlicht und auf einem gegenüber dem Vortag adaptierten Straßen-Kurs in Szene. Der erste Pechvogel war Doppelweltmeister Fernando Alonso, der nach zwei Show-Bestzeiten im Freien Training seinen defekten Renault abstellen musste und sich darüber so ärgerte, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass er 2009 wirklich bei Renault bleibt. Das war zuletzt mangels Alternativen schon wieder als sicher gemeldet worden.

Hamilton in Q2 mit viel Glück weiter
Hamilton verpatzte seine ersten Stint von Q2 völlig und hatte im zweiten viel Verkehr. "Ich hatte da wirklich unglaubliches Glück, dass ich noch weiterkam. Also muss ich am Ende mit Platz zwei zufrieden sein", sagte der 23-Jährige Vizeweltmeister, der neben Massa aus Reihe eins startet. Reihe zwei bilden Weltmeister Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari und Robert Kubica im BMW. Toll fuhr einmal mehr Jungstar Sebastian Vettel. Der Monza-Sensationssieger kam als einziger Red-Bull-Pilot ins Q3 und stellte seinen Toro Rosso neben Landsmann Timo Glock (Toyota) auf Startplatz sieben.

Mann des Tages war aber Massa: Der Brasilianer, der an sich als "Hasser" von Stadtkursen gilt, holte wie schon in Monaco und Valencia auch im Lichtermeer von Singapur die "Pole" und deklassierte dabei das Feld förmlich. Klarerweise strahlte der "Nightrider" mit dem Radarauge über seine überragende Bestzeit über das ganze Gesicht. "Ich hatte ein perfektes Auto, und mir ist eine perfekte Runde gelungen", frohlockte der "Stadtneurotiker" aus Sao Paulo.

Es fühle sich großartig an, die erste Pole im ersten Nachtrennen der Geschichte zu haben, ergänzte der Brasilianer, der lange im Schatten von Michael Schumacher gestanden war. Im Vorfeld des Singapur-Rennens hatte Massa aber selbst bereits gemeint, dass er ein durchaus "würdiger Weltmeister" sein würde.

Begeisterung über Premiere<7b>
Die Weltpremiere eines Formel-1-Rennens unter Flutlicht hatte bis Samstagabend fast nur für Begeisterung gesorgt. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte sich über seine Idee sogar so stolz gezeigt, dass er im Singapur-Fahrerlager praktisch omnipräsent war und auch dem Medienzentrum einen täglichen Besuch abstattete. Für ihn sei hier ein Traum wahr geworden, gab sich der 78-jährige Brite dabei ungewohnt emotional.

Die wahre Nagelprobe geht freilich erst am Sonntagabend in Szene, wenn sich erstmals 20 Autos gleichzeitig in den Betonschlauch mit dem Nadelöhr Anderson-Brücke einfädeln werden. Nicht wenige Fahrer fürchten, dass es im Rennen böse Zwischenfälle geben könnte. Vor allem die Boxeneinfahrt ist trotz Verbesserungen nach wie vor ein Sorgenkind.

Was gar Regen für das erste Nachtrennen bedeuten könnte, wollte sich kein Fahrer wirklich ausmalen, dabei liegt die Regenwahrscheinlichkeit für das Tropen-Rennen am Äquator bei zumindest 50 Prozent. "Chaos oder Prozession wie in Valencia" schienen die auch von Ferrari-Chef Luca die Montezemolo ("Ein weiterer Stadtkurs ohne Überholmöglichkeiten") aufgeworfenen Möglichkeiten zu sein. "Denn selbst wenn es trocken bleibt, ist Überholen hier praktisch unmöglich", wusste auch Hamilton. Massa gab sich positiver. "Das ist ein enorm wichtiges Rennen für die Formel 1, weil die ganze Welt zusehen wird. Ich hoffe, wir machen alle einen guten Job."

Ergebnis des Qualifyings:
1. Felipe Massa (BRA) Ferrari 1:44,801 Minuten
2. Lewis Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes 1:45,465
3. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 1:45,617
4. Robert Kubica (POL) BMW-Sauber 1:45,779
5. Heikki Kovalainen (FIN) McLaren-Mercedes 1:45,873
6. Sebastian Vettel (GER) Toro-Rosso-Ferrari 1:46,244
7. Timo Glock (GER) Toyota 1:46,328
8. Nico Rosberg (GER) Williams-Toyota 1:46,611
9. Nick Heidfeld (GER) BMW-Sauber 1:45,964 - strafversetzt
10. Kazuki Nakajima (JPN) Williams-Toyota 1:47,547
11. Jarno Trulli (ITA) Toyota 1:45,038
12. Jenson Button (GBR) Honda 1:45,133
13. Mark Webber (AUS) Red-Bull-Renault 1:45,212
14. David Coulthard (GBR) Red-Bull-Renault 1:45,298
15. Fernando Alonso (ESP) Renault 1:44,971
16. Nelson Piquet (BRA) Renault 1:46,037
17. Sebastien Bourdais (FRA) Toro-Rosso-Ferrari 1:46,389
18. Rubens Barrichello (BRA) Honda 1:46,583
19. Adrian Sutil (GER) Force-India-Ferrari 1:47,940
20. Giancarlo Fisichella (ITA) Force-India-Ferrari ohne Zeit - Start aus der Boxengasse

(apa/red)