Schuldenkrise von

Faymann: Keine Zukunft
ohne Griechenland

Kanzler traf heute in Athen mit Rückendeckung aus Brüssel auf Premier Tsipras

Faymann und Tsipras in Athen © Bild: APA/BKA/Andy Wenzel

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat im Streit zwischen Griechenland und der Eurozone in Athen für einen "Kompromiss auf Augenhöhe" geworben. Es müsse aus der Krise heraus investiert werden. "Linear zu kürzen, trifft die sozial Schwachen am Härtesten", sagte der Kanzler am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem griechischen Premier Alexis Tsipras.

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Von Griechenland forderte Faymann bessere Rechtsstaatlichkeit, forcierte Betrugsbekämpfung und funktionierende Finanzbehörden. "Anstelle von Kürzungen braucht es Reformen", erklärte der Kanzler. Außerdem plädierte er für eine Lösung, die die Armut und Arbeitslosigkeit in Griechenland nicht erhöhe.

Tsipras sagte laut Kanzlersprecherin Susanna Enk, dass Griechenland den "Teufelskreis der Austerität" durchbrechen müsse. Griechenland habe den Gläubigern einen umfassenden Vorschlag vorgelegt, so Tsipras laut der Nachrichtenagentur dpa. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuern für Medikamente und Strom könne es aber nicht geben, auch keine weiteren Kürzungen der Pensionsausgaben. Die griechischen Pensionisten hätten bereits viele Verluste gehabt. "Wenn Europa darauf besteht, muss es auch die Konsequenzen bedenken", sagte Tsipras.

Auch Faymann gegen Pensionskürzungen

Auch Faymann hat sich gegen weitere Kürzungen am griechischen Pensionssystem zur Senkung der Schuldenlast ausgesprochen. "Ich halte es für sinnvoll, insbesondere kleinere Pensionen keiner weiteren Kürzung zuzuführen", sagte Faymann bei einem live im griechischen Fernsehen übertragenen Auftritt mit Tsipras.

An vorgezogene Parlamentswahlen oder eine Volksabstimmung denke die Regierung in Athen nicht. "Es gibt nur eine Wahl. Eine tragfähige Lösung, die vom Volk und dem Parlament akzeptiert werden kann", sagte Tsipras.

Sollte es eine Lösung geben, würden er und seine Partei die politische Last auf sich nehmen und sie unterstützen, auch wenn es eine schwierige Lösung für sein Land sei. Sollte aber keine solche Lösung möglich sein, werde er sich den "katastrophalen" Forderungen der Gläubiger widersetzen.

Keine Zukunft ohne Griechenland

Faymann betonte erneut seine Ablehnung eines Grexits, also eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone. Er könne sich für Europa keine glückliche und friedvolle Zukunft vorstellen ohne Griechenland. Er sprach sich außerdem für einen längerfristigen Lösungsplan aus, "um herauszukommen aus den monatlichen Krisensitzungen".

Allerdings sei die "Zeit knapp für einen Kompromiss" mit den internationalen Gläubigern. Einige Länder müssten noch ihre nationalen Parlamente zu einer allfälligen Einigung mit Athen befragen, darum brauche es eine Lösung in den nächsten Tagen.

Faymann zeigte in Athen erneut Verständnis für die Linie der griechischen Regierung. "Ich war immer der tiefen Überzeugung, dass man aus der Krise heraus investieren muss", sagte der Bundeskanzler. Es dürfe nicht nur mit dem Rotstift gekürzt werden, sondern auch investiert. "Es kann keine Reform sein, wenn jemand Angst hat, in ein Spital zu gehen, weil er keine Krankenversicherung hat." Es sei auch nicht in Ordnung, wenn gewöhnliche Bürger hohe Abgaben leisteten, aber einige "in Steueroasen davonschwimmen" oder Geld "in die Schweiz überwiesen" werde.

