Fast Food statt Nobelrestaurants: Londons Banker haben kein Geld für Geschäftsessen

Durch Finanzkrise werden Spesenetats stark gekürzt Reservierungslisten von Nobelrestaurants bleiben leer

Fast Food statt Nobelrestaurants: Londons Banker haben kein Geld für Geschäftsessen © Bild: Reuters/Caronna

In der Krise müssen die Banker ihren Gürtel enger schnallen - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die von den Konzernspitzen angeordnete Hungerkur für die Branche wirkt sich unmittelbar auf die Spesenetats der ehemals hoch bezahlten Manager aus - zumindest wenn man den Reservierungslisten der Top-Restaurants in der Londoner Innenstadt Glauben schenkt. Dort, wo sich die Geldelite vor kurzem noch um die besten Plätze balgte, herrscht heute nahezu gähnende Leere: Für Geschäftsessen ist kaum noch Geld da.

"Wie wäre es mit einem Mittagessen bei McDonald's?" - "Aber nur wenn Sie bezahlen!" Dieser Dialog ist nicht erfunden, sondern hat sich so zugetragen. Das Gespräch ist Ausdruck einer von der Finanzkrise erzwungenen Bescheidenheit, die es so im Finanzdistrikt der britischen Hauptstadt lange nicht gab.

Vor zwei Jahren noch legten Banker in einem Sterne-Restaurant wie dem "Pied a Terre" in Westen der Metropole für ein Geschäftsessen leicht 4.500 Euro auf den Tisch - manchmal nur für den Wein. Nach dem Zusammenbruch mehrerer Institute und milliardenschweren Hilfen vom Staat ist nun Bescheidenheit angesagt. Das Londoner Edel-Restaurant muss mittlerweile um seine Gäste kämpfen und hat sich mit der Konkurrenz zusammengetan: Gemeinsam wollen die Gourmet-Tempel die Feinschmecker aus der Finanzbranche nun mit großzügigen Preisnachlässen locken.

Rückkehr in Demut
Sollten sie irgendwann zurückkehren, wird es eine Rückkehr in Demut sein, wie ein Investmentbanker verrät. "Es gibt eine neue genügsamere Einstellung. Man kann nicht mehr so laut oder nassforsch auftreten, andernfalls könnten einen die Leute zur Schnecke machen."

Doch London steht offensichtlich nicht allein da. Der neue Geist zeigte sich auch bei der Getränkewahl vieler Banker beim Weltwirtschaftsgipfel vorige Woche im schweizerischen Davos. Statt Champagner der Edel-Marke Dom Perignon griff die Finanz-Elite lieber zu einfacheren Champagnersorten oder Weißwein, wie Caterer am Rande des Forums klagten.

(apa/red)