Favoriten-Rolle in Magny-Cours offen: Pole Kubica geht als WM-Spitzenreiter ins Rennen

Räikkönen und Hamilton sind in Defensive geraten Letzte französische Landpartie verspricht Spannung

Favoriten-Rolle in Magny-Cours offen: Pole Kubica geht als WM-Spitzenreiter ins Rennen © Bild: APA/EPA/Thew

Landpartie als Lotterie: Vor dem letzten Ausflug der Formel 1 ins französische Niemandsland von Magny-Cours ist die Favoriten-Rolle offener denn je. Nach der Siegpremiere für BMW-Sauber startet der Pole Robert Kubica als WM-Spitzenreiter beim Großen Preis von Frankreich am kommenden Sonntag (14.00 Uhr) und hat die Zurückhaltung im Titelkampf abgelegt. Dagegen sind Weltmeister Kimi Räikkönen und Silberpfeil-Hoffnung Lewis Hamilton nach ihrem Boxengassen-Crash von Kanada, für den der Brite zehn Startplätze nach hinten rücken muss, in die Defensive geraten.

Konstanz und richtiges Timing - mit diesem Rezept fuhr BMW-Sauber zuletzt an der Konkurrenz vorbei und hat Prognosen über den Rennausgang zum Ratespiel werden lassen. Angesichts peinlicher Patzer der Rivalen wittert Kubica die Chance auf den großen Coup und setzt daher auch sein Team unter Druck. "Wir brauchen ein schnelleres Auto und bessere Rundenzeiten. Dann wird es auch einfacher, um den Titel zu kämpfen", sagte der 23-jährige Krakauer, der im teaminternen Duell dem Deutschen Nick Heidfeld den Rang abgelaufen hat. Kubica liegt mit 42 Punkten in der Fahrerwertung vier Zähler vor Hamilton und Ferrari-Mann Felipe Massa (je 38).

Letztes F1-Rennen in Magny-Cours
BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen signalisierte vor dem achten Saisonrennen bereits zusätzliche Ressourcen für die Verbesserung des aktuellen Autos. "Natürlich lehnen wir uns jetzt nicht zurück", sagte Theissen. Ziel sei es, das Entwicklungstempo der Top-Teams Ferrari und McLaren-Mercedes mitzugehen. "Die Richtung stimmt", sagte Theissen vor der Abschieds-Vorstellung von Magny-Cours, das wegen seiner ungünstigen Lage künftig keinen Platz mehr im Formel-1-Kalender hat.

Völlig neben der Spur war dagegen zuletzt Vize-Weltmeister Hamilton. Mit seinem kuriosen Boxengassen-Auffahrunfall auf den Ferrari von Titelverteidiger Räikkönen in Montreal zog sich der 23-Jährige Spott und Kritik zu und weckte Erinnerungen an die fahrlässig vergebene WM-Chance im Vorjahr. Als schwere Hypothek dürfte sich für den Briten das Startplatz-Handicap erweisen, zumal das Überholen auf dem 4,411 Kilometer langen Kurs sehr schwierig ist.

Lewis Hamilton gibt sich trotzig
"Ich bin zuversichtlich, dass wir gewinnen können. Ich habe diesen Glauben an mich selbst und das Team", erklärte Hamilton dem britischen Rundfunksender BBC. Sein Arbeitgeber verzichtete nach der Pleite von Kanada auf öffentliche Schelte für den Hoffnungsträger. "Wir haben mit Lewis nicht das geringste Problem", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Noch eine "Nullnummer" wie in Montreal, als auch Heikki Kovalainen als Neunter ohne Punkte blieb, können sich die in der Teamwertung mit 53 Zählern auf Platz drei hinter Ferrari (73) und BMW-Sauber (70) abgerutschten Silbernen jedoch kaum leisten.

Räikkönen glaub an die Wende
Gleiches gilt für die Scuderia und vor allem für Räikkönen. Auch beim Finnen stand bei den vergangenen zwei Rennen die Null, als WM-Vierter mit sieben Punkten Rückstand auf Kubica ging die Tendenz zuletzt klar nach unten. Doch der 28-Jährige, der auch im Vorjahr in der zweiten Saisonhälfte die große Aufholjagd startete, glaubt an die Wende. "Jetzt kommen die Strecken, auf denen wir von Beginn an sehr stark sein sollten", sagte Räikkönen, 2007 Sieger in Magny-Cours.

Wie jedes Jahr tut sich auch 2008 um diese Jahreszeit enorm viel auf der Formel-1-Gerüchtebörse. So wird Nico Rosberg (Williams) als Nachfolger seines Landsmannes Heidfeld bei BMW gehandelt. Doppel-Weltmeister Fernando Alonso soll wegen des anhaltend schwächelnden Renaults 2009 im Honda überbrücken, ehe er 2010 endgültig bei Ferrari andockt.

Coulthard bei Renault im Gespräch
Dafür könnte der 37-jährige David Coulthard, der zuletzt als Dritter in Kanada ein famoses Rennen fuhr, aber 2009 bei Red Bull Racing von Sebastian Vettel (Toro Rosso) abgelöst werden soll, im kommenden Jahr den schwachen Nelson Piquet Jr. bei Renault ersetzen. Bei Honda überlegt man angeblich, nach dem finanziell bedingten Aus für Super Aguri wieder ein zweites Team in die Formel 1 zu hieven. Deshalb soll bei den Japanern mit Danica Patrick auch die erste weibliche IndyCar-Siegerin Formel-1-Testfahrten bekommen.

(apa/red)