Leben von

Sternstunde für
Kinder in der Staatsoper

Susanne Zobl über die Uraufführung der Kinderoper "Fatima" von Johanna Doderer

Fatima © Bild: APA/WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Mit Rafik Shamis "Fatima" ist der Wiener Staatsoper ein wirklicher Coup gelungen. Johanna Doderer vertonte die Geschichte über ein tapferes Mädchen, das sich von Autoritäten nicht einschüchtern lässt, klug und ansprechend. Henry Masons liebevolle Inszenierung verzaubert nicht nur das jüngste Publikum.

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Ein böser Schlossherr tyrannisiert seine Untergegeben,prellt sie hinterhältig um Lohn und Hoffnung und knechtet Mensch und Tier. Wer sich bei seiner Arbeit ärgert, verliert seinen Lohn uns seine Teäume. Doch dann kommt die 12-jährige Fatima. Furchtlos leistet sie Widerstand und überwältigt mit einer List den Herrscher.

Fatima
© APA/WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Das erzählt der deutsch-iranische Autor Rafik Shami. Ein Märchen, das die Probleme unserer Zeit schlüssig auch für das jüngste Publikum auf den Punkt bringt. René Zisterer fasste das Geschehen in ein kindgerechtes, gut verständliches Libretto.

Fatima
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Johanna Doderer, Nichte des österreichischen Schriftstellers Heimito von Doderer ("Die Strudlhofstiege") schrieb dazu eine eingängige, dennoch nie banale Musik. Wunderbar melodiös sind die vielschichtig komponierten Zwischenspiele, die zwischen Filmmusik und feinster Kammermusik nichts auslassen. Klug werden jüngste Besucherinnen und Besucher mit den Instrumentengruppen so auf spielerische Weise vertraut gemacht. Bei manchen Gesangspassagen setzen die Streicher mit zarter, flotter Pizzicato-Begleitung ein, das verleiht der Musik eine besondere Anmut. Und davon bleibt einiges im Gedächtnis, verleitet gar zum Nachsingen. So etwa, wenn Hassan (Carlos Osuna) und später Fatima (Andrea Carroll) pfiffig und flott dem dem Schlossherrn mit "Ich ärgere mich nicht" gegenübertreten.

Kinderoper ernst genommen

Ein Clou ist Jan Meiers Ausstattung. Ein Pferd und eine Kuh auf Rädern symbolisieren das ausgebeutete Tier. Die dunkle Bühne ist praktikabel in eine arme Hütte und in einen Palast zu verwandeln. Henry Mason führt das Ensemble präzise, mit wenigen Gesten wird hier Wesentliches dargestellt.

Fatima
© APA/WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

Dass Direktor Dominique Meyer, die jahrelang auf ein Zelt dem Dach der Wiener Staatsoper verbannte, Kinderoper im Haus aufführt, kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen. Hier wird das junge Publikum ernst genommen. Mit kurzweiliger Musik, liebevoller Regie und kompakter Länger von einer Stunde ermöglicht man den idealen Einstieg ins Genre Oper mit vortrefflicher Besetzung in der Titelpartie. Andrea Carrolls klarer, ausdrucksstarker Sopran steht ihrer darstellerischen Leistung um nichts nach. Soran Coliban ist als Schlossherr ideal besetzt. Carlos Osuna schlägt sich mit seinem für das große Haus etwas zu kleinem Tenor wacker durch die Partie. Benjamin Bayl führt das Orchester der Wiener Staatsoper sehr ordentlich.

Fatima
© APA/WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN

So investiert man in die Zukunft der Oper.

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