Federer fällt in Wimbledon vom Thron: Viertelfinal-Out gegen Tschechen Berdych

Schweizer Titelverteidiger scheitert in vier Sätzen Wie schon in Paris Aus in Runde der letzten Acht

Federer fällt in Wimbledon vom Thron: Viertelfinal-Out gegen Tschechen Berdych © Bild: AP/Grant

Tennis-Star Roger Federer hat zum zweiten Mal en suite bei einem Major-Turnier schon nach dem Viertelfinale die Koffer packen müssen. Ausgerechnet in seinem "Wohnzimmer", dem Center Court des All England Clubs in Wimbledon, musste sich der sechsfache Sieger des Traditionsturniers schon vorzeitig verabschieden. Der 28-jährige Schweizer, im Achtelfinale noch klarer Sieger über Jürgen Melzer, musste sich dem als Nummer 12 gesetzten Tschechen Tomas Berdych nach 2:35 Stunden mit 4:6,6:3,1:6,4:6 geschlagen geben.

Während Berdych, der auch bei den French Open schon im Halbfinale gestanden war, nun auf Novak Djokovic trifft, muss Federer vorerst seinen Traum vom siebenten Wimbledon-Titel auf 2011 vertagen. In Paris war der 28-Jährige erstmals nach sechs Jahren bzw. 23 Grand-Slam-Halbfinali en suite schon in der Runde der letzten acht (gegen Robin Söderling/SWE) ausgeschieden. Der 16-fache Major-Sieger hat heuer bisher "nur" die Australian Open für sich entschieden.

Größter Erfolg in Berdychs Karriere
Für Berdych war der Sieg über Federer wohl der größte seiner Karriere. Der 24-Jährige besiegelte nicht nur die früheste Federer-Niederlage in Wimbledon seit 2002, er ist auch der erste Tscheche im Wimbledon-Halbfinale seit dem legendären Ivan Lendl 1990. "Es ist so aufregend, in diesem Stadion gegen so einen großartigen Spieler wie Roger zu spielen", sagte der Tscheche, der übrigens auch auf der Wunschliste von Herwig Straka für die BA-Trophy in Wien steht.

"Das war das schwierigste Match meiner Karriere - das auszuservieren - ich bin sehr glücklich", meinte Berdych beim Abgang in die Kabine. Nach nur 34 Minuten hatte er den Auftakt-Satz in der Tasche. Federer schaffte ein frühes Break zur 2:0-Führung und mit einem lauten "Come on" feuerte er sich nach dem Satzausgleich an. Doch Berdych vermochte sich im dritten Durchgang weiter zu steigern und nahm einem Roger Federer Satz drei mit 6:1 ab.

Insgesamt 51 Winner zeugen von den Qualitäten des Tschechen, der im vierten Satz bei 2:3 und 0:40 bei eigenem Aufschlag auch Nervenstärke bewies und doch noch das 3:3 schaffte. In der Folge gelang ihm das Break zum 4:3. Federer wehrte zwar bei 4:5 noch einen Matchball ab und hatte eine Breakchance zum 5:5, aber sein Gegner war an diesem Tag einfach stärker. Übrigens in elf Begegnungen immerhin schon das dritte Mal. Vor Wimbledon hatte Berdych auch heuer in Miami knapp in drei Sätzen gewonnen.

Djokovic ohne Probleme ins Halbfinale
Bereits zuvor hatte sich völlig unspektakulär, weil sehr überlegen Novak Djokovic ins Halbfinale gespielt. Der als Nummer 3 gesetzte Serbe beendete den Erfolgslauf des Taiwanesen Yen-Hsun Lu mit einem glatten 6:3,6:2,6:2. Lu hatte den dreifachen Wimbledon-Finalisten Andy Roddick im Achtelfinale in fünf Sätzen niedergerungen. Damit haben Wimbledon und die Fußball-WM etwas gemeinsam: Während beim Fußball-Großereignis Weltmeister und Finalist Italien und Frankreich frühzeitig ausgeschieden sind, haben mit Federer und Roddick nun auch beide Finalisten schon vor dem Semifinale die Segel streichen müssen.

Djokovic war mit seiner Performance hochzufrieden. "So wie ich gespielt habe, habe ich den Sieg verdient", meinte er grinsend. Aus allen Positionen auf dem Platz habe er sehr solide gespielt. Die Nummer 82 der Welt war nach der Sensation gegen Roddick chancenlos. Der Taiwanese hatte als erster Asiate seit dem Japaner Shuzo Matsuokoa vor 15 Jahren - auch in Wimbledon - ein Major-Viertelfinale erreicht.

Djokovic steht damit zum zweiten Mal in einem Wimbledon-Semifinale, vor drei Jahren hatte er gegen Rafael Nadal aber wegen einer Fußverletzung aufgeben müssen. "Ich hoffe sehr, dass ich auf diesem Level weiterspielen kann." Wenn ihm dies gelingt, wird es auch Federer-Bezwinger Berdych schwer haben.

(apa/red)