Besuch in Absprache mit Juncker

Der Bundeskanzler ist nach eigenen Angaben in Absprache mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Athen gereist. Ziel ist es, die festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Regierung in Athen und den Geldgebern neu zu beleben. Die Visite von Faymann ist der erste Besuch eines Regierungschefs aus der EU in Griechenland seit dem Amtsantritt von Tsipras im Jänner 2015. Der Bundeskanzler wird auch mit dem Staatspräsidenten Prokopios Pavlopoulos zusammenkommen. Außerdem ist ein Lokalaugenschein in sozialen Einrichtungen geplant, in einem Krankenhaus und einem Naturkosmetik-Unternehmen, einem Projekt von SOS-Kinderdorf für sozial bedürftige Familien sowie ein Treffen mit Gewerkschaftsvertretern.

Griechenland streitet seit Wochen mit seinen Geldgeben darum, wie der Weg für kurzfristige Hilfszahlungen von 7,2 Milliarden Euro freigemacht werden kann. Bisher gibt es immer noch keine Einigkeit über die Reformen, die das Land dafür vornehmen muss. Am Donnerstag beraten die Euro-Finanzminister über das Thema, wobei die meisten Beteiligten allerdings noch keine Entscheidung erwarten.

Kommentare

Piper47 melden

In Österreich gibt es Rekordarbeitslosigkeit, Rekordverschuldung etc.. und was macht Herr Faymann - er fährt zu den Griechen, frißt, sauft und macht sich ein paar schöne Tage für unser Geld - damit die EU mit den Griechen auf Gleich kommt brauchen sie andere Kaliber als einen Herrn Faymann. Der nuschelt dort ein paar Floskeln und denkt sich - habt mich gern - mir geht es gut. Und wenn sie mich in

Piper47 melden

Österreich absägen - ja dann geht es ihm erst recht gut! Ich bin fest davon überzeugt dass der liebe Herr schon einen Plan B hat wenn es nicht mehr so läuft - und den Posten den er dann bekommt kennt er wahrscheinlich auch schon - der Rest vom Volk muss hart arbeiten und schauen wie es über die Runden kommt !

Nudlsupp melden

Ja, aber genau mit diesen Roten will die FPÖ koalieren, um an die Futtertröge zu kommen. Ist das nicht ganz schön doof? Ich würde mir von der FPÖ erwarten, daß sie sich ganz klar von der SPÖ distanziert. Mit so einer Partei kann man doch nicht vertrauensvoll zusammen arbeiten. Im übrigen, sollte die FPÖ dies auch bei der ÖVP tun. Die sind ja um nichts besser.

Er sollte doch gleich in Griechenland bleiben - die Griechen kann er nicht mehr gegen die Wand fahren - in Österreich gibt es noch Hoffnung - ohne Ihn!

christian95 melden

Faymann sollte ihn zu einem Staatsbesuch nach Österreich einladen. Vassilakou könnte ihn dann MAHÜ und FUZO zeigen.

Just-The-Truth melden

Was ist an der Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße jetzt eigentlich so schlecht? Entspanntes flanieren durch eine Einkaufsstraße, keine Autos, Schaufensterbummel oder einen Kaffee genießen. Mal vor Ort gewesen? Ich nehme mal an, Nein.

Nudlsupp melden

Schlecht ist, daß es nicht die FPÖ gemacht hat. Schauen Sie doch mal in die Steiermark. Jahrelang trägt HC die Monstranz der Verwaltungsreform vor sich her. In der Steiermark setzen es die anderen um, flugs bekämpft er sie und ist dagegen. Das müssen Sie auch nicht verstehen, Just-the-Truth, das ist FPÖ-Logik, und dies nachzuvollziehen ist schwierig, wenn man mind. durchschnittlich intelligent ist

giuseppeverdi melden

Ist ohnehin egal was der Faymann sagt, weil den ja niemand mehr ernst nimmt. Dass er den Besuch in Absprache mit dem Junker macht, ist bezeichnend dafür, dass Österreich in der EU - außer dass es Nettozahler ist - NICHTS gilt und nichts zu sagen hat. Ich wünsche mir einen Cameron, der sein Volk abstimmen lässt, ob es in der EU bleiben will oder nicht!

