Feindliche Übernahme: Stahlkonzern Mittal gibt "deutlich" höheres Offert für Arcelor ab

Angebot hat einen Gesamtwert von 25,8 Mrd. Euro Eigentümerfamilie will auf die Mehrheit verzichten

Der weltgrößte Stahlkonzern Mittal Steel will mit einem deutlich höherem Angebot für den Konkurrenten Arcelor den zähen Widerstand des Managements gegen eine Übernahme brechen. Das Direktorium von Arcelor berief nach der Vorlage des Angebots umgehend ein Treffen ein, um das neue Gebot zu prüfen. Die Sitzung solle in den kommenden Tagen stattfinden.

Mittal stockte sein Anbot für das Luxemburger Stahlunternehmen um gut ein Drittel auf knapp 26 Milliarden Euro auf. Nunmehr werde je Arcelor-Aktie ein eigenes Papier sowie 11,10 Euro in bar geboten, teilte der Konzern am Freitag mit. Damit werde die Arcelor-Aktie mit 37,74 Euro bewertet. Das vorherige Angebot hatte ein Gesamtvolumen von knapp 19 Milliarden Euro.

In der Früh hatte die Vierländerbörse Euronext den Handel mit Aktien von Mittal und Arcelor vorrübergehend ausgesetzt. Nach der Neuaufnahme des Handels schossen die Papiere des Luxemburger Konzerns um 13 Prozent in die Höhe, während die Aktien von Mittal um zwei Prozent nachgaben.

Das neue Anbot katapultierte auch die Aktie von ThyssenKrupp um mehr als sechs Prozent nach oben. Die Düsseldorfer wollen im Fall einer Übernahme von Arcelor durch Mittal den kanadischen Stahlproduzenten Dofasco von den Luxemburgern übernehmen. "Das Interesse an Dofasco besteht weiter. Das Angebot wollen wir nicht kommentieren", sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher.

Mittal kündigte auch Änderungen in seiner Unternehmensführung an, die wegen des großen Einflusses der Eigentümerfamilie Kritik ausgelöst hatte. Danach soll der Anteil der Familie des Firmengründers Lakshmi Mittal in dem neuen Unternehmen nur noch bei 45 Prozent liegen. Nach dem ersten Angebot hätte der Mittal-Clan noch über mehr als 50 Prozent verfügt. Sollte Mittal Steel Arcelor übernehmen, entstünde ein Stahlgigant mit einem Wert von umgerechnet rund 31 Milliarden Euro. Der Konzern hätte 320.000 Mitarbeiter und würde rund zehn Prozent der Weltstahlproduktion herstellen.

Arcelor wehrt sich seit Monaten gegen die Übernahme und hat eine Reihe von Abwehrmaßnahmen eingeleitet, die zum Teil auch bei den eigenen Anteilseignern Kritik hervorgerufen haben. So will der Konzern etwa Aktien zu einem überhöhten Preis im Volumen von fünf Milliarden Euro zurückkaufen. Zudem hat Arcelor eine deutliche Dividendenaufstockung versprochen. Beides macht ein Unternehmen für eine Übernahme weniger attraktiv.

(apa/red)