Feindschaft vor TV-Kameras demonstriert: Verbalduell von FPÖ-Stadler & BZÖ-Scheuch

Ehemalige Parteikollegen schenken einander ein Stadler: "Warum mit einer Leiche wiedervereinigen?"

Die Stimmung zwischen den verfeindeten freiheitlichen Lagern FPÖ und BZÖ wurde Dienstag abend bei einer Studiodiskussion in der Fernsehsendung "Report" des ORF neuerlich sichtbar. Bei einem verbalen Schlagabtausch zwischen FPÖ-Volksanwalt Ewald Stadler und BZÖ-Bündnissprecher Uwe Scheuch schenkten sich beide Seiten nichts. Stadler konnte vor allem mit der Aussage der zuletzt aus der FPÖ ausgetretenen Abgeordneten Helene Partik-Pable nichts anfangen, die gemeint hatte, sie könne sich nicht einen Millionenprozess leisten und "man kann jemand einschüchtern, wenn man ihm mit einer Klage droht".

Stadler meinte dazu, "Partik-Pable trägt schon dick auf. Eine Frau, die als Richterin mit Schwerstverbrechern zu tun hatte, und auch beim Austeilen im Parlament nicht zimperlich war, der kaufe ich das nicht ab, dass ein Gespräch mit einem Anwalt sie erschreckt hätte". Der FPÖ-Anwalt Peter Fichtenbauer hatte zuvor betont, er habe ein einziges Mal mit Partik-Pable gesprochen und sie um eine Unterschrift ersucht. "Da hat sie mich rüde angefaucht und gesagt, sie denkt gar nicht daran, zu unterschreiben".

Scheuch verteidigte Partik-Pable und meinte, die jüngsten Vorgänge zeigten "die abgrundtiefe Spaltung" zwischen FPÖ und BZÖ. Partik-Pable habe gemeinsam mit Max Hoffmann und Detlev Neudeck (die drei traten zuletzt aus der FPÖ aus) eine konstruktive Politik versucht, weil "Fundamentalopposition nicht unser Weg" sei.

Stadler meinte dazu, dass es sich um "alte Märchen" von Scheuch handle. Es sei außerdem völlig undenkbar, dass gegen den Willen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) eine Regierungspartei gespalten werde. Schüssel habe "schon wegen weniger eine Koalition platzen lassen". Und Neudeck, Hofmann und Partik-Pable hätten seit dem Tag der Abspaltung vor einem Jahr keine einzige FPÖ-Initiative mehr im Parlament unterstützt, sondern nur mehr Regierungsinitiativen. Jedenfalls werde das BZÖ "nicht einmal die 258.000 Stimmen erreichen", die mit dem FPÖ-Volksbegehren geschafft wurden.

Scheuch warf Stadler eine "Schlammschlacht" vor. Jetzt beginne die FPÖ wieder einen Prozess gegen die frühere FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer und deren Vorgänger Jörg Haider. Stadler polemisiere nur mehr. Und was das FPÖ-Volksbegehren für die Beibehaltung der Neutralität betreffe, erinnerte Scheuch den Volksanwalt daran, dass Stadler 1996 als freiheitlicher Klubobmann noch erklärt habe, dass die Neutralität obsolet sei und man die NATO brauche.

Einigkeit zwischen beiden Kontrahenten herrschte nur bei der - eher rhetorisch gemeinten - Frage nach einer möglichen Wiedervereinigung. Stadler dazu: "Das kommt nicht in Frage". Scheuch: "Aus heutiger Sicht ist das ausgeschlossen". Stadler replizierte, dass das nicht nur aus heutiger Sicht ausgeschlossen sei und fügte hinzu: "Warum soll ich mich mit einer Leiche wieder vereinigen". Auf die Frage nach dem künftigen BZÖ-Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl gab Scheuch erwartungsgemäß keine Auskunft: "Es wäre unklug, das heute zu verraten. Wir werden das in den nächsten Monaten in Ruhe beraten". Stadler meinte, er habe auf jeden Fall, für den Nationalrat zu kandidieren, aber er strebe keineswegs die Funktion des Klubobmanns an.

(apa/red)