Nudlsupp melden

Das Wahlergebnis würden Sie ja ohnehin nicht akzeptieren und wieder von links-linker-Gutmenschen-Propaganda sprechen, wenn die vernünftige Mehrheit sich dafür ausspricht.

Oliver-Berg

Es treffen sich zwei Linke, die beide nicht gerade dafür bekannt sind, die Arbeit und den Umgang mit Geld erfunden zu haben und klopfen sich beide auf die Schultern. Bei Investoren wird Österreich schon als das Griechenland der Alpen gehandelt, weil nie Reformen, hohe Steuerlast, wenig Innovation und nur Krampf in der Regierung. Wann besucht uns Tsipras?

Der Faymann darf den Griechen ruhig "helfen". Dafür muss er aber auch dort bleiben.

christian95 melden

Wir werden international immer mehr zu einer Lachnummer!
Österreich hat so wie Griechenland Rekordstaatsschulden, hohe Arbeitslosigkeit, die Wirtschaft liegt danieder .... und Faymann will den Griechen Tipps geben???

Nudlsupp melden

Zur Lachnummer haben uns ganz andere Sachen gemacht. Da waren Bewerbungsschreiben daß das Country too small ist, noch einer der wenigen wirklich lustigen Sachen.

BankruptObama melden

Griechenland wird und kann seine Schulden niemals zurückzahlen. Wenn sie es nicht schaffen den Euro loszuwerden, dann wird nach dem Bankrott ihr ganzes Land von den Heuschrecken der internationalen Finanzindustrie geplündert.

christian95 melden

100% richtig!
Würden die Zinsen so niedrig bleiben braucht Griechenland über 70 Jahre um sämtliche Schulden zurückzuzahlen! Die "Schottermitzi" berichtete dem Parlament: "Mrd. die wir nach Griechenland schicken sind für uns ein gutes Geschäft". Pröll und Schieder rückverstaatlichen die marode Hypo die Haider um teures Geld verkauft hatte.
Wir sollten solche Typen nicht mehr wählen!

Urlauber2620
Urlauber2620 melden

Und ausgerechnet der Feigmann will über Finanzen Ratschläge erteilen? Der sollte erst mal zurücktreten und vielleicht besser gleich nach Griechenland auswandern. Vielleicht glaubt man ihm dort seine Lügen.

Just-The-Truth melden

@Christian: Hör doch endlich mal auf den Verkauf der Hypo durch Haider schön zu reden. Ein paar Millionen zu bekommen und als Gegenleistung Milliarden an Haftungen zu behalten ist für dich also ein gutes Geschäft?

christian95 melden

Für eine marode Bank 500 Mio zu bekommen, die nun dem Steuerzahler 18 Mrd. kostet ist für mich weiterhin ein gutes Geschäft. Die Haftungen haben ALLE Parteien im Kärnter Landtag beschlossen - das ist ein anderes Kapitel.

christian95 melden

Zufall, nichts als Zufall. Unser "Inseratenkanzler" wird immer mit freundlichen Fotos präsentiert. Das hat mit den vielen Werbeeinschaltungen in den Medien nichts zu tun.
Tsipras & Co sind schon mit ganz anderen Kalibern fertig geworden!

christian95 melden

Mir gefällt es, wenn jemand der zu Hause Rekordstaatsschulden hat, die Wirtschaft liegt danieder, Rekordarbeitslosigkeit ... jemand anderen Tipps geben will. Alle anderen in der EU haben Griechenland längst abgeschrieben!

strizzi1949
strizzi1949 melden

Komisch! Wer sind dann die, die Griechenland in der EU halten wollen? Laut Ihrem Gewäsch ist Griechenland nur mehr in der EU, weil WIR es so wollen!
Lesen Sie das, was Sie schreiben eigentlich durch, bevor sie es senden?

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