Federer-Bezwinger gewinnt in Melbourne:
Djokovic siegt gegen Shooting-Star Tsonga

Mit Vier-Satz-Erfolg zum ersten Grand-Slam-Titel Seit 2005 weder Federer noch Nadal Major-Sieger

Federer-Bezwinger gewinnt in Melbourne:
Djokovic siegt gegen Shooting-Star Tsonga © Bild: AP/Stevens

Novak Djokovic hat in Melbourne den Sensationslauf des ungesetzten Franzosen Jo-Wilfried Tsonga beendet und seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Der 20-jährige Serbe gewann in seinem zweiten Major-Finale nach den US Open 2007 nach 3:05 Stunden gegen den ungesetzten Überraschungsmann mit 4:6,6:4,6:3,7:6(2) durch. Djokovic ist damit der erste Major-Sieger seit Melbourne 2005 (Marat Safin), der weder Roger Federer noch Rafael Nadal heißt. Er sicherte sich einen Siegerscheck in Höhe von umgerechnet 822.724 Euro, Tsonga tröstete sich mit der Hälfte.

"Ich weiß, die meisten von Euch hätten lieber gehabt, wenn er gewonnen hätte. Aber ich liebe Euch immer noch - no worries", scherzte ein überglücklicher Novak, der sich ja im vergangenen Oktober auch zum Sieger der BA-CA-Trophy in der Wiener Stadthalle gekürt hatte. "Ich bin sehr, sehr stolz, dass ich der erste serbische Grand-Slam-Sieger bin", so der von seinen Fans "Nole" gerufene Weltranglisten-Dritte, der vorerst auch Dritter im Ranking bleibt.

Sein ihm unterlegener Finalgegner fand erst bei den Ansprachen sein Lachen wieder. Der 22-jährige Franzose hätte so gerne als zweiter Spieler nach Yannick Noah (French Open 1983) in der offenen Ära seit 1968 einen Major-Titel für die "Grande Nation" geholt. Tsonga, der mit vier Siegen über Top-15-Leute (drei davon Top Ten) in sein erstes Grand-Slam-Finale überhaupt eingezogen war, hatte ja vor allem mit einem glatten 6:2,6:3,6:2 über Rafael Nadal (ESP-2) im Halbfinale überrascht.

"Danke für einen guten Fight"
"Danke Novak für einen sehr guten Fight, es war ein guter Moment für mich", sagte Tsonga, der sich zuvor für sein schlechtes Englisch entschuldigt hatte. "Ich spiele besser Tennis, als ich Englisch spreche", so der Publikumsliebling mit kongolesischem Vater und französischer Mutter, die übrigens beide wie auch Djokovic' Eltern das Match am Court verfolgten.

Tsonga hatte den besseren Start erwischt, auch wenn er gleich zu Beginn ein Break hinnehmen musste. Nach dem sofortigen Rebreak zeigte der Franzose, warum er in das Endspiel gekommen war: Krachende Schläge von der Grundlinie, verlässlicher Aufschlag und ein tolles zehntes Game, samt dank eines schönen Lobs verwerteten ersten Satzballs, ermöglichten Tsonga nach 48 Minuten die 1:0-Satzführung, Djokovic musste erstmals in diesem Turnier einen Satz abgeben. Es sollte sein einziger bleiben.

Wende im zweiten Satz
Der 20-Jährige ließ sich zwar zu Beginn des zweiten Satzes von der Körpersprache her ein wenig den Schock anmerken, doch er fand seinen Siegeswillen wieder. Im ominösen siebenten Game wollte Djokovic bei 3:3 das Break unbedingt und er schaffte es auch. Sein Gegner spielte den Rest des Satzes fehlerhafter als zuvor, womit es nach 1:28 Stunden zum Satzgleichstand kam. Im dritten Satz war Djokovic Herr der Lage, Tsonga agierte zu passiv und mit Breaks zum 2:1 und dann mit dem siebenten Break- und Satzball zum 6:3 schaffte der Serbe die 2:1-Satzführung.

Im vierten Satz bäumte sich Tsonga noch einmal auf, steigerte sein Spiel sowohl mit dem Aufschlag, als auch von der Grundlinie. Bei 5:5, Aufschlag Djokovic hatte Tsonga seine einzige Chance, hier vielleicht doch noch den fünften Satz zu erreichen. Doch der Serbe stellte auf 6:5 und setzte sich später im Tiebreak letztlich klar durch, nicht zuletzt weil Tsonga schnell mit 1:5 in Rückstand geraten war. Bei 6:2 nützte "Nole" seinen ersten von vier Matchbällen und ließ sich vor Freude auf den Rücken fallen.

Dreikampf an der Weltspitze
Während Djokovic mit diesem Titel das jahrelange Duell zwischen Roger Federer, den er im Halbfinale glatt in drei Sätzen ausgeschaltet hatte, und Nadal damit endgültig zum Dreikampf machte, findet sich Tsonga auf dem 18. Weltranglisten-Platz wieder. Mit dem Titel wäre Tsonga von Platz 38 gar auf Rang 9 geprescht. Nun gilt es für den aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Box-Champion Muhammad Ali auch "Ali" gerufenen Tsonga vor allem unverletzt zu bleiben, denn Verletzungen hatten ihn in den vergangenen Jahren immer wieder zurückgeworfen.

Für Djokovic geht der Angriff auf die Nummer 1 weiter. "You will soon be the number 1", stand auf einem der Transparente zu lesen. Nach diesen Australian Open scheint dies glaubhafter als je zuvor. (apa/red)